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Silent Prayers, Dust and Chimes

2008-03-02 19:58:52

  • Festival Black maximum
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Six Organs of Admittance und der fröhliche Eklektizismus der neuen, seltsamen Psychedeliker

Ben Chasny, einzige Konstante des Line-Ups der seit nunmehr einem Jahrzehnt aktiven Six Organs of Admittance, ist seit Jahren eine Schlüsselfigur jener seltsamen (oder auch nicht-so-seltsamen) Ansammlung (oder eben auch nicht-Ansammlung) von musizierenden Amerikanerinnen und Amerikanern, die hier und da gerne mal als „New Weird America“, „Free Folk“-Szene oder ähnliches bezeichnet wird. Einerseits zeigt sich bei seiner Musik ein Rückgriff oder Bezug auf verschiedenste Traditionen amerikanischer Musik, wie beispielsweise die Musik des einflussreichen Instrumental-Gitarren-Innovators John Fahey oder der von Chasny gecoverte und „wiederentdeckte“ Gary Higgins.

Kontext und Kontakte

Gleichzeitig lässt sich Chasnys Musik nur schwer auf „Folk“ und Einflüsse aus seinem Heimatland reduzieren: Hört man sich seine Aufnahmen als Six Organs of Admittance an, so lassen gewisse Elemente durchaus an Folk-Musik und viele der unzähligen Konnotationen dieses Begriffs denken, aber selbst ein Album wie das schlicht wunderschöne School of the Flower (2005), das einige von Chasnys zugänglichsten Kompositionen im Stile diverser Folk-Barden bietet, wartet mit verunsichernden Drones oder dem unvorhersehbaren Schlagzeugspiel des (im Moment übrigens mit Björk tourenden) Free Jazz-/Noise-Talents Chris Corsano auf. Gerade solche dröhnenden, repetitiven, das Liedformat mal durch steigende Spannung unterstützenden, mal auflösenden Elemente machten aus Dark Noontide (2002) ein besonders spannendes und tiefgehendes Hörerlebnis und stützten auf The Sun Awakens (2006) ein überraschendes Kontrasterlebnis zwischen fast schon an düstere Western-Soundtracks gemahnenden Liedern einerseits und dem mehr als zwanzigminütigen River of Transfiguration andererseits, auf dem Al Cisneros, Bassist des extatisch-minimalistischen Metal-Duos Om, allerlei Gerumpel beisteuerte.

Ebenso wie andere dem „New Weird America“ zugeordnete Kunstschaffende (beispielsweise Charalambides oder Sunburned Hand of the Man) finden sich in Chasnys Arbeit außerdem allerlei Verbindungen ins nähere oder entferntere Ausland, beispielsweise nach Großbritannien oder auch nach Japan. So hat er sich unter anderem in den letzten Jahren sowohl im Studio als auch auf der Bühne als Mitglied von David Tibets Current 93 betätigt oder mit dem auch als L bekannten Japaner Hiroyuki Usui (für dessen wiederveröffentlichten Klassiker Holy Letters Chasny auch neue Liner Notes geschrieben hat) per Post Aufnahmen ausgetauscht, die schließlich zur Veröffentlichung eines gemeinsamen Albums als August Born führten. Tibet war es auch, auf dessen Einladung hin Six Organs Of Admittance bereits letztes Jahr ein kurzes, dafür aber umso intensiveres Konzert beim Donaufestival in Krems gaben.

„Shelter from the Ash“

Fügt man zu all diesen Bausteinen auch noch Chasnys Mitwirken in verschiedensten Projekten wie Badgerlore (unter anderem mit aktuellen und ehemaligen Mitgliedern von Gruppen wie Charalambides und Deerhoof), den wild rockenden Comets Of Fire oder auch schon einmal der Live-Band von jedermanns und -fraus seltsamen Lieblings-Country-Heroen, Bonnie „Prince“ Billy, hinzu, zeigt sich das Bild eines Musikers, der – ähnlich wie viele andere Künstlerinnen und Künstler in seinem musikalischen Umfeld – einerseits einem faszinierenden musikalischen Eklektizismus fröhnt, andererseits all dies in seine eigene Musik einfließen lässt, ohne dass diese ihre eindeutige Erkennbarkeit verloren hat: Sowohl sein melodisch den amerikanischen Westen wie auch allerlei „orientalische“ Melodieformen evozierendes Gitarrenspiel als auch seine leicht entrückt-klagende, manchmal auch düster gelegte Stimme finden sich auch im stärker Song-orientierten Kontext des aktuellen Albums Shelter from the Ash, für das Elisa Ambrogio von den grandiosen Magik Markers, mit denen Chasny ebenfalls bereits auf Tour gewesen ist, Gesang und elektrische Gitarre beisteuerte.

Ambrogios Band, demnächst übrigens beim Donaufestival zu sehen, ist für ihre intensiven Noise-Rock-Konzerte bekannt; entsprechende Electric Destruction Guitar findet sich dementsprechend auch auf den neueren Exkursionen der Six Organs, vielleicht noch eher im Kontext ihrer Live-Shows als auf CD (und natürlich Vinyl- oder gar CD-Rs, Medien, die von diesen weit verzweigten Folkies und Noiseniks besonders gern benutzt und (wieder-)entdeckt warden). Shelter from the Ash dürfte als besonders reifes und komplettes Album wohl auch ein guter Einstieg für jene sein, die (im Gegensatz zum sich im Exil befindenden Autor) den Auftritt beim Maximum Black-Festival am Donnerstag genießen durften. Und für jene, die diesen versäumt haben, wird es dieses Jahr offenbar noch weitere Möglichkeiten geben, Six Organs of Admittance live zu erleben – die Planet Music-Website erwähnt ein Wien-Konzert am 18. Mai, und am Tag davor steht ein Auftritt im Kino Ebensee auf der Tagesordnung.

Dieser Artikel wurde von Maximilian Spiegel verfasst, die Fotos stammen von Christian Stipkovits. 

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AutorInnen

Maximilian Spiegel (Gastautor)



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