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musik

The Futureheads – mit Harmoniegesang in die Zukunft

2007-04-02 00:11:27

Das Resultat eines im englischen Sunderland durchgeführten Jugendprojekts namens The Futureheads veröffentlicht mit „News And Tributes“ ihr zweites Album.

Nach einem erfolgreichen Debütalbum ist es für eine Band nicht immer ein gemütlicher Spaziergang, ein zweites Werk auf die Beine zu stellen, welche das erste eventuell noch an Zustimmung überbieten kann. Der Weg ist meist ein schwieriger und oftmals geht dieses Vorhaben kräftig in die Hose. Das Resultat kränkelt allzu oft an Belanglosigkeit, da die Musiker durch den meist selbst oder von der Plattenfirma auferlegten Druck einen Kurzschluss nach dem anderen produzieren. Dass man nicht zwanghaft und auf Knopfdruck kreativ sein kann, kommt noch hinzu. Diese Umstände können am Ende aus dem erhofften Nachfolgeknüller, ein Potpourri an in Angstschweiß und Ideenlosigkeit getränkten Songs machen.

Nach dem selbstbetitelten Debütalbum, welches in die Indie-Bunker einschlug wie eine Bombe, tourten die vier aus Sunderland stammenden Futureheads durch zig Städte. Gepusht wurden sie dabei vom – drei Mal dürft ihr raten?! Stimmt! – NME. Vergleicht man aber im Endeffekt den daraus resultierenden Erfolg der Futureheads mit dem ihrer zahlreichen Kollegen aus demselben Genre, dann fiel dieser doch um Welten geringer aus. Das lag wohl an ihrer doch etwas vertrackteren Art Musik zu machen. Eingängige Kracher wie „Graffiti“ von Maximo Park oder „Every Day I Love You Less and Less“ von den Kaiser Chiefs suchte man auf ihrem Debüt vergeblich und sie sind auch – so viel sei vorweggenommen – auf „News And Tributes“ nicht zu finden.

Ihre Einflüsse beziehen die Futureheads aus den frühen 80er Jahren. Auffällig sind dabei besonders die sehr kantig daherkommenden, immer wieder stockenden Arrangements, die stark an XTC erinnern, eine Band die vor allem durch ihr hyperdynamisches und exzentrisches Auftreten Aufsehen erregte. Der Vorwurf des Plagiats ist bei den Futurehands jedoch nicht haltbar, denn ihr Stil hat durchaus einen eigenen Charakter aufzuweisen: Ausgehend von einem sich fast überschlagenden Schlagzeug, wird die Gitarre beharrlich, ja fast hypnotisch monoton eingesetzt – so auch im Aufwärmsong „Yes/No“. Hier werden mit ständigen „Yes/No“-Ausbrüchen die Stimmbänder auf Betriebstemperatur gebracht, damit man die sich durchs ganze Album ziehenden und harmonischen „Aaaahs“, „Oooohs“ und „Laalaas“ auch gezielt und kräftig ins Mikro hauchen kann. „Jeder in der Band soll singen, damit es kraftvoller klingt; keine Effektpedale, damit es straight klingt, ohne alles maskierenden Hall; richtig kurze, schnelle Songs ohne Solo, um den Leuten einen Tritt in den Hintern zu verpassen.“ Dies verlautbarte der Hauptsänger Barry Hyde in der Spex-Ausgabe (06/2005). Das war nach der Veröffentlichung ihres Debüts vor rund einem Jahr. Die eigene Beschreibung ihrer Musik trifft aber auch noch heute bei „News And Tributes“ den Nagel auf den Kopf. Oder anders formuliert: Das zweite Album der Futureheads schließt nahtlos an das erste an.

“If I could cheat I would skip to the end. Decide if it's worth going through with. Skip to the last paragraph before we start. Said a happy ending or a broken heart“ heißt es in “Skip To The End“, dem eindringlichsten und besten Song auf dem aktuellen Album. Hierbei ist der besondere Akzent der Futureheads deutlich zu vernehmen: Das Wort „happy“ klingt dabei wie das in Österreich als Synonym für Orangensaft eingesetzte „Cappy“ – charmant!

Ob mit dem zweiten Album nun auch die kommerziellen Begeisterungsstürme folgen, darf bezweifelt werden, denn auch das neue Werk der Futureheads wird vielen zu nervös, hektisch und sperrig sein. Mit Songs wie „Fallout“, dem stark an die frühen Bad Religion erinnernden Punkrock-Song „Back To The Sea“ oder dem mit verhallten Gitarren bestückten, in Richtung Beach Boys schielenden „Favours For Favours“, haben sie jedoch wieder wahre Schmuckstücke in Sachen Euphorie aus der Hüfte geschossen, die ihnen auf alle Fälle den einen oder anderen Indie-Chart-Erfolg einbringen werden.

"News And Tributes" wurde bereits via Warner veröffentlicht.


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AutorInnen

Marco Weise

Marco Weise

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