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Schwerpunkt: Thomas Maurer

Thomas Maurer im Gespräch Teil 2

2010-02-28 09:56:49

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Da Kabarett und Gesellschaft immer Hand in Hand gehen, hatten wir auch noch ein paar Fragen zu politischen Dingen und den österreichischen Medien.

FM5: Erschöpft es dich als exzessiven Medienkonsumenten täglich zu lesen "Strache pöbelt, Petzner wieder im Solarium, Obama baut Atomkraftwerke"?

Ja, nicht zu vergessen, "das Bundesheer schützt die Grenzen" und "endlich wird etwas gegen Kampfhunde unternommen" (Thomas Maurer hat selbst einen "Kampfhund", Anm. der Redaktion).

Was denkst du, wenn du beim Zappen auf eine ATV Doku-Soap stößt?


Ja, interessant, denk ich mir dann. So gerne ich gehabt hätte, dass es mir nicht gelingt, ist es mir doch gelungen herauszufinden, welchen aktuellen Tiernamen die aktuelle Gespielin vom Herrn Lugner hat. Das finde ich schon verblüffend. Du hast keine Chance, dich gegen diese Information zu wehren. Du müsstest dich im zweiten Untergeschoß eines Spezialitätenbordells einmauern lassen, um vor dieser Information geschützt zu werden.

Denkst du, dass du als Kabarettist eine meinungsbildende Instanz bist?


Ich habe da einmal für mich die Formulierung gefunden, dass man ein Teil von dem Germ ist, der in einer Gesellschaft herumschwimmt und der irgendwie Prozesse mitanstößt. Aber das einzelne Germbakterium weiß nicht genau, welchen Anteil es am Ganzen hat. Es ist aber auch nicht wurscht, was da herumschwimmt. Es macht einen Unterschied, ob du einen Qualitätsanspruch hast oder nicht, denke ich.


Soeben ist Stefan Petzners Klage gegen den Verlag von David Schalko abgewiesen worden ...

Die Klage an sich ist schon schreiend komisch. Das kannst du einfach vorlesen und die Leute lachen. Das Beste war ja, dass er nicht einmal auf Unterlassung geklagt hat, sondern auf Tantiemen, was glaube ich in dieser Form überhaupt noch nie ausjudiziert wurde.

Bist du selbst schon einmal verklagt worden?

Interessanterweise nicht. Ich habe relativ viele Sachen gemacht, die nicht explizit tagespolitisch waren, aber ein paar waren es dann doch. Ich würde schon sagen, bei Zwei echte Österreicher oder so, hätten sie es schon probieren können. Ich vermisse es aber auch nicht.

Warum wolltest du selbst nie in die Politik gehen?


Allein diese Ochsentour, um da irgendwohin zu kommen, die glaube ich die Menschen wirklich so weit deformiert, dass man sich nicht wundern braucht, dass diese Menschen dort so sind wie sie sind. Ich will jetzt nicht in das allgemeine billige „Politiker sind alles Trotteln“ miteinstimmen. Österreich, da könnte ich mich jetzt auf einiges auslassen. Da ist keine wahnsinnig souveräne und intelligent geprägte Parteienlandschaft, vom "Ruaß" ganz rechts außen ganz zu schweigen.

Warum gibt es deiner Meinung nach keine politisch rechts stehenden Kabarettisten, obwohl es doch genug Publikum dafür zu geben scheint?

Das ja. Es gibt ja auch so etwas wie einen rechten Zorn. Die Republikaner haben das in Amerika wunderbar instrumentalisiert und bei uns ist das ja auch. Diese namenlose und unartikulierte, weil für diese Menschen nicht artikulierbare, Wut auf alles. Mich wundert es manchmal selbst. Vielleicht hat es damit zu tun, dass Humor immer etwas mit Regelverletzung zu tun hat und mit Subversion. Wenn du tendenziell eher ein autoritärer, sprich eigentlich nicht gefestigter und auf jede Menge Pölzung und Panzerung angewiesener Charakter bist, dann kannst du dir wahrscheinlich, sowohl als Künstler, als auch als Publikum nicht gut erlauben, gegen diese Schutzmechanismen zu verstoßen.
Das geht sozusagen in einem etwas reflektierenderem politischen Feld besser. Nicht dass es keine Trotteln gäbe, die Grün wählen. Der Punkt ist, das hat viel mit geteilten Glaubenssätzen zu tun.

BBC hat Social Networking für seine MitarbeiterInnen verpflichtend gemacht, damit sie der Wirklichkeit näher sind ...

Echt? Das ist eine Gemeinheit! Ich glaube sie sind dann dem Social Networking näher, das ist eine unausweichliche Folge. Das ist ein interessantes Philosophikum inwieweit die virtuelle Wirklichkeit gleichrangig mit der guten alten Realität ist. Nachdem ich nicht auf Facebook bin, weil mich die Vorstellung, dass ich jeden Tag hundert Menschen eine Antwort schreibe, narrisch macht, verweigere ich mich dieser Frage.

Was wäre dein fiktives Facebook-Posting für diesen Moment?

Gebe gerade ein Interview? (lacht)

Ok, ich sehe schon, du hast kein Talent dazu, vielen Dank für das Gespräch!



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AutorInnen

Teresa Reiter

Teresa Reiter

Die Wiener sind ein heiterer Menschenschlag von großer Traurigkeit, ein leichtlebiges Volk von schwermütig-depressiver Grundstimmung, sie sind hochbegabt, aber die mitleidlosen Feinde ihrer Begabung, sie fühlen sich nur wohl, wenn sie sich nicht wohl fühlen.

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