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Umwege

2008-06-01 15:03:03

Umwege

Ein Autor, eine Autorin kommt also nicht ‚einfach so’ – unbedingt und unbedarft – zur Welt literarischer Betriebsamkeiten: Im Anfang war nicht die Entdeckung durch einen Verlag, der zumeist, wie dargestellt, bereits eine gewisse Präsenz im Literaturbetrieb vorausgeht, sondern eine ganze Reihe von Entscheidungen, Zufällen und Positionierungen, die bewusst vorgenommen wurden oder sich, wie man sagt, ergeben haben. Der eine literarische Karriere initiierende Augenblick kann in dieser Hinsicht immer nur rückblickend festgestellt und konstruiert werden. Die Umwege zu seriösen Verlagspublikationen können über Veröffentlichungen in Zeitschriften, über Auftritte bei Veranstaltungen, Beteiligungen an Wettbewerben, Internetpräsenz usw. führen.

Constantin Göttfert hat seinen Verlag auf dem Umweg über eine Literaturzeitschrift gefunden. Wie er denn überhaupt auf die Idee gekommen sei, der vom Literaturhaus Salzburg herausgegebenen Erostepost seinen Text anzubieten.... 

Naja, ganz einfach: weil ich einen Text hatte, der zum Thema gepasst hat. Die meisten Zeitschriften geben ja ihre Ausgaben unter einem bestimmten Thema heraus. Ich hab mir das im Internet angesehen. Und bei diesem dachte ich: Da hast du was geschrieben, was rein passen könnte. Monate danach hat mich dann Dirk Ofner vom Literaturhaus Salzburg angerufen. Beim ersten Anruf meinte er, dass er den Text gern in der Erostepost drucken würde. Dann hat er ein paar Tage später nochmal angerufen, mich zu einer Lesung mit Robert Schindel eingeladen. Und dann noch einmal (wie verrückt klingt denn das? Aber das war wirklich so!), ob ich nicht etwas für einen Verlag hätte. Das war dann der Arovell Verlag – und meine erste Buchveröffentlichung. (Constantin Göttfert, Autor, im Briefverkehr mit FM5)

Dimitré Dinev hat, wie er in einem FM5-Gespräch mit Lukas Ertl erzählt, den Umweg über die Teilnahme an Literaturwettbewerben genommen – über einen Umweg,

der nicht wirklich ein Umweg ist, weil du dich darin erprobst, du schreibst nicht für die Schublade, sondern du hast ein Ziel, und wenn du nicht gewinnst, dann bleibt eine Geschichte und dann kommt die Nächste und die Nächste. Und irgendwann hast du wirklich viel anzubieten (Dimitré Dinev).

Nachdem er den exil-Literaturpreis „Schreiben zwischen den Kulturen“ gewonnen hat, hat Dinev in Österreich, in der edition exil, zu veröffentlichen begonnen. Die edition exil selbst ist aus einer Schreibwerkstatt und den Ergebnissen des ersten exil-Literaturwettbewerbes 1997 hervorgegangen. Erschienen sind in der edition exil demnach auch vorwiegend Texte von Autoren, Autorinnen, die in den vergangenen zehn Jahren mit dem exil-Literaturpreis ausgezeichnet worden sind:

Natürlich kommen immer wieder auch unaufgefordert manuskripte an uns.
Wir verweisen in diesem fall darauf, dass die edition exil ein sehr kleiner verlag ist, dass unser budget maximal 4-5 publikationen jährlich zulässt, und dass wir deshalb unser programm meist schon für die nächsten 2 jahre fixiert haben. wir empfehlen den autorInnen entweder andere verlage und verweisen auch auf die möglichkeit, einen teil des manuskriptes (max. 20 seiten) bei unserem exil- literaturwettbewerb einzureichen. Sollte die jury sich für eine prämierung des textes aussprechen, ist eine spätere gesamtpublikation des textes eventuell möglich. (bzw. eher in den bereich des möglichen gerückt.)
(Christia Stippinger, edition exil, im Briefverkehr mit FM5)

 
Umwege erhöhen auch in der Welt literarischer Betriebsamkeiten die Ortskenntnis und schärfen jenen Orientierungssinn, der es erlaubt, sich in seinen jeweiligen Bereichen des Möglichen, also hinsichtlich seiner Möglichkeiten, bestimmte Mittel zu investieren, um auf einem nach gewissen Gesetzmäßigkeiten strukturierten ‚Markt’ einen bestimmten Preis zu erzielen, zurecht zu finden. Der Lebenslauf einer Autorin, eines Autors – von seiner Inauguration bis zu seinem Tod, der, bekanntlich, erst mit einem hohen strukturellen Alter eintritt, nämlich dann, wenn sein Text-Korpus Eingang gefunden hat in Literaturtheorie-Seminare – liegt nicht zwischen zwei Unendlichkeiten: auch der Anfang hat, irgendwo, seinen Anfang genommen. Sich jene Bedingungen vor Augen zu führen, unter denen sich dieses ‚Irgendwo’ als Ausgangsort der Möglichkeit, seine ersten Texte zu veröffentlichen, konstituiert hat, setzt die verbreitet Legende außer Kraft, dass sich eine Veröffentlichung um jeden Preis lohne.

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AutorInnen

Eva Schörkhuber

Eva Schörkhuber

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