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musik

The Veils live im Wiener Flex

2007-04-02 00:12:19

Die neuseeländische Band The Veils präsentierte ihr neues Album "Nux Vomica" live im Wiener Flex.

Ich hatte bereits vor zwei Jahren das Vergnügen, The Veils live zu sehen. Damals hatten sie - in der nur mäßig besuchten - Szene Wien ihr gerade frischgebackenes Debütalbum „The Runaway Found“ im Gepäck. Von ihrem Auftritt blieb mir vor allem zwei Dinge im Gedächtnis, der einarmig spielende Drummer (dessen anderer Arm in einer Schleife hing) und der charismatische Frontman Finn Andrews. „Von dieser Band werden wir sicher noch viel zu hören bekommen“, dachte ich mir damals. Nun, kurz danach lösten sich die Veils auf.

Der Songschreiber und gebürtige Londoner Finn Andrews zog sich daraufhin in seine Wahlheimat Neuseeland zurück, um der Band ein zweites Leben einzuhauchen. Dort wurde er in der Bassistin Sophia Burn, eine Collegefreundin, und dem Keyboarder Liam Gerrard, fündig, die fortan den Kern der neuen The Veils bilden sollten. In London, wo die Band beim hiesigen Rough Trade Label unter Vertrag ist, stieß das Trio schließlich auf Gitarrist Dan Raishbrook und Drummer Henning Dietz, unter deren Mitwirken zügig das zweite Album „Nux Vomica“ eingespielt wurde, mit dem die Veils derzeit auf Tour sind.

Das Flex hab ich zwar schon mal voller erlebt, stimmungsmäßig gibt ein etwa zu zwei Drittel volles Flex trotzdem weitaus mehr her als eine nur halbvolle Szene Wien zwei Jahre davor. Das Zusammenspiel der 5 läuft speziell bei den Nummern der neuen Platte wie geschmiert. Das jazzig-rockige Schlagzeug von Henning Dietz (übrigens auch Drummer in Robert Rotifer´s Kapelle) treibt die Songs hurtig voran, die zierliche Bassistin hüpft dazu im Takt, und Gitarrist Raishbrook und Keyboarder Gerrard setzen Klaviertupfer und atmosphärische Sahnehäubchen auf Andrew´s Grundakkorde. Auch wenn die zuckersüße Sophia Burn in ihrem getupften Kleidchen und orangefarbenen Retro-Schuhen klarer Blickfang auf der Bühne ist, steht dennoch einer klar im Mittelpunkt, der nicht minder gut aussehende Frontman - und neuerdings Hutträger - Finn Andrews. Stets tief in seine Songs versunken schmachtet Andrews mit seiner einzigartigen Stimme, welche die Wehmut eines Jeff Buckley mit der Rohheit eines jungen Tom Waits in sich vereint.

Mit Ausnahme der wunderschönen Akustikballade "Lavinia" und dem verhaltenen "Under The Folding Branches" lag der Schwerpunkt des Sets klar bei rockig-dynamischen und eingängigen Songs wie "Guiding Light", "The Wild Son" oder "Advice For Young Mothers To Be". Viele der neuen Nummern, etwa der Titeltrack "Nux Vomica", setzen auf dynamische Laut-Leise-Wechsel, was im Livegewand besonders gut rüberkommt - speziell wenn sich in den ekstatischen Passagen die gesamte Truppe beutelt und windet, der Keyboarder temporär zum Zweitschlagzeuger mutiert und Andrews hitzig in die Tasten haut oder seine Gitarre malträtiert.

In den Pausen zwischen den Songs kokketierte Andrews immer wieder gerne mit den kreischenden Mädchen am Bühnenrand, machte aber insgesamt einen eher müden Eindruck oder als fühle er sich auf der Flex-Bühne nicht so ganz wohl. Ob´s dran lag oder nicht, nach etwa 50 Minuten verschwand die Band bereits im Backstageraum, um dann noch für lediglich zwei Zugaben zurückzukehren. Naja, solange die Kürze der einzige Wermutstropfen eines ansonsten tollen Konzerts ist, kann man das einer Band verzeihen. Und ich bleibe weiterhin bei meinem Gedanken: „Von dieser Band werden wir sicher noch viel zu hören bekommen". Aber bitte diesmal nicht gleich wieder auflösen!

Fotos: (c) Stephan Brueckler

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