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2008-02-21 11:11:34
Wenn ein ehemaliger Fußballstar zum Mikrofon greift, kommt außer Meidlinger "L" und jede Menge Schmalz nichts hervor: Toni Polster mit seinem neuen Album 12 Meistertitel.
Es gibt Menschen, die können vom Blitzlichtgewitter heimischer Paparazzi-Vögel offensichtlich nie genug bekommen. Ob High Society, NEWS oder Seitenblicke, zurückgeschreckt wird vor nichts. Auch Toni Polster, ehemaliger erfolgreicher Teamspieler der österreichischen Nationalmannschaft, hängt dieser kruden, vor allem schleimigen (Lebens-) Philosophie der vermeintlichen Öffentlichkeitsarbeit nach: Sehen und gesehen werden. Doch angeblich hat der passionierte Hobby-Bäcker und Tanzstern auch Pläne musikalischer Natur, die er abseits des rot-weiß-roten Teppichs zu verfolgen gedenkt. Herr Polster, Wiener von Beruf, führt nämlich gerne poetische Konversationen mit seinem Mikrofon, was letztendlich dazu führt, dass die Ergebnisse davon, diese Songs – ganz im Sinne des neoliberalen Kohlescheffelns – veröffentlicht werden müssen. Sonst wäre ja alles, wie man auf Wienerisch sagt, „a bissl fürn Hugo“. So ergab es sich, dass jener Mann, der gerne polstert, vor kurzem mit der Band Achtung Liebe ein neues Album, 12 Meistertitel, veröffentlichte.
Herzschmalz, Hirntod
Abgesehen von dem Spruch, wonach Fußballspielern das Gehirn in die Schenkel rutscht, scheint auch dieser neue Tonträger nicht unbedingt das Gegenteil davon beweisen zu wollen. Außerdem macht er unverhohlen klar, dass Fußball und Musik meistens doch einen Gegensatz und keine Synergie darstellen. Mit geradezu kitschiger Inbrunst, schmalzig vorgetragenem Wiener Schmäh sowie extrem lächerlichem Herzschmalz-Pathos präsentiert sich der Ex-Kicker und ehemalige Träger einer – was war uns damals alles wurscht! – äh, Gnackmattn, eher als Karikatur seiner selbst denn als ernstzunehmende Figur im Musik-Business. Thematisch eingekeilt zwischen nostalgischer Betrachtung der ewigen Lieblingssportart, verklärter Romantik und neunmalkluger, allzu spät gewonnener Weisheit wird vor allem ein Umstand direkt suggeriert: Man hat im Leben halt noch nie viele Bücher gelesen.
Beispiel Seit i auf di steh: „Stod die Ochüllessehnenschmeazn, spia i den Gleichklong unsara Herzn, und stod gezeata Aduktoan, füh i des Hoch vo de Azoan.“ Befund: Hirntod. Man könnte es auch Musik für den kleinen Mann nennen. So viel Stadionkitsch, der fast ein wenig Angst vor der bevorstehenden Europameisterschaft macht. Ein anderes, gemeinsam mit Hans „irrereversibel“ Krankl eingesungenes Stück, Zwa wia mia zwa, bringt es auf den Punkt: „Zwa wia mia zwa kennan ned valian“. Richtig, denn wer sich so etwas zutraut, kann nicht(s) mehr verlieren. Insgesamt ist eine Kritik überflüssig, hier trifft eher zu: Wenn Schweigen auch genug sagen würde. Aber kurz gesagt: Musik, die wehtut.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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