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Totgesagte leben länger

2007-08-17 20:28:33

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Am 21. Mai 1997 endete ein großes Stück Fußballgeschichte in OÖ: Der FC Linz (vormals: SK Vöest Linz) wurde dem Erzrivalen LASK einverleibt und stellte somit den Spielbetrieb ein. Das Ende jahrzehntelanger Fußballrivalität schien damit besiegelt.

Dienstag, 20. Mai 1997: Nach dem Bericht über das Meisterschaftsspiel FC Linz gegen Austria Wien verkündete der ORF in seiner abendlichen Fußballsendung, dass sich die beiden Linzer Vereine, Lask und FC Linz, zu einer Fusion entschlossen hätten.

Schon Jahre zuvor drangen immer wieder Fusionspläne an die Öffentlichkeit: Etwa 1995, als ein gemeinsamer Protestmarsch über die Landstraße von Fans beider Lager gegen dieses Vorhaben initiiert wurde, und die Fusionspläne später doch noch (wenn auch nur vorläufig) ad acta gelegt wurden.

Doch am Mittwoch, den 21. Mai 1997 wurde der schlimmste Albtraum vieler Fans  Wirklichkeit: Unter kräftiger Beihilfe von VertreterInnen der Politik und begleitet von wohlwollenden Berichten seitens der Medien reichten FC Linz-Präsident Franz Grad und Lask-Boss Wolfgang Rieger einander die Hände zur Elefantenhochzeit. Die Verantwortlichen begründeten ihren Entschluss mit dem Argument, eine Stadt wie Linz könne eben nur einen Großklub vertragen, der sich längerfristig an der Spitze der heimischen Bundesliga festsetzen kann, und imstande ist, regelmäßig im internationalen Geschäft kräftig mitzumischen.

Was nach außen hin als Fusion verkauft worden war, entpuppte sich jedoch rasch als schonungslose Liquidierung des FC Linz, dessen Infrastruktur samt Jugendabteilung vom LASK übernommen wurde.

Obwohl Politiker wie Funktionäre ernsthaft meinten, die rivalisierenden Anhänger könnten bald durch Erfolge des Großklubs versöhnt werden, und fortan dem Lask die Daumen drücken, stürzte für die FC Linz-Fans eine Welt zusammen, was diese in Form von Transparenten und Unmutsäußerungen beim nächsten Spiel beim GAK in Graz auch kundtaten. Auch einige ehemalige Vöest-Kicker sprachen sich gegen die Auslöschung des FC Linz aus, eine Rettungsaktion durch eine Gruppe um den ehemaligen Spieler und späteren Manager Fritz Ulmer scheiterte jedoch prompt.

So kam es, dass der FC Linz, der 1974 als SK Vöest Linz den Meistertitel in die Stahlstadt holte, und im selben Jahr sich auf der Gugl im Europacup mit dem großen FC Barcelona duellieren durfte, quasi über Nacht verschwand.

Am Samstag, den 31. Mai 1997 fand das 74. und letzte Derby gegen den Lask bei freiem Eintritt statt: Dieses Spiel war von der Exekutive ob des Frusts der FC Linz-Anhänger zu einem Risikospiel erklärt worden: Rund 13.000 Fans verfolgten diese Partie, die der FC LINZ klar mit 3:0 für sich entschied. Jegliche Ausschreitungen blieben aus, doch mit zahlreichen Spruchbändern sowie Sprechchören machten die FC LINZ-Fans keinen Hehl daraus, dass sie die Fusion vollends ablehnten.

Noch lange nach dem Schlusspfiff feierten die blau-weißen Supporters ihren sterbenden Verein frenetisch, und schworen diesem auch weiterhin die Treue.

Wenige Tage später absolvierte der FC LINZ sein letztes Bundesligaspiel auswärts gegen Ried, das mit 1:2 verloren wurde.

Alles schien zu Ende zu sein, das Pendant zum LASK, das seine Spiele unter den Name SK Vöest, FC Vöest, FC Stahl und später eben als FC Linz bestritt, weilte nicht mehr unter den Lebenden. Doch manche Fans hatten scheinbar noch Hoffnung, hing doch in Ried ein Transparent mit der Aufschrift "Blau-Weiß stirbt nicht" vor dem Auswärtssektor.

