2007-04-02 00:11:04
Ein Bericht von der Jugendarbeit in Wien und den Problemen, die damit verbunden sind.
Arbeitslosigkeit, Verspottung, Drogen, Scheidung der Eltern, Missachtung durch Erwachsene, der täglicher Druck in der Schule, Angst davor zu Versagen. Das ist nur ein Auszug aus der Vielzahl an Problemen, mit denen die Jugend von heute beinahe jeden Tag konfrontiert wird. Zum Glück gibt es Vereine, die sie mit diesen persönlichen Herausforderungen und Belastungen nicht alleine lassen.
„Stärkt das Rückgrat der Jugendlichen, brecht es nicht!“
So lautet das Motto von „Back Bone“, die sich als Sprachrohr für Jugendliche sehen. Seit 1997 beschäftigt sich das multikulturelle und multiprofessionelle Team mit Problemen von Jugendlichen im und rund um den 20. Wiener Gemeindebezirk.
Anlässlich der problembehafteten Thematik hat FM5 mit Rahsan Cakir, die unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit bei "Back Bone" zuständig ist, gesprochen:
Kannst du kurz die Arbeit von „Back Bone“ beschreiben?
„Back Bone“ besteht aus einem Team von zwölf Personen, welches im 20. Bezirk mit Jugendlichen im öffentlichen Raum – sprich Jugendliche, die sich in Parks und Lokalen aufhalten – arbeitet. Diese suchen wir an diesen Orten auf bzw. haben wir auch in unserer Zentrale (Pöchlarnstraße 22, 1200 Wien) Journaldienste, an denen sie zu uns kommen können.
Gibt es bei den Jugendlichen, um die ihr euch kümmert, eine Altersgrenze?
Es gibt nicht wirklich eine Grenze. Wir haben zwar einen Rahmen, aber so lange sie sich jugendlich fühlen, sind sie unsere Zielgruppe.
Mit welchen Problemen kommen die Jugendlichen hauptsächlich zu euch?
Es ist ganz unterschiedlich. Also von "normalen" Sachen wie Schul-, Eltern-, Beziehungsproblemen, und so weiter, bis hin zu schwerwiegenderen Problemen, die ich hier nicht erwähnen möchte. Wir versuchen die Jugendlichen in ihren Stärken zu stärken. Weiters haben wir viele Ressourcen, welche die Jugendlichen nützen können. Wir entwickeln uns immer weiter und ich glaube, dass es eine tolle Sache für die Jugendlichen ist.
Euch gibt es bereits seit 1997. Hat sich die Situation seit dieser Zeit verbessert bzw. gibt es so etwas wie Erfolge?
Erfolge in diesem Bereich zu messen ist eher schwierig, aber wir sehen trotzdem unsere Arbeit als erfolgreich, in dem wir Jugendliche in ihren Werdegängen beobachten. Wir haben auch Jugendliche, die wir vor Jahren aufgefangen haben und die heute durch unsere Hilfe in verschiedenen Jugendzentren beschäftigt sind.
Jugendarbeitslosigkeit, insbesondere in der Stadt, ist ein großes Problem. Habt ihr die Möglichkeit, Arbeit zu vermitteln oder verweist ihr die Jugendlichen an das Arbeitsmarktservice?
Für mich ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es sind natürlich die Jugendlichen stärker betroffen, da die Lehrstellen immer weniger werden. Wir machen den Jugendlichen ihre Stärken bewusst, schreiben mit ihnen Lebensläufe und Bewerbungen, aber das Problem der Jugendarbeitslosigkeit können wir leider auch nicht lösen.
Was sind die Hauptprobleme der Jugendlichen, abgesehen von der Arbeitslosigkeit?
Dass sie nicht gehört und verstanden werden. Also, wenn sich die Jugendlichen im öffentlichen Raum bewegen, werden sie von den Anrainern als störend empfunden. Die Folgen sind Beschwerden bei den Behörden. Das wiederum verkrampft das Verhältnis der Jugendlichen zu den Erwachsenen - ergo entstehen Konflikte. Wir greifen hier ein und versuchen zu vermitteln
Jugendliche werden sehr wenig in die Zukunftsplanung miteinbezogen. Warum ist das so?
Ich glaube, dass hier die Politik und gewisse Systeme eine Rolle spielen. Wobei in den letzten Jahren versucht wurde, etwas zu verändern, beispielsweise der Versuch, das Wahlrecht mit 16 Jahren durchzusetzen. Wir sehen hierbei schon, dass sich die Politiker mehr mit Jugendlichen auseinandersetzten. Und trotzdem: Profitorientiert, wie es in unserer Gesellschaft üblich ist. Sobald Politiker und Geschäftsleute entdecken, dass hier etwas zu holen ist, bemühen sie sich auch um jene Zielgruppe.
Was würdest du an der Sozialpolitik Österreichs grundsätzlich ändern?
Die Jugendlichen sollten mehr in die Planung von Schulen, Parkanlagen und Wohnhäuser miteinbezogen werden. Es ist klar, wenn Erwachse ein Projekt für Jugendliche umsetzen, dass sie das vielleicht nicht so adäquat umsetzen können, als wenn Jugendliche mitgeplant hätten.
Bekommt ihr Subventionen vom Staat?
Ja, wir werden von der MA 13 gefördert.
Welche Zukunftspläne hat „Back Bone“?
Ein Projekt, welches realisiert wurde, sei hier noch erwähnt. Es handelt sich dabei um „Comm-U-Lab 2.0.“ Dieses Projekt ist aus „Back Bone“ heraus entstanden, und legt seinen Schwerpunkt auf neue Medien. Das Ganze wir von der EU und WAFF(Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds) gefördert und läuft jedoch in einem Jahr ab. Trotzdem versuchen wir diesen Schwerpunkt zu erhalten.
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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