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Serie: Kurt Tucholsky – Einleitung

2007-04-09 10:59:42

  • Kurt Tucholsky Paris
  • Kurt Tucholsky

Hiermit startet FM5 eine Serie die dem Journalisten und Satiriker Kurt Tucholsky (1890-1935) gewidmet ist. Jedes Monat wird einer seiner Texte veröffentlicht. Den Anfang macht diese Einleitung mit biografischen Informationen und Quellenhinweisen.

Mehr als siebzig Jahre nach seinem Tod startet FM5 eine Serie über den bedeudentsten Publizisten der Weimarer Republik: Kurt Tucholsky (1890-1935). Der Grund dafür ist einfach: seine Texte sind nicht nur hellsichtige Zeitzeugenberichte sondern auch sprachlich noch immer eindrucksvoll.
Jedes Monat wird im Rahmen der Kurt Tucholsky-Serie auf FM5 deshalb einer seiner Texte veröffentlicht.

Wer war Kurt Tucholsky?

Bereits mit 17 veröffentlichte er seinen ersten Text und stieg in der Folge zum erfolgreichsten Publizisten der Zwischenkriegszeit ind Deutschland auf. Den Großteil seiner Werke veröffentlichte er in der Zeitschrift „Schaubühne“ (später „Weltbühne“). Bis auf wenige Ausnahmen (z.B. die Erzählung Schloß Gripsholm) schrieb Tucholsky hauptsächlich kurze, journalistische Texte aber auch Gedichte.
In Deutschland hielt es Tucholsky nicht lange. Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges, den er als Feldzeitungs-Redakteur überstand, war Deutschland zwar formal eine Demokratie. Doch die faschistischen Tendenzen waren für den aufmerksamen Tucholsky unübersehbar.

Politisches

Mit seinem ganzen journalistischen Gewicht warf er sich in den Kampf für die junge Republik. Undemokratische Zustände in Justiz und Militär deckte er gnadenlos auf. Auch die Unfähigkeit der Regierung kritisierte er: „Diese Regierung regiert nur, weil die Leute zu müde sind, sie davonzujagen.“
Doch Tucholsky merkte, dass die Zeichen der Zeit gegen ihn standen. „Nichts ist schwerer und erfordert mehr Charakter, als sich in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und zu sagen: Nein!“ Immer mehr begann er sich von Deutschland zu entfernen – auch geografisch. Als Korrespondent für die Weltbühne ging er 1924 nach Paris.

Tucholsky und Parteipoltik 

Der Parteipolitik stand Tucholsky stets skeptisch gegenüber, auch wenn er kurzzeitig Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands war und später den Kommunisten nahe stand. Für die Nazis war er deshalb, und wegen seiner jüdischen Herkunft, ein perfektes Feindbild. 1930 zog Tucholsky nach Schweden. Er hatte bereits erkannt, dass er zwar Erfolg aber keinerlei Wirkung gehabt hatte, wie er selbst meinte. 1933 trat ein was Kurt Tucholsky immer befürchtet hatte: die Nationalsozialisten gelangten an die Macht. Er wurde ausgebürgert, seine Bücher verbrannt und die Weltbühne verboten. Tucholsky resignierte: „Daß unsere Welt in Deutschland zu existieren aufgehört hat, brauche ich Ihnen wohl nicht zu sagen. Und daher: Werde ich erst amal das Maul halten. Gegen einen Ozean pfeift man nicht an.“, schrieb er einem Freund.

