2008-12-10 11:48:38
Kaufen, was das Zeug hält. Der Terror hat einen Namen: Shopping, nein: Christmas Shopping. Motto: Buy or Die!
Links, rechts, ausweichen, wieder rechts, noch mal links, mal geradeaus, stopp! Am hehren Ziel angekommen, endlich: Shopping Mall, die heilige. Und zum zweiten Mal: Ausweichen, rechts, dann links, rechts, zur Abwechslung geradeaus.
Flagship-Store, zum halben Preis, SALE, im Angebot. Heute billig, morgen teuer. Wenn der Terror namens Weihnachtskonsum in der von einer Finanzkrise ins Straucheln gebrachten westlich-kapitalistischen Hemisphäre Einzug hält, geht es in der Kälte heiß her: Aufgebrachte Menschenmassen boxen sich durch diverse Kaufhauspaläste und beweisen so ihre christlich-soziale Barmherzigkeit. Wir wissen: Konsum tut – gerade in Zeiten wie diesen! – der Wirtschaft gut und geht's der Wirtschaft gut, geht's uns allen gut.
Links, rechts, ausweichen, wieder rechts, noch mal links, mal geradeaus, stopp! Am hehren Ziel angekommen, endlich: Shopping Mall, die heilige. Und zum zweiten Mal: Ausweichen, rechts, dann links, rechts, zur Abwechslung geradeaus.
An der konsumtechnischen Standhaftigkeit, dem zweiten vorweihnachtlichen Standbein neben einer gerne öffentlich zur Schau gestellten Spendenfreudigkeit („Ist da jemand? Ich will Licht ins Dunkel!“), muss also nicht gezweifelt werden. Landstraße, Mariahilferstraße, Getreidegasse. Mehr Beispiele gefällig?
Links, rechts, ausweichen, wieder rechts, noch mal links, mal geradeaus, stopp! Am hehren Ziel angekommen, endlich: Shopping Mall, die heilige. Und zum zweiten Mal: Ausweichen, rechts, dann links, rechts, zur Abwechslung geradeaus.
Sind wir uns doch ehrlich: Dieses Weihnachten 2008 steht unter einem ganz anderen Stern, angesichts des Finanzcrashs mutet jedwede Kaufaggression sonderbar an. Zumal sich der ökonomische Laie in der stressig wirkenden Menschentraube, schwitzend, weil von Store zu Store hetzend, wundert und staunt: Woher haben die alle ihr Geld? Wo kommen die Moneten her? War da gestern nicht ein bedrückender Gesichtsausdruck, berechtigter Anlass zur Sorge? Aber, es weihnachtet sehr, alles vergessen.
Links, rechts, ausweichen, wieder rechts, noch mal links, mal geradeaus, stopp! Am hehren Ziel angekommen, endlich: Shopping Mall, die heilige. Und zum zweiten Mal: Ausweichen, rechts, dann links, rechts, zur Abwechslung geradeaus.
Stressige Adventzeit, ruhigste Zeit des Jahres, Näherrücken, christliches Abendland, Werteverfall, Konsumwahnsinn, schrecklich, was aus Weihnachten geworden ist, früher als es noch Schilling gab.
Links, rechts, ausweichen, wieder rechts, noch mal links, mal geradeaus, stopp! Am hehren Ziel angekommen, endlich: Shopping Mall, die heilige. Und zum zweiten Mal: Ausweichen, rechts, dann links, rechts, zur Abwechslung geradeaus.
Ach was: Shopping ist herrlich! Nämlich nicht nur im letzten Monat des Jahres, sondern immer. Und überall.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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