2007-04-02 00:11:23
Die deutsche Rockband Beatsteaks veröffentlichte mit der „B-Seite“ vor kurzem ihre erste DVD. Aus diesem Anlass traf das Freie Magazin FM5 den Gitarristen und Gründervater Bernd Kurzke.
Eine kleine B-Seite,
die wartete, dass man sie befreite.
Sie wollte raus aus der Anonymität,
sie wollte im Radio laufen von früh bis spät. (B-Seite/Jan Delay)
Im Radio wird die von den Beatsteaks vor rund einer Woche präsentierte DVD zwar nicht laufen, aber von der Anonymität wurde sie im Wiener Votivkino auf jeden Fall befreit. Denn dorthin wurde am 21. November zur Präsentation geladen. Kommen konnten aber nur jene, die als Gewinner des FM4-Gewinnspiels hervorgegangen waren. Unter diesen befanden sich natürlich zum Großteil begeisterte Beatsteaks-Fans oder besser gesagt Groupies. Eröffnet wurde die Vorführung von den fünf Beatbulleten höchstpersönlich. Zu sagen hatten sie an diesem Abend jedoch nicht besonders viel – außer: „Wir sehen uns nach dem Film auf ein Bier.“ Diesem Aufruf folgten nach der Vorführung zahlreiche Fans, und wie es sich für eine „brave“ Rockband gehört, standen die Beatsteaks auch Rede und Antwort.

B-Seite
Rechtzeitig vor Weihnachten veröffentlichten die Beatsteaks nun ihre erste DVD, die auch gleich zwei Silberlinge beinhaltet. Der erste Teil zeigt eine ausführliche Zusammenfassung von rund 10 Jahren Bandgeschichte, die auch als „Schnitzeljagd zum Durchbruch“ bezeichnet wird. Die auf 63 Minuten verteilten, eher trashig wirkenden Sequenzen dokumentieren die Entstehung der Band, zeigen Konzertmitschnitte, Fahrten mit dem Tourbus, Blödeleien und - no na - einige Saufgelage. Dass sich nach dem zehnten Bier im Backstageraum oder an der Bar der eine oder andere kulturelle Verfall auftun, ist nicht weiter verwunderlich.
Gefilmt wurde zum Großteil mit einer Handkamera, was dem Film einen authentischen Touch verleiht. Aufgefettet wird dies durch schrille Animationen und dem Sprecher Thomas Danneberg, welcher unter anderem die deutsche Stimme von John Cleese ist. Im zweiten Teil der Doppel-DVD wird dann die gewaltige Stimmung eines ausverkauften Beatsteaks-Konzertes ins Wohnzimmer geholt. Angereichert wird dies durch mehr oder weniger schmackhafte Bonuszuckerl in Form von Videos, den dazugehörenden Making Ofs und diversen TV-Berichten.
Vor der DVD-Präsentation traf ich Bernd Kurzke, seines Zeichens Gitarrist der Beatsteaks, in einem Wiener Hotel.
Ihr seid bereits 10 Jahre im Geschäft, habt euch in den Jahren musikalisch verändert, alte Bandmitglieder gingen, neue kamen und habt euch so beharrlich den Weg zum Erfolg gepflastert. Sind die Beatsteaks schon am Zenit ihrer Karriere angelangt?
Bernd Kurzke: Nein, ich glaube, dass es noch weiter gehen kann, aber den bislang erreichten Erfolg haben wir niemals erwartet. Wir wollten einfach nur Musik machen, haben uns auch in den Jahren weiterentwickelt, aber wir haben es nie mit dem Ziel gemacht, dass wir einmal ganz oben stehen.
Der Inhalt der DVD ist vor allem humorvoll aufgebaut. Wo ist denn für dich der Spaß vorbei?
Bernd Kurzke: Gute Frage … Jeder von uns ist schon einmal im Hotelzimmer umgekippt, weil er besoffen war. So etwas muss man nicht unbedingt zeigen. Der Spaß würde für mich vorbei sein, wenn wir uns alle zu ernst nehmen würden. Wir sind fünf gute Freunde, die miteinander viel Spaß haben können.
Gibt es auf der DVD Peinlichkeiten, bei denen du lieber wegsiehst?
Bernd Kurzke: Am Anfang der Bandhistorie gibt es schon Szenen, in denen ich mich gar nicht sehen und leiden kann. Das gehört aber auch zur Geschichte der Band. Die Leute sollen ruhig erfahren, dass wir früher auch schon so bekloppt waren, wie wir heute immer noch sind - das macht sympathisch. Es kommt bei einer Band nicht auf einen Einzelnen an, sondern es geht um uns als Gesamtheit.
Ihr habt eure DVD nach dem Jan Delay-Hit „B-Seite“ betitelt. Besteht ein besonderer Bezug zu Jan?
Bernd Kurzke: Mit Jan Delays „B-Seite“ hat das gar nicht viel zu tun. „B-Seite“ ist für uns einfach ein super Titel für die DVD, weil es sich hierbei um keine Musik-CD handelt. Ergo ist es visuell und hat daher mit einer normalen Albumproduktion nicht viel zu tun. Genau deswegen fanden wir den Namen einfach passend.
Die Toten Hosen haben vor kurzem auf der MTV Unplugged Session eine Coverversion von eurem Song „Hand in Hand“ gespielt. Was sagst du persönlich dazu?
Bernd Kurzke: Ich war zu Tränen gerührt. Warum spielen die Hosen einen Coversong von uns? Das ist die Frage, die ich mir selber nicht beantworten kann. Ich glaube - das trifft auch auf die Ärzte zu -, dass sie Fans von uns sind. Das ehrt mich/uns natürlich sehr, denn wir sind ja auch große Verehrer von diesen Bands und waren es auch schon lange bevor es die Beatsteaks gegeben hat.

Jetzt werde ich dich mit ein paar Schlagwörtern konfrontieren. Ich bitte dich, ein kurzes Kommentar dazu abzugeben.
Tokio Hotel: Sehr jung. Die tun mir echt leid. Ich finde die persönlich belanglos.
Punk (2005): Da ich aus dieser Ecke komme, war Punk für mich nie etwas, was mit Mode oder Musik zu tun hat, sondern eine Art Lebensgefühl, wo man selber steht, wie man Dinge sieht. Das zählt für mich heute noch immer sehr viel. Heute ist dieser Begriff Punk(rock) schon etwas abgelutscht.
Fußball: Ich bin ein großer England-Fan
Berlin: Ich bin dort geboren, aufgewachsen und werde dort auch sterben. Es ist meine Lieblingsstadt.
Schnee: Ich bin eher so ein Typ, der es gerne warm mag. Aber Schnee finde ich schon super.
Tag der Frau: Tag der Mutter wäre eigentlich viel besser, denn ich bin auch Vater. Ich war bei der Geburt dabei und weiß, was man der Frau schuldig ist.
Fleisch: Fleisch ist super. Allerdings nicht in so rauen Mengen wie in den 70er Jahren, sondern bewusst. Fleisch ist für mich ein Genussmittel.
Ziel für das nächste Jahr: Das Ziel ist die nächste Platte zu produzieren, denn die letzte „Smack Smash“ liegt ja schon wieder fast drei Jahre zurück. Wann genau das passieren wird, weiß im Moment noch keiner so genau. Auf jeden Fall werden wir uns wieder für eine Woche in einem Haus wegschließen. Dort werden wir uns von jedem Einzelnen die Demos anhören und analysieren, wo wir zurzeit stehen. Wir lassen uns dabei auch immer ewig viel Zeit, aber das ist auch gut so.
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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