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musik

Tanzen gegen den Fasching

2008-01-22 01:27:03

  • 01 Great Stuff Carneval

Beats für Fastnachts-Verweigerer: Das Münchner Label Great Stuff will es wieder einmal wissen und bringt dieser Tage die Compilation „Great Carnival Stuff“ heraus.

Heringschmaus, Umzug, Masken: Wenn die Faschingszeit ruft, bleibt nichts auf dem anderen – und schon gar keine Kehle trocken. So ist diese Zeit doch jene, in der kollektiver Spaß ausgerufen wird und plötzlich bei den meisten Zeitgenossen einige zwanghafte, sehr seltsame Arten von Artikulation – man wohne bloß einer Faschingsparade im tiefen Salzkammergut bei! – an den Tag, der dann ohnehin zur Nacht mutiert, gelegt werden. Freilich ist es in diesem Fall der eigentliche Sinn von Fasching, der massiv nervt: Die generelle, auf die Gesellschaft überschwappende Ausrufung des Humors. Denn natürlich handelt es sich hier um ein Paradoxon, wenn just all jene Vertreter der spießbürgerlichen Zunft, die im Alltag nicht einmal im Stande sind, das Wort Spaß zu buchstabieren und von „Grenzen des guten Geschmacks“ im Zusammenhang von Humor warnen, mit einem fröhlichen Gesichtsausdruck auf die Schulter klopfen und meinen: „Von Spaß verstehst du auch nichts, oder?!“ Und hey, wenn man sich dann noch im Namen der Freiheit – also jenes Wort, das im Parteinamen einer gewissen Narrentruppe steht – auf diverse Minderheiten lustig machen darf… Ist ja nur Spaß, Mann!

Techno, unverkleidet

Aber Ausnahmen bestätigen die goldene Regel: Das Münchner Label für die elektronische Sparte der Unterhaltungsmusik, Great Stuff Recordings, veröffentlicht gerade dieses Tage eine fantastische Compilation namens Great Carnival Stuff. Gleich vorweg: Dieser Tonträger wirkt wie Balsam auf die Ohren. Auch wenn ein Clown von dem Cover herunterlächelt, so höchstens als Parodie, als gebührender Abgesang auf die vermeintliche Spaßgesellschaft. Diese elf Nummern beinhaltende Zusammenstellung enthält durchaus hervorragende, stilvoll arrangierte, ja lässige Tracks, eingebettet zwischen House und Techno. Beinahe selbstverständlich schwingt an dieser Stelle eine monotone, bewusst simpel gehaltene produktionstechnische Herangehensweise mit. Bloß: Wen stört das? Denn vom ersten Track an, der von Oliver Koletzki (Technica Salsa) stammt, bis zum letzten (Micky Monza & Joseph Disco mit Zorro und der Cowboy) zieht sich die Möglichkeit des Beinschwingens wie ein roter Faden durch. Weiters präsentieren Acts wie Namito (City of Gods), Butch (Helau) oder Swen Weber (Samba de Bochum) ihr Können – mit wummernden Bässen und prickelnden Soundtapeten. So soll es sein! Denn es gibt nur zwei Chancen, diesem Spaßterror mit Anstand und Stil zu entgehen: Ab auf den Dance-Floor der nächsten „unverkleideten“ Disco des Vertrauens. Oder: One-Way-Ticket nach Rio de Janeiro zum wirklichen Karneval. Von einem (extrem kitschigen) Verstellen kann man hier nicht sprechen. Die tanzen nämlich immer.

Die Compilation „Great Carnival Stuff“ erscheint am 25. Februar 2008 bei Great Stuff und kann auf deren Homepage oder in einem gut sortierten Plattenladen erworben werden.

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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