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Triumphal ist kein Ausdruck

2011-06-23 15:12:50

  • The Wiesen Weakerthans
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Der hysterische Tumult auf diversen Social Network Seiten vor dem Arcade Fire Konzert am 22.6. war nur schwer zu ertragen. Aber er war gerechtfertigt. Es bleibt nur noch im Nachhinein den Zirkus wieder aufleben zu lassen.

Es sollte etwas ganz Besonderes werden. Dementsprechend groß war der Andrang bereits im Vorfeld: Die Karten waren in kürzester Zeit ausverkauft und rund 40 Euro hinzublättern, waren die Besucher dafür auch bereit. Das Geld war gut investiert, so viel mal dazu.
Und die Besonderheit lässt sich auch schnell erläutern. Die kanadischen Indie-Rocker Arcade Fire gaben ein Konzert in einem Ambiente, das nicht passender hätte sein können – in der Ottakringer Arena Wiesen – mit speziellen Gästen, die das Rundherum nicht besser hätten komplettieren können – nämlich The Weakerthans und José Gonzalez.

Knutschende Kühe

Gemütlichkeit stand bei den Besuchern zu Beginn der Konzertreihe ganz groß geschrieben. Während sich lediglich geschätzte 500 Personen zu The Weakerthans begaben um wie Kühe gen die Bühne zu starren, verteilte sich der Rest auf den Wiesenflächen, um von dort aus den langsamen, folkigen Klängen zu lauschen. Sichtlich animiert von der Musik breitete sich das kaum Abwendbare bei solchen Konzerten aus: das Pärchen-Getue. Christiane Rösinger wusste dies in ihrem Song "Pärchenlüge" so treffend zu beschreiben, dass diesen Zeilen kein Kraut gewachsen ist:

Pärchen sind wie Parasiten
Pärchen werden immer mehr
Sie küssen wo sie gehn' und stehn'
und schaun sich niemals um

Dass es sich bei den Texten der Weakerthans großteils um politisch- und gesellschaftsrelevante Themen handelt, die die Hörer zum Reflektieren anstimmen sollen, sei dahingestellt. Knutschen als menschliches Grundbedürfnis überwog in diesem Fall.



Einsam, aber nicht alleine


Der zweite Act des Abends krempelte wiederum alles um. War man anfangs der voreingenommenen Meinung José Gonzalez würde alle Anwesenden in den Schlaf spielen, wurde man eines besseren belehrt. Sitzend und nur mit einer akustischen Gitarre ausgestattet, bespielte er dermaßen kraftvoll die Arena, dass man nicht umher kam sich zu erheben und dem etwas einsam auf der Bühne wirkenden jungen Mann Gesellschaft zu leisten. Trotz der traurig-schönen Songs wie "Heartbeats" und "Down the Line" versanken die Menschen nicht gegenseitig in ihren Mündern, sondern in Gesprächen. Der Unterhaltungspegel während des Konzertes wurde immer lauter und leichte Unruhe machte sich breit. Man merkte, dass das Publikum Arcade Fire entgegen fieberte. Mit dem wunderschönen Cover von Massive Attack’s "Teardrop" beendete José Gonzalez seinen Auftritt, erntete noch großen Applaus seitens des Auditoriums und die Spannung in der Luft gepaart mit der schwülen Temperatur machte aus den Menschen um einen herum ganz hibbelige Wesen.



Eintauchen – Abtauchen - Aufwachen


Die Einleitung zum Konzertauftritt von Arcade Fire bildete der Trailer ihres Kurzfilms Scenes from the Suburbs, der im Hintergrund auf einer großen Leinwand projiziert wurde. Kurze Pause, Applaus, und mit den ersten Tönen von "Ready to Start" betrat die Band die Bühne. Es war einfach alles vorhanden: das Set bestand aus einem Repertoire bestickt mit haufenweise Songs quer durch alle Alben – von "Neighbourhood #2 (Laika)", "Intervention" und "No Cars Go" bis über "We used to wait" vom aktuellen Album The Suburbs. Mit dem Publikum selbst wurde nur äußerst wenig Smalltalk gehalten, der Fokus lag sowohl seitens der Band, als auch der Zuhörer eindeutig auf der Musik. Die Devise lautete, alles und jeden um sich herum zu vergessen und in den Bann von Arcade Fire einzutauchen.



Diesen Umstand herbei zu führen war auch nicht sonderlich schwer, denn was einem vor Augen und zu Ohren geführt wurde, war kaum für die Sinne gänzlich fassbar. Abstruse Filmszenen und andere visuelle Effekte untermalten hintergründig die Songs, die teilweise ineinander verschmolzen, um sich in einem triumphalen Hoch zu entladen. Ebenso wie sich die Band gänzlich auf der Bühne gehen ließ, tat es ihnen das Publikum gleich. Das gesamte Ensemble rund um Win Butler zeigte nicht einen Moment lang Müdigkeitserscheinungen: es wurde wild auf Trommeln eingeschlagen, gegeigt was das Zeug hielt und selbst bei der letzten Zugabe wirbelte die Multiinstrumentalistin und Sängerin Régine Chassagne mit bunten Schnüren vergnügt auf und ab.

Was folgte war ein Erwachen. Und irgendwann, nachdem man sich gesammelt hatte und sämtliche Bedürfnisse gestillt wurden, die während des Konzertes in den Hintergrund gerückt waren, spazierte man durch den Bogen des Ausgangs, bespannt mit dem treffenden Bannerspruch „Zurück im Leben“.

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AutorInnen

Linda Schürer-Waldheim

Linda Schürer-Waldheim

VerhaltensUNgestörtes Einzelkind, Belegerin diverser Massenstudien mit großem Faible für Alltagseskapismus mittels Ton und Schrift.

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Christoph Liebentritt

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Ich bin auch nur ein Opfer.

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