Zahlreiche Blau-Weiße sowie der Linzer Spediteur Hermann Schellmann wollten sich mit dem plötzlichen Ende nicht abfinden, und schmiedeten erste Pläne die jahrzehntelange Tradition des SK Vöest Linz und seiner Nachfolgervereine im Amateurbereich wieder aufleben zu lassen. Bald wurden erste Gespräche geführt sowie Kontakte geknüpft, und rasch wurde mit dem SV Austria Tabak auch ein geeigneter Partner für eine Übernahme gefunden: Der einstige Werksverein, dessen Elf ebenfalls in blau-weißen Dressen auflief, wurde vom mittlerweile privatisierten Austria Tabak-Konzern nicht mehr finanziell unterstützt, und verlor somit nicht nur den Hauptsponsor, sondern auch seine Identität.

Am ersten August 1997 wurde der neue Verein FC Blau-Weiß Linz aus der Taufe gehoben, der den Platz von Austria Tabak in der Landesliga übernahm: Auf der Anlage des SV Austria Tabak, die in Donauparkstadion umbenannt wurde, sollte also der blau-weißen Fußballtradition wieder neues Leben eingehaucht werden. Nach anfänglicher Skepsis identifizierten sich immer mehr Fans mit dem Nachfolgeverein des FC Linz: Beachtliche 300 enthusiastische Anhänger bei einem Auswärtsspiel in Gemeinden wie Bad Schallerbach, Micheldorf oder Vöcklamarkt waren von nun an keine Seltenheit mehr. Aber auch bei den Heimspielen besuchten im Schnitt gut und  gerne 1.000 Getreue die Spiele der Vöest-Erben, bei Spitzenspielen sollte das kleine Donauparkstadion ob eines Massenansturms von über 2.000 Fans richtiggehend aus allen Nähten platzen.

Im ersten Jahr in der Landesliga belegte der Verein immerhin den vierten Platz. Im Sommer 1998 tätigte der Vorstand um Präsident Schellmann einige Großeinkäufe, um das große Ziel, den Aufstieg in die Regionalliga möglichst rasch zu erreichen. Doch erst nachdem Trainer Hans König im Oktober 1998 durch Adam Kensy ersetzt wurde, konnte ein Erfolgsrun hingelegt werden, der im Jahr darauf zum Meistertitel führte: Im Juni 2000 wurde der FC Blau-Weiß Linz dank einer ausgezeichneten Mannschaft um Torjäger Andi Huemer souverän Meister der oberösterreichischen Landesliga, und stieg in die Regionalliga Mitte auf, wo sich der Vereine mit Klubs aus Oberösterreich, Kärnten und der Steiermark duellieren durfte.

Das erste Jahre in der Regionalliga wurde zu einem Lehrjahr, das aber immerhin mit Platz 7 abgeschlossen wurde. Bereits in der darauf folgenden Saison holte der FC Blau-Weiß Linz jedoch den Herbstmeistertitel und wurde mit nur fünf Punkten Rückstand auf den SV Kapfenberg Vizemeister.

Im Sommer 2002 war das Losglück bei der Auslosung zur 1. Runde des ÖFB-Cups auf Seiten der Blau-Weißen: Fünf Jahre nach der schmerzhaften Fusion kam es im August 2002 wieder zu einem Derby gegen den Lask, der im Jahr zuvor in die Red Zac-Liga abgestiegen war. Ganze 8.000 BesucherInnen, der Großteil davon im Lager der Blau-Weißen beheimatet, strömte wie in alten Zeiten in das Gugloval, und erlebten einen überraschenden wie unvergesslichen 3:1-Erfolg des Außenseiters, des FC Blau-Weiß Linz. Auch die weiteren Cupspiele des FC Blau-Weiß Linz wurden im Linzer Stadion ausgetragen: Nach einem 3:1-Sieg gegen den SV Kapfenberg scheiterte der FC erst im Achtelfinale am FC Kärnten in der Verlängerung.

Beflügelt von den Cuperfolgen entwickelte sich die Mannschaft zum Topteam der Liga schlechthin, errang erneut den Meistertitel, und sah schon wie der sichere Aufsteiger in der Österreichs zweithöchste Spielklasse aus. Doch ob der Tatsache, dass dem LASK und dem DSV Leoben längere Zeit die Linzenz für die kommende Saison verweigert wurde, war einige Wochen nicht einmal sicher, ob überhaupt Relegationspiele ausgetragen werden müssen.

Schlussendlich erhielten sowohl Leoben als auch der Lask die Spiellinzenz, und der FC Blau-Weiß Linz musste in der Relegation gegen den SEZ Bad Bleibug um den Austieg in die Red Zac-Liga antreten.

Doch leider scheiterte die Mannschaft hauchdünn am Tabellenletzten der Red Zac-Liga: Nach einem 2:0-Auswärtserfolg in Villach, folgt eine kuriose und äußerst bittere 2:4-Schlappe im Linzer Stadion, lediglich durch die Auswärtstorregel konnte die Kärntner Mannschaft die Klasse halten. Der schon sicher geglaubte Aufstieg wurde äußerst knapp verfehlt, und dementsprechend groß war der Frust bei den Linzern.

