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Sziget Festival - Die ersten Eindrücke

2008-08-14 18:09:24

  • Sziget mädchen 2008 Brücke
  • Sziget 2008 Planer
  • Sziget 2008 Alanis Morisette
  • Sziget 2008 Avantasia
  • Sziget 2008 Kaiser Chiefs
  • Sziget 2008 Jamiroquai
  • Sziget mädchen 2008 Zunge
  • Sziget 2008 Schmetterlinge
  • The Sziget 2008 Kooks
  • Sziget 2008 Metal Hammerworld
  • Sziget 2008 Jamiroquai

Heiß! Heiß! Doppelheiß brät die Sonne auf die Menge nieder! Hallo Ungarn! Hallo Hochsommer! Sers Ostblock! Die Organisatoren des 42. Szigetfestivals lassen wieder einmal die Partybrücke aus der Stalinzeit runter und halb Europa kommt.

ExtasyEmma und KoksKarl tanzen glücklich nebeneinander und schmeißen mit Energydrinks um sich. Kaum spüren sie die unbarmherzigen 35°C der Luft, welche sich hier keinen Zentimeter bewegt. Abhalten kann das natürlich niemanden von den Festivalpassbesitzern, aus ihren schattigen Zelten hervorzukriechen, um in der prallen Sonne zu tanzen. Das Angebot hier reicht vom netten Roma Zelt bis hin zum großen Mastercard Party Tent. Von Reisefolklore bis Hardcore Techno.


Alanis Morisette.

Entdeckt und gefördert von Fitnessskelett Madonna, hat sich die gute Kanadierin über die Jahre hinweg einen Platz am Pophimmel ergattert und wischt dort jetzt einmal ordentlich auf.Was die Gute übrigens mit ihren Ökosongs nicht erwischt hat, erledigt die Popkönigin dann mit ihrer wallenden nachgewachsenen Mähne, welche sie formschön um ihrem Körper schmeißt, während sie ihren Kopf zwischen ihre Knie steckt. Ein Beispiel für die Sinnhaftigkeit von Yogakursen. Wenn die gute Ethnotante dann auch noch die Glitterklampfe herausholt, schreit sogar der letzte Mittvierziger aus den ersten Reihen nur mehr Selbstlaute und beweist damit, dass die Neunziger nur scheintot waren. Dass, so wie sie selber sagt, das Album viel mit Frust und Depression zu tun hat und eigentlich therapeutisch für sie gar nicht so unwichtig war, hört man dann auch kaum raus.

Davor war eigentlich nur fast Belangloses wie Anti-Flag oder MGMT auf der Mainstage. Irgendwie verständlich, wenn die New Yorker immer noch etwas nervös sind, wie sie in ihrem Interview zugeben. Ist es doch erst ihre erste große Tour. Dass Flogging Molly nur ein Lied gespielt haben, das allerdings Einunddreiviertel Stunden lang, hat interessanterweise kaum einen gestört. Meinen Cocktail übrigens auch nicht. The Kooks, die nach der Canadierin, deren Oma, wie sie stolz behauptet, auch Ungarin ist, erobern zum Schluss des ersten Tages ebenfalls die Hauptbühne und triumphieren vor der Menge. Die kleine Klettereinlage des Kaiser Chiefs Sängers Ricky Wilson, welcher einfach so einmal ein Liedchen in sieben Metern Höhe vor sich hinträllert und dabei die Menge zum Staunen bringt, soll hier natürlich auch nicht unerwähnt bleiben.

 

Little L

Den absoluten Festivalhöhepunkt, bis jetzt, allerdings hat Jamiroquai besorgt. Gänsehaut geht durch die Menge, als er die Bühne betritt und sich nach fast zwei Stunden, unzähligen Liedern, einer grandiosen Bühnenshow und Schmäheinlagen später schweißgebadet verabschiedet, aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht und einer Zigarette in der Hand. Er hinterlässt ein mit letzter Kraft noch zuckendes Publikum glücklich.

Pete Philly & Perquisite aus den Niederlanden sind ebenfalls ein echter Glückstreffer. Die Converse WAN2 Bühne an sich, welche völlig ohne Licht auskommt, außer ein paar herzigen Scheinwerfern auf der Bühne, überrascht mit einem gut durchdachten Konzept, aus Schunkelbeleuchtung und Schunkelmusik. Von Kraak & Smaak über den frisch verheirateten Adam Green bis hin zu José Gonzáles gibt es hier wirklich fast alles, was das Herz begehrt. Aber nur fast.


Hätte Musik eine Farbe - Elektro wäre Blau

So ein Bekannter. Und so ist es auch. Die Insel, welche in drei gleich große Zonen unterteilt ist, hat einen ausgefuchsten Farbcode. So hat Pop Musik die spannende Farbe Goldenshowergelb , Kunst und Kultur strahlen in Blutrot und der gute, alte Elektro bekommt ein eigenes Areal in Eisblau. Somit ist es selbst für AlkopopAmy möglich, die Bühne für Contemporary Ballett und auch den Magic Mirror zu finden. 

Dort übrigens finden täglich Workshops zu den  Themen "Alternative Beziehungsformen" und dergleichen statt. Irgendwo zwischen Massenaufklärung und Bewustseinsstärkung. Ein bisschen stinkt das ganze allerdings abgelaufen und scheinheilig. Ein einziges lesbisches Pärchen auf einem Festival mit zehntausenden Besuchern täglich, lassen durchaus Rückschlüsse auf die osteuropäische Lebensentwurfspraxis zu.


Who blesses America?

Nichts desto trotz wird die Dragshow danach genossen. Unter anderem stopft sich dort ein etwas beleibter Travestiekünstler im amerikanischen Flaggen Bikini unzählige Dollarscheine in den scheinbar unfüllbaren Mund, nur um sich wenige Sekunden später, ebenerwähnte wieder aus dem Arsch zu ziehen, während im Hintergrund USA Patriotenmüll von Dolly Parton für Gehirngewaschene trötet.  

Wer im übrigen gerne mit dem Taxi heimfährt, sollte sich bewusst machen, dass Ungarn in dieser Hinsicht kein allzu lustiges Pflaster ist. Schnell ist man im Trickbetrügertaxi und zahlt zwanzig statt fünf Euro. Wenn der Taxifahrer dann auch noch anfängt im Wahn manisch vor sich hinzubrabbeln und in der dreißiger Zone plötzlich siebzig fährt, lohnt es sich, den Elektroschocker, die Pumpgun, oder doch einfach die paar Forint Lösegeld zu zücken.

In diesem Sinne

 

Grüße aus der Ostblockwüste!

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