2011-05-30 14:00:11
Die ersten Eindrücke vom Kurzfilmfestival Vienna Independent Shorts mit deutsch-englischem Durcheinander, neurologischen Flickerlichttests und einem guten Glas Whiskey. Ein Bericht in Gedankensplittern.
Eigentlich ist es ja eine nette Idee. Um auf die kritische
finanzielle Situation der Vienna
Independent Shorts hinzuweisen, wird der von Max Hattler konzipierte
Festival-Trailer zu Beginn der Eröffnungsveranstaltung auf einem kleinen
Fernsehgerät (sogar noch mit Röhre!) gezeigt. Dass Moderatorin Heidelinde Neuburger-Dumancic dann aber diese für sich selbst sprechende Metaphorik noch
umständlich mit Worten auskleidet, nimmt der Aktion ihren gesamten Charme. Die
Aussage, dass kein Geld mehr für 35mm-Projektionen vorhanden ist, hätte man
auch ohne Erläuterung verstanden.
Selbstbeweihräucherung
Überhaupt wird viel geredet, bevor der erste Film gezeigt
wird. Daniel Ebner und Julia Fabrick geben sich auf der Bühne die Ehre und
nutzen dieses Privileg weidlich aus, indem sie unter anderem das gesamte
Festivalteam namentlich vorstellen und beklatschen lassen. Angesichts der
Tatsache, dass es sich vielleicht um die letzte Ausgabe des Festivals handelt,
soll ihnen diese Selbstbeweihräucherung verziehen sein. Warum sie aber ständig
zwischen Englisch und Deutsch wechseln, bleibt ein Rätsel.
Ein anschauliches Beispiel für die Wirkung von Filmmusik ist
die Uraufführung von Arash T. Riahis Ein
einfaches Ereignis. Unter bedrohlicher Akustik werden unter anderem Aufnahmen
eines Dunkelhäutigen, eines betenden Moslems, eines dösenden älterer Mannes
sowie einer beobachtenden Taube gezeigt. Was wird hier wohl passieren? Antwort:
nichts. Die fast identen Bilder unter freundlicherer Musik lösen die Spannung und
ergeben die Banalität eines schönen Sommertags in einem Park.
Die Ästhetik von Flickerlichttests
Flickerlichttests gibt es nicht nur in der
wissenschaftlich-sterilen Atmosphäre einer neurologischen Ordination, sondern auch
in visuell aufgehübschter Form als Avantgardefilm im Kino. Nicht nur Pierre
Héberts bei der Eröffnung gezeigtes Op
Hop Hop Op, sondern auch Kotaro Tanakas Varfix,
der im Wettbewerbsprogramm "Animation Avantgarde" läuft, baut auf diesen Effekt.
Weg von der visuellen Wirkung und Ästhetik, hin zum narrativ
geprägten Film. Zu finden ist er unter anderem in der Programmschiene Short
Matters, in der die Nominierten für den europäischen Filmpreis präsentiert
werden. Tolle Geschichten, tolle Umsetzung. Mal traurig, mal lustig, mal
dokumentarisch, mal surreal. So lässt sich der erste Teil vom Freitag
zusammenfassen. Schade, dass sich – ganz im Gegensatz zu Animation Avantgarde – nur wenige Zuschauer eingefunden haben.
Kapitalistische
Leckereien
Nicht nur die Viennale bietet Süßes in Probiergröße als Werbegeschenke an. Auch die Vienna Independent Shorts können sich
auf diesem Gebiet sehen lassen. Wartezeiten und Pausen lassen sich so wunderbar
überbrücken. Dank an die Sponsoren! Auch der Whiskey bei der Eröffnungsfeier schmeckt
aufgrund seiner kostenlosen Abgabe noch besser. Schade aber, dass sich die
meisten – mutmaßlich aufgrund der drückenden Hitze – mit ihrem Glas schnell
hinaus ins Freie verziehen. Trotz tanzbarer Klänge ist im Inneren des Gartenbaukinos nur wenig los.
Mahlerjahr
Nicht nur Gustav Mahler wird aufgrund seines 100. Todestags
dieses Jahr gewürdigt, auch der Comiczeichner Nicolas Mahler steht heuer mit
seinem Schaffen im Blickpunkt. Zur Eröffnung werden drei seiner Flaschko-Episoden als Vorgeschmack
gezeigt. Ein echter Höhepunkt. Weisen doch nicht nur die Filme, sondern auch
der persönlich anwesende Künstler einen liebenswürdigen Charme auf. Man darf
sich auf das Tribute am Dienstag freuen.
Nobody knows the trouble I've seen.
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