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Sex und all die anderen Drogen

2007-04-02 00:11:25

Der charmante und stets auf Glamour bedachte Chris Corner veröffentlicht dieser Tage sein mit „The Alternative“ betiteltes und zweites Soloalbum.

Sex und all die anderen Drogen
Der charmante und stets auf Glamour bedachte Chris Corner veröffentlicht dieser Tage sein mit „The Alternative“ betiteltes und zweites Soloalbum.

Um dem Artikel vorweg etwas an Hochdruck zu nehmen: Chris Corner erfindet sich auf seinem am 28.04 erscheinenden Soloalbum keineswegs neu. Wozu auch?! Denn die Fangemeinde, die sich der androgyne Glamour-Boy mit seinem Mischmasch aus Schmusepop, Herzensrock und durchaus tanzbarer Clubmusik in den letzten Jahren erspielt hat, ist beträchtlich – zumindest auf österreichischem Boden.

Bekannt geworden ist er als Sänger der britischen Formation Sneaker Pimps. Dort klatschte der Schöngeist die zuvor agierende Kelli Dayton am Mikro ab und verrenkte sich rund vier Jahre und zwei Alben lang für diese Band. Seit dem am Nuke Festival absolvierten letzten Auftritt, widmen sich die Mitglieder nun Wichtigerem – nämlich ihren Soloprojekten und versuchen damit – so gut es geht – die nötigen Brötchen zu verdienen.

Chris Corner´s Soloprojekt nennt sich etwas kryptisch IAMX. Unter diesem Namen veröffentlichte er im Jahre 2004 sein mit „Kiss And Swallow“ betiteltes Debütalbum. Dieses verkaufte sich dann auch mehr recht als schlecht. Verantwortlich dafür war wohl die durchaus laszive und beinahe nicht mehr ganz jugendfreie Live-Performance. Diese zog eine Unmenge an Schaulustigen an. Gespielt wurde beinahe in jedem einschlägig vorbelasteten Club in Österreich. Würde man die Auftritte aufsummieren, hat sich Chris Corner schon rund 15 Mal (Hausnummer!) nach Österreich verirrt. Mit dieser Präsenz machte er dem zweiten Österreich-Liebling und Wirrkopf Adam Green in der Saison 2004/05 starke Konkurrenz.


Chris Corner und Sue Denim beim ernsten und lasziven Grimassenspiel
Foto: Radeq Brousil

Einsame Männer und weinende Streicher
Nun schießt Herr Corner sein zweites Soloalbum aus der schmalen Hüfte. „The Alternative“ heißt es und wird ab 28. April in den heimischen Läden stehen. Auf diesem beschränkt sich der nun in Berlin lebende Corner wieder einmal vornehmlich auf die schon oftmals angewandten und mit der Zeit etwas altbackenen, weil zu ähnlich klingenden Stilmittel: Ein mittels Laptop erzeugter, immer wieder kehrender und oftmals unrund laufender Beat, eine an sich zum Niederknien zwingende Melodie und die um Erlösung bettelnde Stimme, die partiell üppig mit viel Hall angereichert wird. Die in den Songs abgehandelten zentralen Thematiken wie Sex, Drogen und der Liebe kommen auch auf „The Alternative“ zur Sprache.

Im Eröffnungssong ist ein Herzschlag-Bass, ein in Richtung verstimmte Tuba geschraubter Sound und ein Dreifinger-Klavier zu vernehmen. Darauf erhebt er seine ständig im Bereich zum Ausbruch angesiedelte Stimme und singt inbrünstig für all die lonely boys da draußen.
Was langsam beginnt, erreicht mit „Nightlife“ seinen ersten Höhepunkt. Dabei wird mit einem kratzigen und vorwärts treibenden Beat das nächtliche Treiben eingeläutet, um sich dann die Frage zu stellen, wie man denn zum Teufel das Nachtleben überleben soll? Die Antwort auf diese lebenswichtige Frage gibt Corner dann einige Minuten später – und zwar im Song „After Every Party I Die“. Dabei wird gemeinsam mit der ihm auch live stets zur Seite stehenden – und mit einem verrauchten Engelsgesang gesegneten – Sue Denim der bittere Scheintod gestorben. Diese mit einem messerscharf geschnittenen Pony ausgestattete und live gerne mit nuttigem Outfit auf der Bühne herumturnende Blondine ist weiters auch die eine Hälfte des Powerfrauen-Duos Robots In Disguise.

Zurück zum Album: Bei „Bring Me Back A Dog“ wird ein tonnenschweres Monster-Gitarren-Riff ausgepackt und mit einem hypernervösen Beat das Höllenfeuer geschürt. Diese pulsierende Hektik wird im darauf folgenden „S.H.E“, ein mit weinenden Streichern und schwelgendem Klavier angereicherter Schmusesong, in eine allumfassende Ruhe aufgelöst.

Mit „The Alternative“ gelingt dem sich gerne selbst im Mittelpunkt sehenden und knapp an der Grenze zur Überheblichkeit angesiedelten Chris Corner ein weiteres Werk in der Kategorie „Zucker-Pop“. Dabei wird dem alles verklebenden Kitsch noch gerade rechtzeitig der Rücken gekehrt. Das einzige was man Chris Corner vorwerfen könnte, sind die von ihm immer wieder eingesetzten und etwas verbrauchten musikalischen wie thematischen Ingredienzien. Alt bewährt, aber noch immer sympathisch!

Gewinnspiel:
Die Gewinner wurden  bereits per E-Mail verständigt. Danke für die zahlreiche Teilnahme!

IAMX on Tour:

25.04. – Salzburg/Rockhouse
26.04. – Graz/PPC
28.04. – Wien/Flex
24.05. – Aflenz/Sublime
25.05. – Linz/Posthof
26.05. – Innsbruck/Treibhaus
27.05. – Kleinreifling/Seewiesenfestival



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AutorInnen

Marco Weise

Marco Weise

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