2009-03-25 20:28:42
Die Herzogin birgt mehr in sich als pompöse Kleider und Hochsteckfrisuren. Keira Knightley wird in Saul Dibbs Film zur Kämpferin für die eigene Freiheit.
Herzogin Georgiana von Devonshire war als Tochter der Lady Spencer eine direkte Vorfahrin von Lady Diana. Ein tragisches Schicksal verbindet die beiden Frauen. Unterkühlte Ehemänner, die zu Dreiecksbeziehungen verpflichten, der Ruf nach einem männlichen Thronfolger und kaum Rückhalt in der eigenen Familie. Nur Georgiana hat 200 Jahre vor Diana ihre eigene Rebellion entwickelt.
Das Leben einer leidenschaftlichen Frau
Amanda Foreman erhielt für ihre Biografie Georgianas den englischen Whitebread-Preis für Biografien. Das Werk trägt in der deutschen Übersetzung den fulminanten Titel Die Herzogin von Devonshire – Das Leben einer leidenschaftlichen Frau. Ein Schelm, wer jetzt an Trivialliteratur à la Rosamunde Pilcher denkt. Dennoch könnte Dibbs Die Herzogin genau aus einem solchen Werk entsprungen sein.
Dass Georgiana (Keira Knightley) anders, als andere Mädchen ihres Alters ist, zeigt ihre unschuldige Lust am Wetten. Die junge Frau gewinnt und erfährt wenige Augenblicke später, dass sie zukünftig die Herzogin von Devonshire sein wird. Die Freude über die scheinbare Liebe des Herzogs (Ralph Fiennes), den sie nur zweimal gesehen hat, ist groß.
Schnell kehrt die Realität zurück in das Leben von Dibbs Protagonistin. Das Interesse des Ehemanns gilt der Geburt eines sehnlich erwarteten Thronfolgers und seinen Mätressen. Ein uneheliches Kind wird in das Konstrukt Familie eingegliedert, die Geburt zweier eigener Töchter stellt den Herzog nicht zufrieden.
Barocke Emanzipation
Um dem Zwang, einen Sohn zu gebären, zu entfliehen, wird Georgiana politisch aktiv, führt ein Jet-Set leben im englischen Hochadel. Die Emanzipation gesteht ihr eine beste Freundin und die Affäre mit einem Jugendfreund (Dominic Cooper) zu. Doch ein Ausbruch aus dem goldenen Käfig gelingt ihr auch nach der Geburt des Erben nicht. Der Tisch wird mit der Geliebten des Mannes geteilt, einen eigenen Geliebten gönnt man ihr nicht.
Die Geschichte der Herzogin von Devonshire klingt moderner, als Regisseur Saul Dibbs sie zu inszenieren wagt. Hauptsächlich dominieren emotionale Ausbrüche und sexuelle Demütigungen den Film. Die wenigen Szenen, in denen es zu Annährungen zwischen Fiennes und Knightley kommt, zählen zu den dramaturgischen Höhen. Ralph Fiennes bekommt im psychologischen Kammerspiel zwischen den Ehepartnern zwar wenig Platz, verleiht seiner Figur jedoch bemerkenswerte Authentizität.
Vielleicht wäre es besser gewesen Die Herzogin politischer zu inszenieren, als sie in den Schatten von Prunkkleidern und Turmfrisuren zu stellen. Dem Abrutschen in den Sumpf des netten Kostümfilms mit historischem Anspruch hätte es auf jeden Fall geschadet.
Filmstart in Österreich am 24. April 2009
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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