„If you could rewind your time, would you change your life?“
Diese und andere Fragen stellen die drei Jungs aus Wales auf ihrem fünften Longplayer.
Ich habe noch sehr gut das Letztwerk der Stereophonics „You Gotta Go There To Come Back“ im Ohr, das gekonnt Rock-, Blues- und Soulelemente vereinte und durch die rohe Produktion sehr natürlich und ursprünglich klang. Im Vergleich dazu wirkt das neue, fünfte Album „Language, Sex, Violence, Other?” irgendwie kühl und unnahbar.
„Superman on an aeroplane
Sitting next to Lois Lane
You got that woman but you want her gone
So you can sleep with a teenage blonde”
(Superman)
Der Einstieg ins Album beginnt viel versprechend mit einer wehmütigen Gitarre, die – eingebettet in ein spannendes Bass/Synthi-Thema – den abwechslungsreichen Opener einläutet. Was „Superman“ noch verbergen konnte, offenbart der zweite Track „Doorman“ ganz ungeniert: altbackene Gitarrenriffs, langweilige Soli und dazu Kelly Jones´ hinaus geplärrte Reibeisenstimme, die mittlerweile streckenweise kaum mehr von seinen Zerrgitarren zu unterscheiden ist. Rockkracher wie „Brother“ oder die bereits erwähnte „Türlsteher“-Hasstirade „Doorman“ heizen soundmäßig zwar schon ordentlich ein, haben aber trotzdem zu wenig Substanz, um wirklich mitzureißen. Da hilft auch der Tritt auf´s (Verzerrer-)Pedal nicht weiter („Pedalpusher“).
„´Cause all I wanna do
Is get closer to you,
´Cause all I wanna do
Is make a mess out of you“
(Doorman)
Erst mit Song Nummer 5 beginnt das Album an Klasse zu gewinnen. „Dakota“ vermag rhythmisch und melodisch zu begeistern und erinnert endlich wieder an glanzvolle Stereophonics-Zeiten. Dass Kelly Jones, Bassist und Namensvetter Richard Jones und Javier Weyler nach wie vor anspruchsvoll rocken können, beweisen zudem die im letzten Drittel angesiedelten Tracks „Lolita“, „Deadhead“ und die gelungene Schlussnummer „Feel“. Javier Weyler, der beim letzten Album bereits an den Percussions ausgeholfen hat, ist anstelle des raus gekickten Stuart Cable übrigens erstmals an den Drums zu hören.
Ruhige und stimmige Kompositionen werden diesmal fast komplett ausgespart. Einzig „Rewind“ offeriert die vielen früheren Stereophonics-Nummern innewohnende Melancholie.
„If you could rewind your time,
Would you change your life?“
(Rewind)
Durch die Präsenz einiger wirklich klasser Highlights ziehen sich die drei Waliser gerade noch mal aus der Affäre, wenngleich einige Nummern dennoch den Eindruck hinterlassen, als wäre diesmal das Songwriting zugunsten Soundbasteleien und Gitarrenspieltechnik (Stichwort Soli) etwas vernachlässigt worden.