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Tipps und Tricks zum Ferialjob

2007-04-02 00:14:10

Um die im Sommer flüchtenden Arbeitstiere für einige Wochen zu ersetzen und um ein bisschen Geld zu verdienen, besorgen sich alljährlich tausende Jugendliche einen Ferialjob. Was einen da so erwartet und wie man damit umgeht, verrät dieser Artikel.

Alljährlich zur Sommerzeit werfen sich SchülerInnen und StudentInnen in ganz Österreich für einige Wochen ins Arbeitsleben um ihre Finanzen aufzubessern. Grund genug einen Artikel mit Tipps und Hinweisen zu schreiben, wie man diese Zeit am Besten übersteht.

Grundsätzliche Überlegungen

Grundsätzlich – und diese Tatsache sollte man sich immer wieder in Erinnerung rufen - treffen bei Ferialjobs zwei sehr verschiedene Welten aufeinander. Auf der einen Seite arbeitsunerfahrene Personen in Ausbildung (SchülerInnen, StudentInnen) die nur kurze Zeit in einem Betrieb arbeiten. Andererseits Erwachsene die oft schon ihr halbes Leben in dem Betrieb arbeiten. Das diese unterschiedlichen Gruppen verschiedene Sichtweisen von der Arbeit und sich haben ist selbstverständlich. Diese Unterschiede sind jedoch die Grundlage für eventuelle Konflikte und Meinungsverschiedenheiten die auftreten. Das Eintauchen in eine völlig andere Welt ist auch spannend und lehrreich. Immerhin sind diese wenigen Wochen ein Blick in unsere mögliche Zukunft in der Arbeitswelt.
Diese Unterschiede gilt es zu akzeptieren, eventuelle Vorurteile der anderen Gruppe gegenüber sollten hinterfragt werden. Als FerialpraktikantIn hat man aber auch die Chance gewisse Vorurteile die es über SchülerInnen und StudentInnen gibt zu widerlegen.

Praktisches

Fernab von diesen abstrakten Überlegungen gilt es aber erstmal die Wochen der Ferialarbeit zu überstehen. In der Realität sieht es nämlich meist so aus, dass die Tätigkeiten die man als FerialpraktikantIn zugeteilt bekommt nicht unbedingt spannend, schöpferisch und befriedigend sind. Dieser Text richtet sich daher ab jetzt an die große Mehrheit von jenen, die ihren Ferialjob rein aus finanziellen Gründen machen und sich den Luxus wie Interesse und Abwechslung nicht leisten können.
Es gibt eigentlich nur zwei unterschiedliche Strategien einen Ferialjob anzugehen; die Anpassungs- und die Minimalismus-Strategie.

Die Anpassungs-Strategie – “Sie werden assimiliert”

Verfolgst du diese Strategie so gilt es sich mit den Verhältnissen zu arrangieren und an diese anzupassen. Du zeigst Interesse an der Arbeit, bemühst dich um ein gutes Verhältnis zu deinen ArbeitskollegInnen und versuchst deine Arbeit gut zu machen.

Vorraussetzungen: Eine erträgliche Tätigkeit und ein halbwegs angenehmes Arbeitsumfeld.
Vorteile: Das Arbeitsklima ist ganz gut, die ArbeitskollegInnen sind zufrieden und die Zeit vergeht vermutlich auch schneller.
Nachteile: Du musst mehr arbeiten, bekommst immer mehr Verantwortung zugewiesen.

Die Minimalismus-Strategie - “time is on my side”

Bei dieser Strategie setzst du darauf, dass die Zeit auf deiner Seite ist, und die paar Wochen schon irgendwie vorbeigehen werden. Du tust nicht mehr als unbedingt nötig, startest keine Annäherungsversuche an ArbeitskollegInnen und bleibst in Deckung.

Vorraussetzungen: Wenn dich die Arbeit wirklich nicht interessiert und du glaubst, aus diesen Wochen außer Geld sowieso nichts mitnehmen zu können dann solltest du diese Strategie wählen. EinE zweiteR FerialpraktikantIn vereinfachen es sehr, diese Strategie durchzuhalten
Vorteile: Du hast im Grunde keine Verantwortung, kannst dein Hirn weitgehend ausschalten und dich auf anderes konzentrieren.
Nachteile: Du wirst vermutlich nicht beliebt sein, und eventuell wirst du im nächsten Jahr nicht mehr genommen.

Die Mischung machts

In der Praxis hat sich eine Mischung aus beiden Strategien bewährt, um eine Schwerpunktsetzung wirst du allerdings nicht herumkommen.

