2008-10-27 12:13:31
Thees Uhlmann will mal wieder die Welt zu einem besseren Ort machen. 'Heureka', das neue Album von Tomte, soll dabei helfen. Vorläufiges Gefühlsempfinden: Gespalten.
Die Augen mal wieder kräftig aufreißen, das Herz ordentlich pumpen lassen und erhebenden Gefühlen zustimmen.
Bei all diesem Vorhaben ziehen Tomte auf Heureka die Handbremse ihrer Gefühle eher an, gleichzeitig lassen sie musikalisch aber sämtliche Zügel los. Oder besser: Geben sie in die Hände ihrer Produzenten Tobias Kuhn (Monta) und Thorsten Otto.
Kleine Songs kommen auch in Frage
Mit dem Pathos kann man es übertreiben (obwohl dieser noch reichlich vorhanden ist), mit frisch arrangierten Songs weniger. Heureka ist wesentlich differenzierter, spielfreudiger. Die Produktion ist kantiger geworden, nicht mehr so aufgeplustert. Große Orchestersalven sucht man mit der Lupe, kleine Tricks und Kniffe gibt es dagegen zuhauf. An und für sich sind es griffige Songs, die bei aller Frische ein zwiegespaltenes Vergnügen darstellen.
Äußere Betrachtungsweisen
Buchstaben über der Stadt fesselte mit erhabenen Momenten, schöner Melancholie und den richtigen Worten. Die Produktion war größer, die Songs weiter, die Instrumentierung üppiger. Eine große Wanne voller anschmiegsamer Melodien, in der man sich nach getaner Arbeit lange hineinlegen konnte. Thees Uhlmann agierte als Trostspender und Hoffnungsgeber sondergleichen. Über kurz oder lang wurde man zu einem Seelenvertrauten. Als Inspiration diente die neue Verliebtheit und das unruhige Amerika.
Und doch: Das Berühren der Herzen scheint dieses Mal nur in einigen Momenten durch. Vieles ist schön, aber nicht umwerfend. Woran es liegt, ist schwer zu sagen. Ein Gefühlsding, bei denen es sehr gut möglich ist, dass es manchen anders geht.
Ich schwimm entgegen, du schwimmst davon
Wo Licht ist (der geschickt gesteigerte Aufbau von Heureka, das Spielerische in Wie ein Planet, der perlende Glanz von Der letzte große Wal, die symbiotische Wehmut aus Wie sieht’s aus in Hamburg?), ist auch Schatten (der merkwürdige Text aus Dein Herz sei wild, die Eintönigkeit von Es ist so, dass du fehlst, der wirkungslose Schmatz von Küss mich wach, Gloria).
Heureka entblättert sich, wenn überhaupt, nicht augenblicklich.
Manches ist neu (die Epik von Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören), einiges beim Alten geblieben (Das Orchester spielt einen Walzer.)
Thees ist erneut der überbordende Dramatiker, der sich ins Getümmel wirft. Es wimmelt von Liedern über Liebe, Freundschaft und das Leben. Allerdings konservieren Tomte die besonderen Momente, Zeiten und Geschichten nicht mehr so gut. Das Album ist nicht die Sorte Wärmespender, wie man es erwartet hat. Nicht immer trifft die Band den Kern der Sache. Manchmal ermüdet der Ansatz, wenn erhoffte Ausbrüche ausbleiben (& ich wander).
Thees richtet den Blick diesmal nicht nur nach innen, sondern schweift in alle Richtungen ab. Weltumarmende Refrains wie in New York wurden akkurat zurechtgestutzt.
Das Album ist nicht um ein großes Spektakel bemüht, sondern ist vielleicht einen Tick zu selbstsicher. Es fehlt auch ein spezifisches, übergeordnetes Thema, dass die Songs allesamt zusammenschweißt.
Können wir uns einigen? fragt Thees in dem Stück Voran voran.
Die Antwort: Noch nicht.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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