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Sommer 04 - Ein Film von Stefan Krohmer

2007-04-02 00:15:35

Eine 12-Jährige sorgt durch ein scheinbares Liebesverhältnis mit einem 38-jährigen Amerikaner für Gefühlswirrungen in der Familie. Ein Psychodrama, das die Grenzen zwischen Moral, Schuld und Liebe beleuchtet.

Urlaub im Norden Deutschlands. Die 40-jährige Miriam (Matina Gedeck) verbringt zusammen mit ihrem Lebensgefährten Andre (Peter Davor), ihrem 15-jährigen Sohn Nils (Lukas Kotaranin) und dessen 12-jähriger Freundin Livia (Svea Lohde) die Sommerferien an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste.

Augenscheinlich
Zunächst läuft alles sehr idyllisch ab. Die Vier gehen zusammen Segeln, essen gemeinsam und genießen den Urlaub. Diese scheinbare Harmonie wird jedoch bald durch den Fremden Bill (Robert Seeliger) ins Wanken gebracht. Der gut aussehende 38-jährige Amerikaner freundet sich nämlich mit der frühreifen Livia an, was Miriam mit großer Besorgnis beobachtet.

Emotionales Dilemma
Miriam fühlt sich für das Mädchen verantwortlich, merkt aber gleichzeitig, dass sie ebenfalls Interesse an dem sportlichen Bill hat. Aus der anfänglichen Fürsorge entwickelt sich deshalb schon bald ein eigenartiges Konkurrenzverhältnis. Als Miriam schließlich eine Affäre mit ihm beginnt, weiß sie nicht mehr, ob sie das junge Mädchen aus Eifersucht oder um sie zu schützen von ihm fernzuhalten versucht. Sie verliert langsam die Kontrolle über ihre Gefühle und als ihr Bill schließlich die Liebe zur 12-Jährigen gesteht, ist das Chaos in Miriams Gefühlswirrungen perfekt. Sie schwebt zwischen Verachtung und Liebe zu Bill, zwischen Eifersucht und Verantwortung gegenüber Livia.

Innenleben
Das Thema des Psychodramas sind die Grenzen zwischen Moral, Schuld und Liebe in dem hauptsächlich die Gefühle der 40-jährigen Frau thematisiert werden. Den Regisseur Stefan Krohmer sowie den Drehbuchautor Daniel Nocke interessieren vor allem das Innenleben und dem Umgang mit der Situation der Hauptfigur:

„Wie soll eine Frau, die sich für das Mädchen verantwortlich fühlt, mit dem Verdacht umgehen? Welche Fragen stellt sie dem Mädchen, wie geht sie auf den Fremden zu? Und wie verändert sich das Bild, das sie von den anderen Figuren und von sich selbst hat?“ (Stefan Krohmer/Daniel Nocke)

Die Autoren versuchen bei der Beantwortung der Fragen, die Vorgänge nicht zu bewerten, sondern die Zuschauer selbst die Gelegenheit lassen, sich ein Bild der Situation zu machen.

Figurenzeichnung
Der Film wird als Charakterstudie beschrieben, wobei hier vor allem auf den Charakter von Miriam eingegangen wird. Die anderen Figuren bleiben relativ ungenau. Es fehlt das Gefühl, die Figuren von ihrem Charakter bzw. deren Gefühlen deuten zu können. Vor allem Miriams Mann Andre und deren Sohn Nils wirken zum Teil etwas teilnahmslos, gleichgültig und gefühlskalt. Es hat den Eindruck, dass jedes Mitglied der Familie vor sich hinlebt, eine wirklich starke Bindung ist nicht zu erkennen und auch die Kommunikation zwischen den Personen ist eher wortkarg. Die Figur der jungen „Lolita“ Livia wirkt durch das unbedarfte Verhalten der 12-Jährigen ein wenig unglaubwürdig. Ebenfalls scheint der Konkurrenzkampf zwischen der erwachsenen Frau und dem Kind etwas unecht.

Die Figur der Miriam ist im Vergleich zu den anderen Figuren aber sehr ausgetüftelt und glaubwürdig, die anderen Charaktere treten leider ziemlich in den Hintergrund. Miriam wird als eine selbstbewusste, gefestigte Frau und Mutter gezeichnet. Mit ihrem Mann führt sie eine Partnerschaft, die durchaus als harmonisch erlebt wird. Manches Mal hat man das Gefühl, die beiden Ehepartner begegnen einander etwas gleichgültig, weshalb die Affäre mit Bill bezogen auf ihren Mann keine große Sache zu sein scheint.
Die unpräzise Zeichnung der anderen Personen war jedoch vom Filmemacherteam durchaus beabsichtigt. Dadurch sollte die Fantasie der Zuschauer beflügelt werden und ein breiter Vorstellungsspielraum offen bleiben.

Der zweifache Grimme-Preisträger Stefan Krohmer arbeitet mit "Sommer 04" bereits zum sechsten Mal mit dem Drehbuchautor Daniel Nocke zusammen. 2003 feierten sie mit "Sie haben Knut" erfolgreich das Kinodebüt. "Sommer 04" feierte auf den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes seine Premiere und wurde von der nationalen und internationalen größtenteils Presse sehr poitiv aufgenommen.

Kinostart Österreich: 20.10.2006

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AutorInnen

Judith Drexler

Judith Drexler

Sorge dich nicht um das was kommen mag, weine nicht um das was vergeht, aber sorge, dich nicht selbst zu verlieren, und weine, wenn du dahintreibst im Strome der Zeit, ohne den Himmel in dir zu tragen. (Friedrich Schleiermacher)

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