Mit Stadium Arcadium, dem ersten Doppelalbum seit ihrem weltweiten Megaerfolg „Blood Sugar Sex Magik“ holen die Red Hot Chili Peppers zum ganz großen Schlag aus - die beiden „Jupiter“ und „Mars“ betitelten Alben vereinen das Beste, was die Truppe bisher produziert hat.
“Something out there
Where love is your only friend and
We are the ones that will make you feel better…”
(Make You Feel Better)
v.l.: Flea, Anthony Kiedis, John Frusciante, Chad Smith
Mit Stadium Arcadium, dem ersten Doppelalbum seit ihrem weltweiten Megaerfolg „Blood Sugar Sex Magik“ holen die Red Hot Chili Peppers zum ganz großen Schlag aus. Die beiden „Jupiter“ und „Mars“ betitelten Alben vereinen das Beste, was die Truppe bisher produziert hat. Hier treffen die Funk-, Punk-, Rapwurzeln früherer Meisterwerke wie „Mother´s Milk“ oder das bereits erwähnte „BSSM“ auf die melodischen Pop- und Rockhooks der beiden letzten Alben „Californication“ und „By The Way“. Und das, ohne zu sehr ins Seichte und Gefällige von Teilen des letzten Albums abzudriften.
Abgesehen von John Frusciante´s drogenbedingten Ausstieg – er wurde für das Album „One Hot Minute“ durch Dave Navarro ersetzt und kehrte für das Mega-Erfolgsalbum „Californication“ wieder zurück – existieren die Red Hot Chili Peppers in der heutigen Besetzung Anthony Kiedis, Flea, Chad Smith und Frusciante seit Ende der 80er Jahre – wobei die Band insgesamt bereits über 20 Jahre auf dem Buckel hat. Von Müdigkeit oder Ausgelaugtheit kann aber keine Rede sein. In drei Jahren haben die Peppers 38 Songs geschaffen, von denen es wiederum 28 auf "Stadium Arcadium" schafften - und die wieder einmal von Produzentenass Rick Rubin, seit „Blood Sugar Sex Magik“ deren Haus- und Hofproduzent, feingeschliffen wurden. Als Hauptgrund für die enorme Kreativität nannte Anthony Kiedis übrigens in einem MTV-Interview den Umstand, dass sie zum Zeitpunkt des Songwritings gerade alle frisch verliebt waren - was sich zum Teil auch in den Texten wiederspiegelt.
Der erste Vorbote zum Album, die Single „Dani California“ eröffnet – simpel aber effektvoll - in gewohnter Peppers-Manier den neuen Doppelschlag. Ein unverkennbarer Chad Smith-Beat, der dich gleich mal von den Socken haut, eine unwiderstehliche Refrainmelodie und zum Schluss ein Jimi Hendrix zitierendes Solo von Meister John Frusciante. Und bereits von hier an reiht sich Superhit an Superhit. Die „Jupiter“-CD will einfach keinen nennenswerten Schwachpunkt aufweisen. Was das Herauspicken einzelner Glanzstücke schwierig macht, da jeder einzelne Song seine besondere Stärke besitzt. Sei es der langsam gegen Höhepunkt strebende Song „Snow ((Hey Oh))“, das Funk-Meisterwerk „Hump de Bump“ mit einer unglaublichen Percussioneinlage, die Akustikgitarren/Lagerfeuernummer „Slow Cheetah“ oder der aufwühlende Downtempo-Knaller „Strip My Mind“ - um nun doch ein paar Highlights innerhalb der Highlight-Liste zu nennen. Etwas, das gleich mit dem ersten Hördurchgang auffällt, ist der enorme Ohrwurmcharakter fast aller Nummern, der sich vor allem in den chorgeladenen Refrains manifestiert.

v.l.: Smith, Kiedis, ein Hund, Frusciante
Mars Attacks: Anders bei „Mars“, die sich zu Beginn etwas sperriger und vielseitiger gibt und erst nach und nach seinen Charme versprüht. Während „Jupiter“ wie aus einem Guss klingt, ist „Mars“ mehr ein Wechselbad der Gefühle. Hier treffen etwa die zwei ruhigsten Nummern des Gesamtwerks, „If“ und die rührende Liebeserklärung „Hard To Concentrate“, die Kiedis für Flea´s Hochzeit verfasst hat, auf dreckige Rockkracher wie „Readymade“ oder „So Much I“. Und dazwischen bilden die sehr eingängigen Popnummern wie „Desecration Smile“ oder „Make You Feel Better“ (die Nummer mit dem Outkast´schen „Hey Ya“-Beat“) die Würze.
Ja, wenn technisches ausgereiftes Spielvermögen auf kreatives Songwriting trifft, kann daraus schon mal ein Meisterwerk wie „Stadium Arcadium“ resultieren. Das Rhythmusgespann aus Drummer Chad Smith und Bassist Flea leistet wieder mal schier Unglaubliches. Auch über Anthony Kiedis braucht man nicht mehr viele Worte verlieren. Seine unverkennbare, mal kräftige, mal sanfte, zwischen Gesang, Vokalakrobatik und Rapeinlagen wechselnde Stimme drückt den Songs den Peppers-typischen Stempel auf. Und auch wenn Kiedis seine Hauptrolle hervorragend spielt, ist für mich persönlich Klampfer John Frusciante der eigentliche Star des Albums. Nicht nur, dass er mit einer selten gehörten Hingabe die Gitarre im Format eines Jimi Hendrix bedient, zeichnet er auch für den Großteil des Songwritings und die wundervollen Backgroundvocals – wobei Frusciante mittlerweile fairerweise als „die zweite Peppers-Stimme“ Erwähnung finden sollte – verantwortlich.
Die Peppers von heute sind nicht mehr die Strümpfe-auf-den-Genitalien-tragende Truppe, sondern eine der innovativsten und vielfältigsten Bands, die gleichermaßen Indiegemeinde und Stadionmassen begeistern kann. Bleibt zum Schluss die Frage: ist es wirklich notwendig, Bands dieser Größenordnung so in den Himmel loben? Nun, sicherlich nicht, aber was soll man machen, wenn die immer noch derart geniales Ohrenfutter produzieren?
Livetipp: 14.6.2006 Prag, Sazka Arena (leider gibt es keine Österreichtermine)