2008-08-06 12:06:48
Wer 'Six Feet Under' schaut, der liebt die Fishers. Die unnachahmliche TV-Serie um eine Bestatterfamilie ging zwar nach fünf Staffeln schon zu Ende, bleibenden Eindruck hat sie trotzdem hinterlassen. Weitere Einblicke liefert das Buch zur Serie.
In fünf Staffeln liebt und leidet die Familie Fisher, wie es auf der Welt nun mal so üblich ist.
Und man fühlt mit, sieht sich selbst als Teil der Familie. 63 Folgen lang gehören die Charaktere zu einem selbst. Sie erfüllen das heimische Wohnzimmer mit skurrilen Todesfällen, energischen Wutausbrüchen, schönen Momenten und tiefer Traurigkeit, kurz: Mit Leben. Sie intrigieren, betrügen, feiern, lügen, lachen, weinen. Ganz alltägliche Dinge also.
Doch dann: Die letzte Folge der fünften und letzten Staffel. Aufregung. Bammel. Herzflattern.
Es wird ein Ende nehmen. Die Fishers und ich. Sie werden nicht mehr Teil meines Lebens sein, so übertrieben sich das auch anhört, zumindest wird es keine neuen Einsichten in deren Leben geben. Es verlangt einem einiges ab, sich die letzte Folge dieser außergewöhnlichen Serie anzusehen. Rotz und Wasser heult man da. Da gibt es keine Ausnahme.
Aber zurück zum Anfang.
Nathaniel Fisher, das Oberhaupt der Familie, verunglückt zu Weihnachten tödlich. Nate, der älteste Sohn, übernimmt kurze Zeit später die Arbeit seines Vaters und wird zusammen mit seinem schwulen Bruder David zum Bestatter.
Ein ganz normaler Job sieht anders aus.
When death is your business, what is your life?
Autor und Produzent Alan Ball hat die Gabe den Charakteren eine Vielschichtigkeit zu verleihen, die sowohl in höchsten Höhen als auch in tiefem Kummer und Verzweiflung zu überzeugen weiß.
Für die, die Six Feet Under schmerzlich vermissen (und das werden nicht wenige sein), stellt das liebevoll gestaltete Begleitbuch eine mehr als willkommene Bereicherung dar.
Es wird die Vergangenheit der Figuren veranschaulicht, unter anderem mit alten Photographien, privaten Briefen, einem Stammbaum der Angehörigen und Verwandten, Grußkarten aus früheren Tagen und Bildern des Hauses. Man kann zudem über die Aufsätze aus der Schullaufbahn der Fishers schmunzeln, in den Kurzgeschichten von Claire schmökern oder in die ersten Kapitel von Brendas Roman eintauchen, in denen das Thema Sex großräumig eingeklammert wird. Über 60 Jahre werden in dem Buch abgehandelt, von 1941 bis 2003, was zeitlich bei der dritten TV-Staffel einzuordnen wäre.
It’s all over now
Wie Nathaniel Fisher im Laufe der Serie noch in den Gedanken seiner Familie herumspuckt, so bleibt auch Six Feet Under in den zahlreichen Köpfen seiner treuen Anhänger erhalten. Wenn das keine hervorragende Allegorie ist.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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