Dieses Spiel bot natürlich ausreichend Stoff für Spekulationen bzw. gar Verschwörungstheorien jeglicher Art, und auch als im Zuge des Aufliegens des Wettskandales in Deutschland auch fragwürdige Partien in Österreich näher beleuchtet wurden, kamen Zweifel auf, ob bei diesem Spiel damals tatsächlich alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Es blieb jedoch stets bei Vermutungen, da nie Beweise auf den Tisch gelegt wurden, und somit lösten sich sämtliche Spekulationen und dergleichen rasch wieder in Luft auf.

Es half alles nichts, der FC Blau-Weiß Linz blieb drittklassig, und was folgte waren magere Jahre in der Regionalliga, die von vielen Trainerwechseln gekennzeichnet waren. Im September 2003 verlies Trainer Kensy über Nacht den Klub in Richtung SK St. Magdalena, die kurz zuvor eine Spielgemeinschaft mit dem damaligen Bundesligisten FC Superfund gebildet hatten. Sein Nachfolger Günter Zeller blieb nur kurze Zeit im Amt, und auch Dieter Mirnegg bzw. Dolfi Blutsch, die beiden Nachfolger von Zeller hielt es nicht allzu lange im Donauparkstadion, da der Klub in den Saisonen 2004/05 und 2005/06 jeweils nur knapp dem Abstieg entronnen war. Auch die Bestrebungen des Vorstandes, das Rad quasi herumzureißen und mittels Großinvestitionen in Spieler den Verein wieder auf die Erfolgsschiene zu führen, änderten daran nichts.   

Lediglich im Cup konnte man zumindest phasenweise an alte Erfolge anknüpfen, und scheiterte meist erst an Bundesligateams wie die Admira, Mattersburg oder zuletzt Ried.

In weiterer Folge drehte sich die Spirale immer weiter nach unten: Im August 2006 wurde das Heimspiel gegen den SAK Klagenfurt wegen eines Dosenwurfes eines Obdachlosen vorzeitig abgebrochen: Der Verein wurde u.a. insofern bestraft, indem drei Heimspiele nicht im heimischen Donauparkstadion, sondern im Trauner Stadion ausgetragen werden mußten. Obwohl auch im Sommer 2006 viele neue, hoffnungsvolle Spieler das blau-weiße Trikot überstreiften, und nach dem Abgang Blutschs im Herbst 2006 der einstige Abwehrchef und Publikumsliebling Samir Hasanovic, der vorher als Co-Trainer tätig war, das Amt des Cheftrainers übernahm, konnte der Abstieg im Juni 2007 nicht mehr abgewendet werden.

Obwohl die sportlichen Erfolge in den letzten Jahren weitgehend ausblieben, blieben die Blau-Weißen ihrem Klub weiterhin treu: Auch in Krisenzeiten passierten meist weitaus mehr Fans die Kasse des Donauparkstadions, als bei so mancher Spitzenmannschaft in der Red Zac-Liga, und auch zu Auswärtsspielen im fernen Kärnten und der Steiermark wurde der Klub stets von einer stattlichen Anzahl von Supporters begleitet. 

Vor zwei Jahren vereinigte sich die Fanszene, der wegen diverser Vorfälle in den letzten Jahren nicht immer der beste Rufe vorauseilt, im Fanclubdachverband Stahlstadt Kollektiv, und glänzt seither nicht nur durch gelungenen Support sowie Choreografien, sondern auch durch weitere Aktionen sowie durch Festivitäten außerhalb des Stadions.

Die derzeitige Situation ähnelt frappant jener im Jahre 1997: Der FC Blau-Weiß Linz spielt wieder in der 4. Liga, während der Lask wieder im Konzert der Großen in der Bundesliga mitspielt. Auch in diesem Jahr lies der Vorstand  erneut nichts unversucht, eine schlagkräftige Mannschaft aufzubauen. Trotz des Abstiegs ist das Publikumsinteresse beim FC Blau-Weiß Linz enorm, denn beispielsweise dem Derby gegen Donau Linz zu Saisonbeginn wohnten nicht weniger als 1.500 Fans bei.

Dem neuen Trainer Erwin Spiegel ist zu wünschen, dass es ihm gelingt, was seinen Vorgängern verwährt bliebt: Nämlich die Königsblauen bald wieder auf die Siegerstraße und in eine rosigere Zukunft zu führen..

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AutorInnen

Thomas Hutterer

Thomas Hutterer

Herkunft: OÖ; Schwerpunkte: Musik, Politik, Fußball

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