Konflikte mit KollegInnen – Mobbing

Wo - wie bereits oben erwähnt- zwei unterschiedliche Gruppen und Ansichten aufeinanderprallen, kommt es naturgemäß zu Konflikten. Für Jugendliche, die die meiste Zeit mit ihren FreundInnen verkehren wirkt das Arbeitsklima und der Umgangston oft erschreckend rau. Außerdem fühlt man sich Konflikten mit erfahrenen KollegInnen nicht gewachsen, gerade weil man als Ferialpraktikant schnell allein gegen alle steht.
Man sollte grundsätzlich die Erfahrung der KollegInnen respektieren und sich ihre Ratschläge und Hinweise zu Herzen nehmen, auch wenn sie oft in einem ungewohnt unfreundlichen Ton gemacht werden. Dies gilt besonders für die eigene Sicherheit, wenn man in seinem Ferialjob gewissen Gefahren ausgesetzt ist (durch gefährliche Maschinen, Gefahr einer Ansteckung mit Krankheiten,...). Es ist aber auch nicht verboten gewisse Ge- und Verbote zu hinterfragen und deren Sinnhaftigkeit in Frage zu stellen, solange man keine einleuchtende Erklärung erhalten hat.
Dabei sollte man sich aber im Klaren sein, dass man in der hierarchisch organisierten und leider oft sehr autoritätsgläubigen Arbeitswelt keine offenen Türen einrennen wird.

Schichtarbeit – Das Tüpfelchen auf dem I des Leid

Zum Abschluss noch einige Tipps für all jene, die das zweifelhafte Vergnügen haben in ihrem Ferialjob mit Schichtarbeit konfrontiert zu werden. Zwar steht es außer Frage, dass in gewissen (lebensnotwendigen) Bereichen wie Rettung, Krankenhäuser und Feuerwehr Schichtarbeit ein unausweichliches Übel ist. Darüber hinaus wird sie jedoch in vielen Bereichen (z.B. Industrie) unnötiger Weise eingesetzt, um dem Primat einer wirtschaftlichen Profitmaximierung zu genügen.
Durch extreme Formen der Schichtarbeit (z.B. Vierer-Schicht: 3 Tage Frühschicht, 3 Tage Mittagsschicht, 3 Tage Nachtschicht, 3 Tage frei,...) wird der Schlafrhytmus ganz schön durcheinander gebracht. Es kommt unter anderem zu (Ein)schlafstörungen, Müdigkeit, Schwindel, Kopfweh, Konzentrationsstörungen und allgemeiner Erschöpftheit und Lustlosigkeit.
Diese Symptome sind nicht ungewöhnlich und verschwinden nach Ende der Schichtarbeit wieder. Du solltest dir also im Klaren sein, dass du in dieser Zeit nicht voll leistungsfähig bist. Versuche soviel Schlaf wie möglich nachzuholen, aber lass dir von der Schichtarbeit auch dein soziales Leben nicht kaputt machen. Manchmal ist es sinnvoller nach einer Frühschicht mit FreundInnen baden zu gehen als einen sonnigen Nachmittag im Bett zu verbringen.
Auf deine normalen acht Stunden Schlaf wirst du in dieser Zeit wahrscheinlich nicht kommen. Es ist daher wichtig auf deinen Körper zu hören um einzuschätzen wie viel du ihm zumuten kannst.
Auch wenn du unregelmäßig schlafen wirst gibt es einige Tricks die hilfreich sind. Verwende Ohrenstöpsel und Schlafmaske wenn es tagsüber laut und hell in deinem Zimmer ist und versuche kurz vor dem Schlafen nicht zuviel und zu schwer zu essen. Es hat auch keinen Zweck sich um neun am Abend ins Bett zu legen nur um sich dann erst Recht zwei Stunden herumzuwälzen und um 11 Uhr einzuschlafen. Da kannst du die zwei Stunden noch nützlicher verbringen auch wenn du am nächsten Tag schon um vier rausmusst.

Aufgeben

Es gibt aber auch Fälle wo du es trotz aller Tricks und Motivationshilfe nicht schaffst. Wenn dir die Arbeit zum Beispiel einfach (körperlich) zu anstrengend ist oder du mit dem Arbeitsbedingungen und deinen KollegInnen überhaupt nicht zu Recht kommst. Auch wenn du dich in deiner Sicherheit und Gesundheit ernsthaft gefährdest fühlst solltest du die Notbremse ziehen. Aufgeben in solchen Fällen ist keine Schande sondern vielmehr ein Zeichen von Reife. Solltest du auf das Geld angewiesen sein kannst du versuchen unterm Jahr durch kleinere Jobs was zu verdienen.

Und vergiss nicht:
Der Mensch ist nicht für die Arbeit da sondern die Arbeit für den Menschen!

Ich hoffe dieser Text hat dir ein bisschen geholfen, schöne Ferien!


Anmerkung:
Der Autor hat sein Ferialpraktikanten-Dasein bisher im Krankenhaus, bei der Post und in der VOEST gefristet und vieles was er beschrieben hat am eigenen Leib und Geist erlebt.

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AutorInnen

Martin Bartenberger

Martin Bartenberger

Ich mag mein Studium (Politikwissenschaft), Tiere, die Wiener Außenbezirke und gutes Essen (Tiere). Mitglied des FM5-Kletterteams.

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