2008-07-02 15:59:22
Regisseur Cédric Klapisch bereichert mit seinem neuen Film So ist Paris die französische Filmlandschaft. Er erzählt unkonventionell, charmant und taktvoll vom Leben in einer der schönsten Städte der Welt.
Pierre (Romain Duris) wird wahrscheinlich bald sterben. Noch
ist es nicht sicher, vielleicht hat er Glück und bekommt ein neues Herz. Um
nicht ständig über seine Zukunft nachdenken zu müssen, steht er am Balkon
seiner Pariser Wohnung und beobachtet die Menschen - ihr Leben, ihren Alltag.
Er überlegt sich Geschichten und sinniert darüber, wo sie hingehen, was sie tun
und wie sie fühlen. Seine Schwester Elise (Juliette Binoche) zieht mit ihren
Kindern zu ihm, um zu helfen. Doch auch sie hat ihre Probleme. Verlassen von
Männern, Schwierigkeiten im Job, irgendwie scheint alles schief zu laufen. Ihre
täglichen Einkäufe erledigt sie beim Marktstand um die Ecke, wo die Verkäufer
und Verkäuferinnen ein eigenes Leben mit eigenen Schwierigkeiten führen. Da ist
zum Beispiel ein Paar, das keines mehr ist, sich aber trotzdem zu schätzen weiß
oder der etwas übermütige Macho, der nie weiß, wann es genug ist. Auf der
anderen Seite der Stadt der Liebe kämpft ein alternder Universitätsprofessor um
die Gunst einer jungen Schönheit und muss dabei den Wandel der Zeit miterleben.
Auch sein Bruder kommt mit dem älter werden nicht gut zu Recht, obwohl er
eigentlich im Leben alles erreicht hat, was er jemals wollte. Doch das Leben
ist nicht immer einfach, ist voller Emotionen und komplizierter Ereignisse, mit
denen fertig zu werden für jeden eine Herausforderung ist.
Eine Stadt mit
Persönlichkeit
Regisseur Cédric Klapisch, der schon mit L’Auberge Espagnole sein Händchen für
die Wahrheiten des Lebens bewies, zeigt mit So
ist Paris einmal mehr, dass er die Fähigkeit besitzt in Menschen und ihre
Probleme hineinzusehen. Mit einer wunderbaren Besetzung, zu der nicht nur die
weltberühmte Juliette Binoche gehört, sondern auch der aus Odette Toulemonde bekannte Albert Dupontel und andere im französischen
Film nicht unbekannte Persönlichkeiten, erzählt Klapisch die Geschichten
verschiedener Menschen, ihrer Gefühle und Alltagsprobleme. Dabei wechselt er
zwischen den Bildern hin und her, schaut einmal in das eine Leben hinein,
einmal ins andere. Untereinander hängen die Personen manchmal, aber nicht immer
zusammen. Eines haben sie aber auf alle Fälle gemeinsam: sie leben in Paris. So
erzählt Klapisch nicht nur von Menschen, sondern auch von einer Stadt mit einer
starken Persönlichkeit, die sich aus all denen, die in ihr leben, zusammensetzt
und gleichzeitig in jedem von ihnen widerspiegelt.
Ohne Kitsch und
Übertreibung
Nicht einen Moment lang wirkt der Film banal oder
konventionell. Obwohl die Idee, von verschiedenen Leuten und ihrem Leben zu
erzählen, in der Filmgeschichte schon häufig vorgekommen ist, macht Klapisch auf
seine Weise etwas Neues daraus. Er erzählt vom Leben wie es ist, ohne Kitsch
und Umschweife, ohne Übertreibungen oder den Versuch mit Happy Ends und
Glücksmomenten das Publikum einzufangen. Stattdessen besinnt er sich auf die
Dinge, die jedem Menschen wichtig sind, mit denen jeder schon einmal zu kämpfen
hatte oder irgendwann einmal konfrontiert sein wird. Er spricht fröhliche, aber
auch traurige Themen an - Liebe und Tod, Kinder und Erwachsenwerden, Familie,
Sexualität, Bildung und Arbeit. Er erzählt von alltäglichen Dingen, ohne dabei
ins Alltägliche abzurutschen und ohne Schwarz-Weiß-Malerei thematisiert er die
komplizierten und manchmal unerklärlichen Gefühle von Menschen. Kurz gesagt, er
erzählt vom Leben in Paris, einer Stadt, die letztlich auch für jede andere
stehen könnte, aber trotzdem als Schauplatz wunderbar gewählt ist. Klapisch
zeigt die schönsten Plätze der Stadt, aber auch versteckte und umso
wundervollere Viertel. So ist Paris erzählt von einer der schönsten Metropolen der Welt, von Menschen, vom Leben
und seinen Problemen und ist dabei nie gewöhnlich oder einfallslos. So
bereichert er die französische Filmlandschaft um ein weiteres Stück
ausgezeichnetes Kino.
Kinostart: 18.
Juli 2008
Unfähig sich selbst zu beschreiben...
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