2008-08-21 21:20:51
The doom that came to Gotham: Christopher Nolans zweite Batman-Adaption ist düsterer und destruktiver geworden. Der Erzgegner des dunklen Ritters ist auch wieder da: Der Joker, genial gespielt vom inzwischen verstorbenen Heath Ledger.
Batman (Christian Bale), der dunkle Ritter aus Gotham City, hat im zweiten Film von Regisseur Christopher Nolan allerhand zu tun: Er muss den wahnsinnigen Joker aufhalten, der ganz Gotham in Angst & Schrecken versetzt, und gegen Mafiabosse und korrumpierende Geschäftsmänner aus Übersee ankämpfen, zudem trauert er seiner Ex-Geliebten Rachel Dawes (Maggie Gyllenhaal) nach, die inzwischen mit dem populären Staatsanwalt Harvey Dent (Aaron Eckert) liiert ist. Zu guter Letzt steht sich der einsame Held noch selbst im Weg: Hat sein Auftreten als maskierter Kämpfer dazu geführt, dass wahnsinnige Superschurken auf der Bildfläche auftauchen, die weder an Ruhm, Macht noch Geld interessiert sind? Die Realität ist erschreckend bedrohlich geworden.
Shadow of the Bat
The Dark Knight eilt der Ruf voraus.
Unglaublich erfolgreich in den USA, hat sich die Hype-Maschinerie auch hierzulande prächtig entwickelt.
Nolan (Memento, Following, The Prestige) hat aus seinen Anfängerfehlern gelernt. Waren die beiden Schurken Scarecrow und Ra's al Ghul in Batman Begins noch nicht die gemeinen Antagonisten, die Batman bei der Bekämpfung des Bösen im Wege stehen, so ist Heath Ledger als Joker der perfekte Treffer.
Bitterböse schmiedet der Clown fiese Pläne und führt dabei vor Augen, wie leicht der Mensch doch manipulierbar ist, wenn er unsicher ist und Furcht verspürt.
Dem Regisseur gelingt es zudem, unzählige Handlungsebenen so zu ordnen, dass sie einander sinnvoll ergänzen und die Dynamik und die Entwicklung des Films vorantreiben. Jeder Schritt hat Auswirkungen auf die Taten des Anderen. Verschachtelte Rückblenden, wie so oft bei seinen früheren Filmen, gibt es dagegen nicht.
Es ist eine dichte, beklemmende Atmosphäre der Gefahr, die hier herrscht. Gotham ist der dunkle Wald der Gewalt und der Korruption, in dem sich alle verirren. Christopher Nolan weiß den Rhythmus des Geschehens einzufangen, lässt auf exzessive Actionszenen bedächtige Konversationen folgen, zieht das Tempo an und fährt es wieder zurück, versorgt das Publikum in der richtigen Dosierung mit den obligaten Informationen. Auch das kühle Licht, dass durch die modernen Wolkenkratzer der Stadt drängt, steht im scharfen Kontrast zu den dunklen, sepiafarbenen Nächten auf den Straßen von Gotham.
Why so serious?
The Dark Knight stellt das Bedürfnis nach Sicherheit in den Vordergrund. Durch die Taten des Jokers kann dies in einer Metropole wie Gotham nicht mehr gewährleistet werden. Der geschminkte Verbrecher ist das pulsierende Gravitationszentrum der Stadt. Die Bevölkerung, die der Joker durch die Medien bestens zu manipulieren weiß, ist zwar eingeschüchtert und bangt um ihr Leben, doch mundtot ist sie nicht. Das bekommt auch Batman zu spüren. Angesichts steigender Verbrechen, plagen Bruce Wayne schwere Zweifel am gegenwärtigen Zustand der Welt. Zweifel, die seine Existenz als dunkler Ritter und Hüter von Gesetz und Ordnung in Frage stellen. Batman will mit einer Umgebung, in der Straftaten jedes Maß verloren haben und geprägt sind von Skrupellosigkeit und einer perversen Lust an Terror und Schmerz, nichts zu tun haben. Die letzte Konsequenz? Die Doppelidentität medienwirksam an den Nagel hängen. Die richtige Entscheidung?
Christian Bale muss in seiner Rolle als einsame Fledermaus-Ikone mit Cape mehr denn je über sich hinauswachsen, was ihm auch besser gelingt als in Batman Begins. Nur er kann das Gleichgewicht der Kräfte wieder herstellen. Heath Ledgers sinistres Auftreten als Joker entschädigt hingegen für so manche Länge. Sein Weltbild widersetzt sich normaler Logik und Moral, Ideale sucht man beim grinsenden Verbrecher vergebens. Der Joker wird durch simples Chaos definiert, wie er selbst sagt. Angst und Schrecken werden durch ihn zur täglichen Norm erhoben. Immer mehr wird er zum Star der medialen Berichterstattung, nützt diese für sich, um Forderungen zu stellen und Batman in die Ecke zu drängen, wird dadurch Gegenstand des öffentlichen Diskurses.
Auch Maggie Gyllenhaal, die Katie Holmes ersetzt, und Aaron Eckert, der hier als Two-Face seine äquivoke Wiedergeburt bekommt, wissen zu überzeugen. Die Lunte des Konflikts zwischen Freundschaft, Liebe und Macht wird immer weiter angezündet, bis der Joker sie sprichwörtlich in die Luft jagt.
Batman muss sich in The Dark Knight in einer Welt zurechtfinden, die von amoralischem Verhalten regiert wird, wo Gier, Opportunismus und Gewalt auf der Agenda stehen. Die Stadt heißt zwar Gotham City, meint aber mehr: USA, Terrorismus, Imperialismus, Kapitalismus, Globalisierung, natürlich Irak. Der Film richtet seinen Appell auch an die Zivilcourage, an die Eigenverantwortung gegenüber der Tyrannei. Selbst der dunkle Ritter bleibt nicht unverschont. Kann Gewalt ein adäquates Mittel sein, um Gewalt gerecht zu bekämpfen, vor allem dann, wenn Unschuldige verletzt werden? Batmans letztendliche Antwort: Sie ist es. Wegrennen und Aufgeben ist keine Option.
Auch Fragen um ethische Grenzen der modernen Wissenschaft werden impliziert (siehe Batmans Nahversorger Lucius Fox).
You know you're right
The Dark Knight hat alles richtig gemacht.
Die Inszenierung gleicht einem straff erzählten Thriller, die Action verzichtet auf CGI-Bombast, wirkt dadurch realistischer und härter. Die Schauspieler sind durchweg fabelhaft besetzt, die Ereignisse spannend. Die Handlungsfülle mit ihren reichhaltigen Wendungen und wechselnden Bündnissen, ergibt ein sinnvolles Ganzes, das zügig vorantreibt, gegen Ende sich aber etwas zu viel Zeit nimmt.
Christopher Nolan hat dafür Lorbeer verdient. Der sensationelle Erfolg gibt ihm recht.
Der Batman-Mythos lebt wieder.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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