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2007-10-24 23:15:40

  • Nashorn1 Spielraum2
  • Nashorn1 Spielraum3

Michael Schefts zeigt in seiner beeindruckenden Inszenierung „Die Nashörner“ nach dem absurden Theaterstück von Eugène Ionesco im Theater SPIELRAUM den Wandel der Menschheit in Nashörner.

Wenn der Nachbar plötzlich zum schnaubenden Unpaarhufer wird, dann sollte man mit Bedacht handeln. Protagonist Behringer ist gerade dabei sein Leben zu verändern. Weg vom Alkohol und hin zu Kunst und Kultur. Doch gleichzeitig geschieht eine Wandlung in der Menschheit. Nashörner trampeln durch die Straßen und hinterlassen mutwillige Zerstörung. Die Stadt hat schon lange keinen Tierpark mehr. Wohin mit den Tieren, wohin mit den Menschen?

Von Nashörnern und Menschen

Rhinocéros, wie das Stück im Originaltitel heißt, wurde 1959 in Düsseldorf uraufgeführt. Bereits zwei Jahre davor erschein Ionescos Erzählung in Frankreich. Sie ist die Reaktion des Autors auf den - während des Algerienkrieges aufkommenden -  Patriotismus und Rassismus in Frankreich.
Er bearbeitete schließlich seinen Text, übernahm Personen und veränderte die ursprüngliche Handlung leicht. Daraus entwickelte sich das Stück Die Nashörner. Die Wahl von Charles de Gaulle, dem Begründer der „Fünften Republik“, war diesmal Ausgangspunkt von Ionescos Schreiben.

Einer für alle, alle gegen einen?

Behringers (Udo Freitag) Wunsch ein besserer Mensch zu werden, geht mit dem Wunsch der Menschheit hin zu tierischen Verhältnissen konform. Als es selbst Behringers Mentor Hans (Martin Schlager) schnaubend nach grünen Wiesen gelüstet, scheint es vorbei mit den Idealen der Menschheit. Der Protagonist erlebt die Wandlung Hansens vom Mensch zum Nashorn. Gesicht und Hände werden langsam mit weißer Paste bedeckt. Der Mann beginnt zu schnauben und zieht laufend immer engere Kreise um Behringer.
Wundersam geschieht im Laufe des Stückes eine Metamorphose der Schlüsselfigur. Udo Freitag zeigt einen unsicheren Mitläufer, der langsam zum selbstsicheren Individuum, dem letzten seiner Art, wird.

Spiel auf minimalem Raum

Schwarz und Weiß sind die dominanten Farben in Schefts Inszenierung (Bühnenbild und Ausstattung von Jan Gronczewski). Auf dem schwarzen Bühnenboden wird mit weißen Holzstangen ein Quadrat gebildet. Vier weiße Leuchtröhren bilden die Ecken. Eine Kreide hilft, die sich immer wieder verändernden Grenzen zu markieren. Die Kleidung der Schauspieler ist zur Gänze in schwarz gehalten. Mit der Verwandlung zum Nashorn wird das Gesicht durch eine weiße Maske verhüllt.
Die sieben agierenden Personen sind fast immer auf der Bühne zu sehen. Sprechen sie nicht miteinander, sind sie dennoch Teil einer beeindruckenden Choreografie. Besonders die letzte Szene des Stückes, in der Behring mit sich selbst und dem Wunsch, auch einer von den anderen zu werden, kämpft, besticht durch ein herausragendes Zusammenspiel aller Schauspieler.


Spieltage: 23. Oktober bis 24. November, Dienstag bis Samstag, 19.30 h

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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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