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musik

TRAVIS und der namenlose Junge

2007-05-21 16:37:30

  • Cover, travis, boy
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Das schottische Quartett meldet sich mit dem unspektakulär schönen Album The Boy With No Name zurück.

Lange Zeit war es ruhig um die aus Glasgow stammende Band. Nachdem ihr letztes, eher düster ausgefallenes Album 12 Memories hinter den Verkaufserwartungen blieb, beschloss das Quartett, sich erstmal eine Auszeit zu gönnen. Unter anderem, um Kinder in die Welt zu setzen, wie es etwa bei Sänger Fran Healy der Fall war. Sein neu geborener Sohn, für den lange Zeit nach einem Namen gesucht wurde, war ausschlaggebend für den Albumtitel und auch den einen oder anderen Song darauf (My Eyes).   

Für ein Comebackalbum klingt The Boy With No Name erstaunlich unspektakulär und beim ersten Hördurchgang fast ein wenig langweilig. Bei näherem und wiederholtem Reinhorchen entfaltet sich aber immer mehr die Schönheit der Kompositionen von Healy. Es dominiert die Sanftheit, Akustikgitarren werden von Streichern und bittersüßen Vokalarrangements umschmiegt, während Schlagzeug und E-Gitarre sehr im Hintergrund werken. Und über allem steht Healy's wunderschöne Samtstimme. Stilistisch hat sich also nicht viel verändert, aber wer sich Experimente erwartet, ist bei Travis sowieso an der falschen Band. Stattdessen besinnen sich die Schotten ganz und gar auf ihre Stärken, dem melancholischen, akustischen Singer/Songwriter-Pop, wie Songperlen wie 3 times and you lose, Closer oder Battleships, wo Healy's Kopfstimme kurz mal an Limahl's Neverending Story erinnert, beweisen.

Zu schön, um wahr zu sein...

Was in einzelnen Dosen genossen ein wahrer Genuss, ist auf Dauer dann doch etwas zuviel des Guten. Alles tönt so schön und klar, so sauber und brav, wie frisch geschnittener Rasen, umringt von blitzend weißen Holzzäunen in Reihenhaussiedlungen amerikanischer TV-Serien. Selbst die Battleships scheinen sich einander mit Baumwollbällchen versenken zu wollen. Und Neil Primrose's dezentes Schlagzeug-Spiel erweckt dabei den Eindruck, als würde er seine Felle mit Wattestäbchen streicheln. Lediglich punktuell wagt sich die Band etwas mehr heraus, wie beim flotten Rock'n' Roller Selfish Jean mit seinem Lust For Life-Beat. Und auch Big Chair überrascht mit einem unwiderstehlichen Bass/Drum-Groove. Hätten sie solche Ausbrüche öfters gewagt, wäre The Boy With No Name wohl ein umwerfendes Album geworden, so ist „lediglich“ ein schlicht schönes draus geworden. Kleiner Tipp zum Schluss: nach der letzten Nummer die CD nicht gleich abwürgen, sondern den hübschen Hidden Track abwarten – es lohnt sich!

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