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Techno, Titten & Trompeten

2009-04-25 21:45:39

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Ein genialer Titel für sein neues Album, findet DJ Ickarus. Seine Plattenfirma ist weniger begeistert und tituliert das Werk kurzerhand Berlin Calling. Das klinge internationaler. Für Filme gilt dieses Credo offensichtlich auch!

Berlin Calling ist ein ambitionierter Film – keine Frage. Regisseur Hannes Stöhr will nichts weniger als eine aktuelle Gattung Musik mit filmischen Mitteln darstellen. Keine fragwürdige Nostalgie und Verklärung also, wie sie beispielsweise der Film Cadillac Records heraufbeschwört, der dank Starbesetzung wohl bald auch in den heimischen Kinos zu sehen sein wird. Authentizität steht im Vordergrund. Darum wurde die Hauptrolle auch mit dem Berliner Techno-DJ Paul Kalkbrenner besetzt. Er darf im Film eine Alternativbiographie zu seinem eigenem Leben ausprobieren und schlägt sich dabei achtbar.

Techno, Drogen & viel, viel mehr

Doch letztendlich muss auch er vor dem Überangebot an Themen kapitulieren. Wie Kalkbrenners Alter Ego DJ Ickarus will auch der Film zuviel auf einmal. In lediglich 105 Minuten sollen nicht nur das Psychogramm eines Künstlers, die Berliner Clubszene, die Verbindung von Techno und Drogen und deren schädliche Folgen, sondern auch die problematische Verbindung von Geschäftlichem mit Privatem (Ickarus’ Freundin ist gleichzeitig seine Managerin) erschöpfend behandelt werden. Ein Ding der Unmöglichkeit.

Techno, Kunst & Krankenhaus

Trotz dieser offensichtlichen Schwäche hat Berlin Calling aber durchaus seine starken Momente. Vor allem dann, wenn er sich dem Techno als Lebenseinstellung zuwendet. Erst als DJ Ickarus – und mit ihm der Film – durch eine schlechte Pille (Fear and Loathing in Las Vegas lässt grüßen) dazu gezwungen wird, von 140 bpm auf Normalpuls herunterzudrosseln, beginnt sich auch das Interesse des Technounkundigen zu regen. Dies hat einerseits mit der Aura von Corinna Harfouch zu tun, die als Prof. Dr. Petra Paul in der psychiatrischen Klinik für Drogengeschädigte verantwortlich ist, andererseits aber auch mit der Drogenthematik an sich.

Techno, Pillen & Medikamente

Erstaunlicherweise schafft es der Film nämlich, die Gefahren des Drogenkonsums aufzuzeigen, ohne zu stigmatisieren. Hannes Stöhr geht sogar noch weiter und zeigt auf, dass auch die Medikamente, die den "Gefallenen" wieder zu einem normalen Leben verhelfen sollen, ihre Tücken haben und nicht immer die richtige Lösung sind. So muss man fast zwangsläufig mit DJ Ickarus sympathisieren, als er nach einem langen und schwierigen Krankenhausaufenthalt seine Medikamente die Toilette hinunterspült, weil ihre Nebenwirkungen noch schlimmer als die Drogenfolgen zu ertragen sind. "Die Pillen kappen meine Höhen und Tiefen." Für einen Musiker kann es nichts Schlimmeres geben.

KINOSTART: 1. Mai 2009

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