2008-08-26 09:34:10
Operette sich wer kann.
"Die Oper ist unmodern, alles schon tot!"
Mit diesen Worten begrüßt Chanteuse Annette Postel ihr Publikum im Theater am Spittelberg, um dann sofort zu beweisen, dass dem doch nicht so ist. Denn die Oper kann auch Spaß machen, oder Spa-ha-ha-ha-ha-ha-haß.
Früher, so erzählt die Opernparodistin, wurden die Sänger nämlich pro Silbe bezahlt. Und um für ein Wort wie "Verführer" nicht nur drei Gulden abzustauben, wurden Kolleraturen erfunden. Man konnte Wörter beliebig in die Länge ziehen und somit ordentlich abcashen.
Annette Postel zeigt es vor und macht aus "schwach" kurzerhand ein "scha-wa-ha-ha-hach" oder Ähnliches. Unterstützt wird sie von Klaus Webel am Piano, der ihr in Sachen Komik in nichts nachsteht. Ein köstliches Duo, die beiden.
Warum Oper?
Weshalb sie immer schon Opernsängerin werden wollte, erklärt sie auch: Eine vollgeräumte Dachkammer, Eisblumen am Fenster, eine leere Weinkiste aus Plastik und die zehnte Mahnung im Briefkasten, dass man das rostige Fahrrad endlich bezahlen soll, war früher Postels romantische Vorstellung vom Opernstar-Dasein.
Hergezogen wird über alle, die im Opernbetrieb tätig sind. Die überheblichen Tenore - "Der Tenor - neben ihm sind alle nur Dekor" - oder die mannsgeilen Soubretten. Klischees werden hier auf charmante Weise aufgerollt und fast sogar bestätigt.
"Wie wechselt eine Sopranistin eine Glühbirne aus? - Sie hebt sie hoch und wartet bis sich die Welt um sie herum dreht", erzählt Klaus Webel in einem der kurzen Momente in denen die Diva schweigt.
Großartige Aufführung.
Annette Postel ist eine wunderbare Kabarettistin und nebenbei hat sie auch noch eine umwerfende Stimme. Der schlimme Gedanke, eine Vorstellung in der Oper könnte gähnend langweilig werden, wurde hier zu Nichte gemacht. Auch Oper kann witzig sein.
Denn: Wo kann ein Mann eine Frau umbringen, nur weil sie ihr Taschentuch verlegt hat? Wo erkennt die Ehefrau den eigenen Mann nicht, nur weil er sich einen Bart aufgeklebt hat? Und wo sind alle Menschen entweder nicht ernst zu nehmen, vergeben oder ermordet?
Genau: In der Oper.
...und ich wär' hier so gerne zu hause,
denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.
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