2008-12-26 01:46:28
"Die Kunst des Ausruhens ist ein Teil der Kunst des Arbeitens." sagt J. S. und liefert einem somit eine Ausrede, die besser nicht sein könnte.
Das Geld wird knapp. Die Zeit sowieso. Nichts läuft mehr. Nur vor
einem auf dem Asphalt drei Tauben. Um den Backsteinglotz auf einer
Verkehrsinsel. Und dann kommt es einem: Die Zeit ist gar nicht knapp,
sie ist sogar ur lang, oder so.
Da man schöneres selten gesehen hat, setzt man sich und schaut es
noch zehn Mal an. Kunst kann so leise sein, denkt man. Und dann
flüstert einem W., dass Ruhe eine besonders verdächtige Form von Lärm
sei. Besonders verdächtig, aber trotzdem schön.
Während man zwei Wochen zuvor in der Hauptstadt, wo auch Frau M.
wohnt, auf der Suche nach einem Leuchter war, kam etwas
blau-gesprenkeltes in der eigenen Wohnung zum Vorschein. Ein gut
gewählter Zeitpunkt, dennoch verdächtig ruhig. Bis der Staubsauger
eingeschaltet wurde und Eduard seine letzte Ruhestätte fand. Lebendig begraben zwischen Spinneneiern.
Doch das ist lange her und mittlerweile kein Thema mehr. Blau-gesprenkelt ist so
over und dran gewöhnt hat sich sogar Frau C. Mittlerweile rebelliert
man lieber gegen dunkelgrünes Gemüse, obwohl man so wunderbar
Schlafstörungen damit bekämpfen könnte. Aber man muss mit der Zeit
gehen, eh klar. Anders geht's ja auch gar nicht.
Aber es ist doch immer so: Wenn man ein Thema abschließen kann, kommen die alten, aufgeschobenen wieder. Und man hat keine Wahl und wird im ärgsten Freudenrausch in die Realität gerissen, um zu sehen, dass auch die Traurigkeit mit der Zeit geht. Überall hin. Trotzdem ist man gut im Ausblenden und während man so überlebt, überlebt man zu viel. Zu viele.
Gut, dass es Schönheit gibt, auch wenn sie nur in Taubenform auftritt. Dann aber dreimal.
...und ich wär' hier so gerne zu hause,
denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.
Newsfeed von Christian Pausch abonnieren
gefällt
mir ur!
"zahnstocher charly? - noch nie von ihm gehört."
[antworten]