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musik

The Veils - Nux Vomica

2007-04-02 00:12:18

Das zweite Album der neuseeländischen Band bietet poetischen Psychedelic Folkrock zwischen Nick Cave, Starsailor und Jeff Buckley.

Finn Andrews´ Stimme schmachtet, krächzt, ächzt und heult wie die Kojoten im Death Valley, wohin sich der The Veils-Sänger während der Aufnahmen des Albums in Laurel Canyon gerne zurückgezogen hat. Der in London geborene und seit seiner Jugend in Neuseeland lebende Andrews ist Songschreiber und Kopf der Band, die sich bald nach Erscheinen des grandiosen Debütalbums "The Runaway Found" (2004) aufgelöst hatte. In seiner Wahlheimat begab sich Andrews - als einziges Bandüberbleibsel - auf die Suche nach neuen Partnern und wurde in der singenden Bassistin Sophia Burn und dem Pianisten/Organisten Liam Gerard fündig. Obwohl sie im Studio und auf Tour durch Henning Dietz (Drums) und Dan Raishbrook (Gitarre) unterstützt werden, präsentieren sich The Veils, auch auf den aktuellen Bandfotos, als Trio.

Finn Andrews, Sophia Burns, Liam Gerard; Foto: (c) Adrian Samson

Die neue Besetzung hat auch ihre hörbaren Spuren hinterlassen. Die Songs auf Nux Vomica fallen experimenteller und erdiger aus als auf dem Debüt. Durch den völligen Verzicht elektronischer Elemente und des Einsatzes von Klavier, Gitarre, Orgel und Streichern klingt der poetische Psychedelic Folkrock der Veils sehr organisch und lebendig. Auch die Einflüsse sind vielfältiger geworden. Stimmlich bewegt sich Finn Andrews zwischen einem schmachtenden Neil Diamond oder Morrissey und einem kratzbürstigen James Walsh (Starsailor) oder jungen Tom Waits, während sich das bereits sehr reif ausfallende Songwriting des erst 23jährigen Sängers an Größen wie Leonhard Cohen, Patti Smith, Jeff Buckley oder Nick Cave orientiert. Vor allem letzteren hört man deutlich aus den eher experimentell angelegten Nummern wie "Jesus for the Jugular", "Pan" oder dem Titeltrack "Nux Vomica" heraus.

Aber auch eingängige Titel hat das Album zu bieten, wie etwa das verspielte "Advice For Young Mothers To Be" oder "One Night On Earth" mit seinem repetitiven, nicht mehr aus dem Kopf zu bekommenden Chor-/Streicherthema. Speziell bei den Backgroundchören fällt Sophia Burn´s Stimme als bereichernde neue Klangfarbe im Veils-Sound auf. Am berührendsten wirkt die Musik der Veils in den ruhigen, verhaltenen Kompositionen wie "Under The Folding Branches" und dem wunderschön-traurigen Finalsong "House Where We All Live", die in erster Linie von Klavier oder Akustikgitarre und Finn Andrews´ einnehmender Stimme getragen werden.

Der Albumtitel spendende "Giftbaum" Nux Vomica (zu deutsch Brechnuss) gilt sowohl als Heilmittel als auch Hauptquelle für das hochgiftige Strychnin und wird somit einerseits mit Bedrohung und Gefahr, andererseits mit Beruhigung und Heilung assoziiert - allesamt Schattierungen, die laut Andrews auf dem Album heraufbeschworen werden. Da hat er nicht übertrieben, ob berührend, gefühlvoll, experimentell, ekstatisch, düster oder ausgelassen, Nux Vomica bietet etwas für alle Stimmungslagen, also hineinfallen lassen und genießen!

Und wer das Ganze live erleben will: am 18.10. gastieren The Veils im Wiener Flex, Empfehlung!


 

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