2007-04-02 00:11:05
Das Festivalkarussell hat sich mit dem "Two Days A Week" für dieses Jahr ausgedreht. Vom Rotwein über die Kinderbrause bis hin zu ein wenig Wehmut.
Das „Two Days A Week“ dauert ja bekanntlich nicht zwei, sondern drei Tage. Fm5 hat sich aber den Namen zu Herzen genommen und pickte sich – jetzt mal ganz subjektiv gesehen – die zwei besseren Tage heraus.
Take Me Out
Diese Festivalsaison war bei Gott nicht vom guten Wetter verwöhnt worden. Und natürlich musste sich das „Two Days A Week“ auch in das Buch der verregneten Festivals einschreiben.
Wiesen besitzt gegenüber anderen Festivals jedoch einen großen Vorteil, und der nennt sich die überdachte Bühne und ist oft auch Retter der Stimmung.
In den Festivalmarathon – wäre diese Disziplin olympisch, würde mir Gold sicher sein - stieg ich am Mittwoch bei „Winson“ quer ein. Der Zeitpunkt war gut gewählt, da sich verhältnismäßig viele Menschen vor die Bühne verirrt hatten. Und als sich Herr Winson fragte, wovon Peter eigentlich lebt, kam Leben in die Arena von Wiesen.
Zu „Goldfinger“ und „Urge Overkill“ verschlug es mich nur kurz. Erstere verschreckten mich mit einer Cover Version von „99 Luftballons“ und die anderen waren - wie der Name schon vermuten lässt - ein Overkill, so dass sie nicht einmal die schlussendlich dargebrachte „Pulp Fiction“-Nummer vor dem Stempel der Langweiligkeit retten konnte.
Die langen Umbauphasen zwischen den Konzerten - die beinahe länger dauerten als so mancher Auftritt an sich - konnte jeder ganz für sich allein nützen. Möglichkeiten gab es derlei viele…!
„Supergrass“ waren anfänglich ein wenig zögerlich. Vielleicht mussten sie erst ihre Finger warm spielen oder was weiß ich?! Danach ging es aber schön zur Sache und es wurde zum ersten Mal an diesem Tag so richtig gerockt.
Danach durfte ich mich über mein erstes „dEUS“ Live-Konzert freuen. Die aus Belgien stammenden Melancholie-Götter trugen die Traurigkeit mit Kübeln auf die Bühne und verschütteten sie danach über den Köpfen des Publikums. Neben einem bestechend guten Tom Barman (Sänger), einem tollen Bassisten, der sich beinahe mit einer unverschämten Kühle, das erste Lied ganz seelenruhig durch seine Sonnenbrille zu Gemüte führte, agierten noch ein höllisch schneller Gitarrist und ein Geiger. Großartig! Und für mich einer der Höhepunkte dieses Festivals. Ich für meinen Teil freue mich schon auf die bald erscheinende CD.
Jetzt widmen wir uns für eine paar Zeilen einer unglaublich tollen Frau, die mit ihrem wunderbar umherwirbelnden roten Lockenkopf, beinahe an Slash-Manier heran kam. Aber der liebe Herr Slash spielt Gitarre und sie den Bass, und den zupft sie nebenbei bemerkt äußerst eindrucksvoll. Zudem trägt sie auch keineswegs das X-Chromosom in ihren Hüften. Die Rede ist von Melissa Auf der Mauer, die wir auch schon bei den „Smashing Pumpkins“ bewundern durften. Die Frau hat nicht nur Feuer auf ihrem Kopf sondern auch im Hintern!
Bei den „Kings of Leon“ wurde ich danach Zeuge, wie Platz sparend man sein kann oder auch wie groß die Bühne in Wiesen ist. Die Könige kuschelten sich so eng aneinander, dass sie sich beinahe gegenseitig mit der Gitarre eine rübergezogen hätten, was natürlich nicht passiert war. Fast im Einklang spielten sie auf Gitarre und Bass ihre Songs herunter. Das war Rock ′n′ Roll! An dieser Stelle möchte ich noch Noel Gallagher von „Oasis“ ins Spiel bringen, der es damals schon predigte: „The Kings Of Leon are my new fucking favourite band".
„Franz Ferdinand“ verliehen als letzte Band des Tages dem Mittwoch am "Two Days A Week" das Synonym „Extraklasse“! Beinahe keine Band wurde in den letzten Jahren so gehyped wie „Franz Ferdinand“. Anfangs war ich ein wenig skeptisch, ob sie ihre Songs auch live so gut rüber bringen wie auf CD, aber ich wurde danach eines Besseren belehrt: Die drei schicken Schottenrocker zappelten auf der Bühne auf und ab. Bei Sänger „Alex Kampranos“ kam es mir so vor, als würde er barfuß auf heißer Kohle tanzen. Diesen Tanzschritt sollte man sich für den nächsten Disco-Ausflug merken!
