2007-04-02 00:12:39
10 Tage Urlaubsvergnügen verpackt in 4.370 Zeichen.
Eine ungriechische Odyssee
Der Interrail Rucksack ist gepackt mit Sommersachen, die in Wien schon lange keiner mehr tragen kann. Ich hab extra wenig Kleidung mitgenommen, denn Gepäckstücke gehen bekanntlich schnell verloren. Der Hinflug klappte ohne Hindernisse. Ein Wunder! Doch die Ankunft in Palermo sollte noch nicht so bald sein. Denn wer kennt das Problem mit den italienischen Verkehrmitteln nicht?
Es gibt zwar Fahrpläne, doch die stimmen eigentlich nie. Und im sonnigen Süden, noch dazu ist Sizilien eine autonome Region der Republik Italien, darf es natürlich noch etwas länger dauern. Irgendwann kam der voll gestopfte Bus. Noch gute zwei Stunden und wir waren in Palermo.
Das Essen
Als guter Tourist möchte man natürlich so viele Restaurants wie möglich testen und sich durch reichhaltige Speisekarten kosten. Wenn das aber nur mal so einfach wäre. Leider gibt es in normalen Restaurants nur 5seitige Speisekarten, davon zwei für Italiens Nationalgut. Allerdings schmeckt Pizza in kleinen, sich meist unscheinbar auf der Straße befindenden Lokalen viel besser. Und ist außerdem noch günstiger.
Interessant auch die Geschichte mit dem „Peroni“ Bier. Man möchte fast meinen, das Bier Italiens sei das „Birra Moretti“. Moretti findet man auf jeder Speisekarte, auch an der kleinsten Strandbude. Doch bestellt man Moretti, gibt es das höchst wahrscheinlich nicht einmal. Egal ob man darauf hingewiesen wird, oder auch nicht. Zum Tisch wird dann ein Peroni gebracht. Schmeckt zwar genauso gut, ist aber trotzdem recht eigenartig.
Der Verkehr
Staubige Straßen mit vielen Autos und Mopeds werden ungeniert über den Gehsteig gelenkt. Nirgends in Europa sieht man noch so viele Fiat Cinquecentos auf der Straße. Die Hupe ist der liebste Gebrauchgegenstand der Sizilianer. Nicht nur einmal wurde ich beim Überqueren der Straße angehupt. Nicht nur einmal fast von einem Moped angefahren. Ein wahrer Autozirkus findet sich in der sizilianischen Hauptstadt Palermo.
Genauso eng geht es in den Bussen zu. Das Ticket kostet einen Euro und gilt zwei Stunden lang. Ziemlich cool fand ich, bis mir eine Palermokennerin erklärte, dass es gar nicht so ungewöhnlich sei, zwei Stunden zu seinem Ziel zu brauchen. Die Busse selbst sind eigentlich ganz in Ordnung. Es gibt wenige Sitzplätze, umso mehr Stehplätze und je mehr Leute sich darin befinden, desto besser. Denn nur in einem richtig vollen Bus ist dieses echte Italienfeeling richtig spürbar.
Weniger voll, dafür viel unpünktlicher sind die Züge. Der neue Rekord: 400 Minuten Verspätung. Lustig auch die Leute in den Zügen, die scheinbar nicht wissen, wo die Züge halten. Oder die Zugführer, die einem verbieten aus dem Zug auszusteigen.
Il Mare
Neben kulturellen Schätzen ist es natürlich das Meer, das uns anzog. Wunderbar blaues Meer, klar und angenehm kühl, wie man es sich vorstellt. Von der italienischen Quallenplage war nicht viel zu bemerken und außerdem sind Wespen doch noch viel gemeiner als Quallen. Ich spreche aus Erfahrung - hütet euch vor den sizilianischen Wespen!
Kultur
In jeder winzigen Gasse steht eine Kirche. An jeder Hausecke eine kleine Marienstatute, geschmückt mit Kerzen und Gaben. Katholizismus hat in Sizilien die Vorherrschaft. Und auch Kulturfreaks finden in Sizilien was sie suchen.
Die Vorbesitzer unseres Appartements ließen uns einen holländischen Sizilien-Reiseführer da. Unsere Nachbesitzer werden denselben vorfinden, ich hoffe sie sprechen Holländisch.
Sag zum Abschied leise Servus.
Irgendwann geht jede Reise zu Ende. Der Wespenstich ist fast verheilt und die Reisegeldbörse gibt auch nicht mehr viel her. Schön wars. Doch um ehrlich zu sein, die Pizza aus dem „Charcora“ und der Wiener Grant sind schon eine wunderbare Sache. Und wer weiß, vielleicht wird der Herbst ja doch noch schön warm. Und wenn nicht - der nächste Sommer kommt bestimmt!
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
Newsfeed von Lena Fürnkranz abonnieren