„Sam´s Town“ nennt sich Album Nummer 2 der gehypten Band aus Las Vegas, und ähnlich opulent und glamourös wie die ständig wachsende Spielerstadt in der Wüste schallt uns die Musik entgegen.
Bei bisher über 4 Millionen verkauften Exemplaren ihres Debütalbums „Hot Fuss“ waren die Erwartungen an das Zweitwerk dementsprechend hoch. „Sam´s Town“ nennt sich nun Album Nummer 2 der gehypten Band aus Las Vegas, und ähnlich opulent und glamourös wie die ständig wachsende Spielerstadt in der Wüste schallt uns die Musik entgegen.
„Sam´s Town“ versucht, ernster und reifer als sein Vorgänger rüber zu kommen, und genauso präsentiert sich auch die Band am Albumcover, wo uns vier ernste, bärtige Gesichter aus den wie immer grandiosen Fotografien von Anton Corbijn entgegenblicken.
Flowers, Stoermer, Vannucci, Keuning in "High Noon"-Pose
Doch „Sam´s Town“ macht´s einem nicht gerade einfach. Große Songs konkurrieren mit überladenem Kitsch. Aber hübsch der Reihe nach. Mit Trommelwirbel und breiten Keyboardwänden eröffnen die Killers ihre Vegas-Show - der Opener und Titeltrack verfehlt seine Wirkung nicht und zieht uns mit seiner Ideenvielfalt in seinen Bann. Erst danach schreitet Brandon Flowers mit Klavierbegleitung zur eigentlichen Begrüßung: „We hope you enjoy your stay, it´s good to have you with us, even if it´s just for the day”. Diese kurze “enterlude” geht fast nahtlos in die erste Singleauskoppelung “When You Were Young” über, ein hymnischer Titel, der mit U2-Gitarren und Flowers´ emotional überbordendem Gesang punktet. Die darauf folgende Nummer „Bling (Confessions Of A King)“ verwebt Westernsoundtrack-Strophe mit 80er-Jahre Synthiepop-Refrain, ehe wir zu den drei besten Nummern des Albums kommen. Während einem der druckvolle Refrain von „For Reasons Unknown“ schlicht und einfach umbläst, lässt uns das hübsch transparente und in seiner Melancholie an Keane erinnernde „Read My Mind“ Zeit zum Durchatmen, bevor der koksende „Uncle Jonny“ mit seiner repetitiven Gitarrensequenz und einem grandiosen Bass/Schlagzeug-Groove um die Ecke kommt und den coolsten Song des Albums markiert.
Bis zu diesem Punkt ist Sam´s Town ein großes Album, das mit einzelnen Nummern – trotz teilweiser Überladenheit - sogar den erfolgreichen Vorgänger in den Schatten stellt. Beginnend mit Song Nummer 8 bekommt man jedoch den Eindruck, als versuche die Band und ihre Produzenten, alles und noch mehr in die Arrangements reinzupacken. „Bones“ etwa wartet mit einer skurrilen Mischung aus Wham-Synthies, Bläsern und Männerchören, die nach einer Mischung aus Monty Python- und dem „Go West“-Chor der Pet Shop Boys klingen, auf, zieht sich aber mit einem griffigen Refrain gerade noch mal aus der Affäre. Die Schlussnummern gehen dann aber leider endgültig in Queen-Bombast unter und zeigen sogar Ähnlichkeit mit Meat Loaf´s Musicalkitschrock.
Oftmals sind es Brandon Flowers´ Keyboards, die viel zum erwähnten Kitschfaktor beitragen. Deswegen sind die besten Momente der Platte oft jene, in denen die Instrumentalisten mehr freie Hand haben, um hier Dave Keuning´s feine Gitarrenarbeit und das toughe Rhythmusgespann Ronnie Vannucci (Drums) und Mark Stoermer (Bass) lobend zu erwähnen. Was dagegen auf Dauer etwas nerven kann, ist Flowers´ stets auf Vollgas gesungene und mit leichten Zerr-Effekten gespickte Stimme, die lediglich in den wenigen transparenten und ruhigen Passagen en nature zu hören ist - wie etwa in der kurzen „interlude“ oder finalen „exitlude“, wo wir mit den Worten „We hope you enjoyed your stay...“ verabschiedet werden.
Sam´s Town lässt sich am besten mit einem opulenten Mahl vergleichen. Man isst sich begeistert und gierig an diversen Leckerbissen satt, bis man sich irgendwann zu viel des Guten auf den Teller geladen hat und nichts mehr in sich hineinstopfen kann. Und auch wenn´s die renommierten Produzenten Flood und Alan Moulder, u.a. für U2, Depeche Mode und Smashing Pumpkins tätig, sicherlich gut gemeint haben, haben sie stellenweise doch ein wenig zuviel an Zuckerguss erwischt. Weniger ist mehr wäre hier sicherlich eine bessere Formel gewesen. Schade, denn songtechnische Leckerbissen hat das Album genügend zu offerieren.