Sie sind aber nicht nur gut angezogen und bewegen sich hinreißend. Nein, sie spielten ihr Song-Material von ihrem Debüt-Album "Franz Ferdinand" mit einer enthusiastischen Art und Weise, so dass niemand ruhig auf seinem Platz stehen konnte. Zum Schluss wurden noch die „Darts of Pleasure“ ins Publikum geschossen, so dass wirklich jeder zufrieden und glücklich seinen Schlafplatz aufsuchen konnte.
Alcohol And Disaster
Der Donnerstag brachte eine Kälte mit sich, die mich ständig an meine Winterjacke zu Hause im Schrank denken ließ…!
Und wieder verpasste ich die erste Band und stieg erst bei den „Trashmonkeys“ aus Deutschland ein.
Gespielt wurde 60er Garage und später 70er Rock. Am besten gefiel mir der schwirrende Sound der Hammondorgel, aber auch die unglaubliche Motivation des Sängers „Trashwolf“, der bereits beim Soundcheck nicht mit dem Würgen der Gitarre aufhören wollte.
Nun war Chris Corner der glamouröse „Sneaker Pimp“ und seine neues Projekt „I AM X“ an der Reihe. Dieses Mal wurde die so streng wirkende Bürokauffrau am Keyboard, die noch im „Flex“(13.05.2004) ihr Bestes gegeben hatte, von einer Prima Ballerina ersetzt. Diese wirkte am Anfang eher verunsichert und stellte vorsichtshalber gleich einmal den falschen Sound an ihrem Synthesizer ein.
Der sehr aufmerksame Chris Corner bemerkte diesen Tonirrtum sofort und bewegt sich wie kein anderer zu seinem „Bunny“ und half ihr bei der Soundeinstellung. An diesem Tag hatte „I AM X“ kein Glück mit elektronischen Geräten, denn bei „Your Joy Is My Low“ stürzte beim dritten Anlauf endgültig der Computer ab. Das machte mir - und ich glaube auch dem Publikum - gar nichts, denn durch die laszive Bühneshow wurde alles wieder gut gemacht und auch die im pinkfarbenen 80er Turnanzug bekleidete Victoria( laut einem meiner Freunde, ist das ihr Name) merzte ihren Fehler durch pornografische Einlagen wieder aus. Weiters wurden beinahe alle denk- und undenkbaren Flüssigkeiten von der Bühne gespritzt und vice versa. Vor allem für die Rotweinflecken bin ich Chris heute noch dankbar. Like the drunk you convinced was sober - You keep me falling over - Think you're giving but you're taking my life away…!
„I am Kloot“ beschränkte sich danach auf eine vom Sänger gespielte akustische Gitarre, einem ihm zur Seite sitzender Bassist und einem Schlagzeuger der gekonnte die Felle bearbeitete. Traurigkeit der Extraklasse. Vor allem der Sänger verbreitete durch seine unglaublich tolle Stimme eine berauschende Schwermütigkeit. So viel Melancholie am Nachmittag ist sicher nicht Jedermanns Sache. Ich für mich kann mir nicht besseres Vorstellen – ich will mehr, mehr, und nochmals mehr! Wunderbar!
Nach diesem Konzert nahm ich mir eine Auszeit und ging erst wieder zum Auftritt von Sarah Bettens, die mich bereits am FM4 Frequency Festival in ihren Bann gezogen hatte. Sie schaffte es wieder, was bei dieser Stimme kein Wunder ist. Ich werde auch den Gedanken nicht los, dass diese Frau einer der sympathischsten im ganzen Universum sein muss – warum sie diese Wirkung bei mir auslöst, weiß ich selbst nicht so genau. Sicher ist, dass sie einen Waffenschein für ihre Stimme besitzen müsste, da es ihr immer wieder gelingt, mir eine Gänsehaut zu bescheren, deren Ausmaß ich bis dato noch nicht kannte.
„Mike Patton&Rahzel“ waren nun an der Reihe. Wie man sich das Ganze vorstellen kann, möchte ich euch nun in ein paar Sätzen näher bringen oder zumindest versuchen, euch zu erklären, was da auf der Bühne vor sich ging:
Mike Patton drehte ständig an seinen Geräten am und unter dem Tisch herum, danach taucht er wieder in ganzer Größe auf und singt teils in ein Mikro und teils in ein sehr eigenartiges Gerät, das die Stimme bis auf das Letzte verzerrt. Neben ihm stand Rahzel mit einem Lungenvolumen das ins Unermessliche zu gehen schien und mutierte zur größten wandelnden Tonmaschine in der Musikbranche.
Bei „Everlast“ befand ich mich nicht vor Ort und die Fotos von "Muse" kann ich euch leider (noch)nicht präsentieren. In dieser Sache muss noch die gesetzliche Lage abgeklärt werden. Schade!
Fazit: Würde man im Wörterbuch unter „Extraklasse“ nachschlagen, würde man dort die Worte „Two Days A Week“ finden.
P.S.: Um mehr Bilder vom TDAW zu sehen, einfach auf eines der Fotos klicken. Danke!
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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