Resignation und Tod 

Selbst dem genialen Satiriker und scharfsinnigen Beobachter Tucholsky, der die Katastrophe seit langem kommen sah, war es nicht gelungen sie aufzuhalten. Tucholsky verstummte. „Deutschland -? Schweigen und vorübergehen“ notierte er. Auch den kommenden Krieg sah er voraus: „Die Bourgeoisien aller Länder sind an der kommenden Aufrüstung viel zu interessiert; sie werden Deutschland nicht hindern, diesen Krieg vorzubereiten. Im Gegenteil.“
1935 beging Kurt Tucholsky im schwedischen Exil, nach langer Krankheit, vermutlich Selbstmord mit Schlaftabletten, auch wenn eine unbeabsichtigte Überdosis nicht ausgeschlossen ist. Zum Thema Tod hatte er einmal geschrieben: „Wenn ich jetzt sterben müßte, würde ich sagen: 'Das war alles?' - Und: 'Ich habe es nicht so richtig verstanden.' Und: 'Es war ein bißchen laut.'“

Tucholskys Sprache

Neben dem politischen und kulturellen Scharfsinns sind Tucholskys Texte vor allem wegen ihrer Sprache lesenswert. Seine meist kurzen Texte sind an Bildhaftigkeit und Rhythmus kaum zu übertreffen. Manchmal im atemlosen Stil, mit klingenden Wörtern aus dem Berliner oder norddeutschen Dialekt bediente er sich der vollen Palette der Satzzeichen: Bindestrich, Doppelpunkt und Strichpunkt finden sich immer wieder und schaffen oft abrupte Tempowechsel.
Dazu eine eher kurze Satzlänge und die daraus folgende Gabe Gedanken viel unmittelbarer in Text dazustellen. Insgesamt ein gnadenloser Sprachkönner und Satiriker. Nicht umsonst schrieb der „Blut und Boden“-Germanist Joseph Nader 1941: „Kein Volk dieser Erde ist jemals in seiner eigenen Sprache so geschmäht worden wie das deutsche durch Tucholsky.“

Anleitung zur Serie

Da Tucholsky bereits seit mehr als 70 Jahren tot ist, unterliegen seine Werke keinem Urheberrecht mehr. Viele seiner Texte sind deshalb frei im Internet verfügbar, auch wenn einige Seiten es als neuen Urheberakt betrachten die Texte mit HTML zu formatieren und ein erneuertes Urheberrecht auf ihre Fassung erheben.
Aus der Menge an Texten die Tucholsky geschrieben hat, werden wir besonders wichtige, charakteristische oder bekannte auswählen und hier auf FM5 veröffentlichen.

Für Fleißige

Wer sich daneben selbst noch mit Tucholsky beschäftigen will dem seien folgende Hinweise hoffentlich Hilfe:
Eine gute und ausführliche Biografie findet sich auf Wikipedia. Wem das nicht reicht, dem sei das Buch von Michael Hepp: „Kurt Tucholsky. Rowohlt, Reinbek 1993, 1999“ empfohlen. Und wers noch ausführlicher mag der kann zu „Kurt Tucholsky Biografische Annäherungen, Reinbek 1998“ greifen.
Das Werk Tucholskys eröffnet sich auf vielen Wegen. Neben den zahlreichen Sammelbänden und „Schloß Gripsholm“ und „Rheinsberg“ die als Einzelbände erhältlich sind gibt es zwei Werkausgaben zu Tucholsky: Erstens eine Gesamtausgabe mit sämtlichen Texten und Briefen in 22 Bänden. Daneben die Gesammelten Werke in 10 Bänden, die durch ihr geringen Preis (49€ bei Amazon) bestechen. Wer Glück hat findet sie in Antiquariaten und auf Flohmärkte für ca. 20€ (zuletzt gesehen am NIG-Bücherflohmarkt). Für die meisten Interessierten dürften die zehn Bände genügend Lesestoff bieten.

Zum Schluss

Abschließend sei noch gesagt, dass weder Dauer noch Textauswahl der Serie bereits feststehen. Für Vorschläge und Anregungen sowie für Fragen stehe ich daher gerne zur Verfügung.

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AutorInnen

Martin Bartenberger

Martin Bartenberger

Ich mag mein Studium (Politikwissenschaft), Tiere, die Wiener Außenbezirke und gutes Essen (Tiere). Mitglied des FM5-Kletterteams.

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