2008-11-24 12:33:03
Der amtierende DSDS-Sieger beehrt Mitte Dezember das Wiener Gasometer. Grund genug, sich mit dem aktuellen, gold- und platinveredelten Debütalbum auseinander zusetzen. Für Plan A! braucht man keinen Plan B.
Er will nicht recht in das vorgefertigte Schema eines Castingstars passen. Gegen fremde Stempel und Einwirkungen von Außen hat sich der 30-jährige erfolgreich gewehrt. Über Deutschland sucht den Superstar und andere Castingformate ist man sowieso geteilter Meinung. Die einen wenden sich ab, die anderen lieben den Unterhaltungsfaktor, den diese Sendungen zweifelsohne über die Jahre erfolgreich aufgebaut haben.
Nun ist das im Juli 2008 erschienene Plan A!, das Debütalbum von Thomas Godoj, eine überraschend eigenständige Angelegenheit
geworden, dass keine Kinkerlitzchen scheut und durchaus Highlights zu bieten hat. Hätte man erwarten können von jemandem, der Chasing Cars von Snow Patrol besser singt als der Originalinterpret.
Vom Suchen und Finden der Möglichkeiten
Godoj paddelt mit seiner ersten Platte in einem Grenzgebiet, welches aus Kommerz und Glaubwürdigkeit, Freiheit und festen Strukturen besteht. Es ist ein Suchen und Finden von Möglichkeiten.
Der "Superstar" aus Recklinghausen mit Songwriter-Ambitionen blättert musikalisch in einem Bilderbuch aus vergangenen Zeiten. Es ist erfreulich, dass sich die Plattenfirma hat überreden lassen, zumindest drei Songs aus der eigenen Feder, aus der Prä-DSDS-Ära, auf das Album zu packen.
Was hat Plan A! nun zu bieten? Da gibt es die schwelgende Melodien aus Love Is You, die an Oasis erinnern, oder griffige Lieder der Bauart Autopilot, welches an dritter Stelle steht und den besten Song auf Plan A! darstellt. Hier heißt das Motto: Fenster weit auf und einen kräftigen Hauch Sauerstoff einatmen. Mangelnde Selbstreflexion kann man dem Album nicht vorwerfen, denn das Titelstück thematisiert kritisch die glitzernde Scheinwelt.
Träumer mit eigener Meinung
Ausschweifend gitarrenpoppig darf es sein (Too Young To Grow Old, Let It Bee, Helden gesucht, The Morning Sun), sanft balladesk (Summer Breeze) oder auch erdig rockig (Not The Only One). Die Mixtur stimmt, auch wenn die Homogenität deswegen flöten geht. Das Verhältnis zwischen ruhigen Songs und catchy Rockern kann trotzdem als ausgeglichen bezeichnet werden.
Leider, das muss bei aller Sympathie auch gesagt werden, wird ab und zu in Klischees gestochert, etwa bei I Don't Feel The Same oder It's Beautiful. Das hätte nicht sein müssen. Trotzdem wird der Eindruck bestätigt, dass der Mann hinter dem Mikro ein gefestigter, integrer Kerl ist, der genau weiß was er kann und was er will.
Auf Kurs
Um als Künstler für einen großen Zeitraum erfolgreich zu sein, muss man sich lang machen. Es passiert nicht selten, dass ehemalige Vorreiter im Sumpf der Bedeutungslosigkeit herumdümpeln, während anderswo ihre Nachfolger schon gesucht werden und wie Pflanzen aus der Erde sprießen.
Thomas Godoj hat ein musterhaft solides Album aufgenommen, mit auf das er gut aufbauen kann. Ob der Erfolg allerdings lang anhaltend ist, wird die Zukunft zeigen.
Am 17. Dezember kann man sich im Wiener Gasometer zumindest von den Live-Qualitäten überzeugen lassen.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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