2007-04-02 00:11:24
Das aus New York stammende Quintett Clap Your Hands Say Yeah rückt sich mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum ganz ohne Hardcore-Promotion in den Mittelpunkt des Geschehens.
Hier haben wir es mit einem Phänomen zu tun, das seinen Ursprung im Punk und Hardcore der 70er Jahre hat und im Laufe der Zeit eher im Untergrund verkümmert ist. Nun wird es wiederbelebt. Die Rede ist vom DIY, sprich Do It Yourself. Verantwortlich für diese, für Rock- und Popbands eher unübliche Einstellung, sind die beiden Vermarktungsstrategien der aus England stammenden Arctic Monkeys und den weit aus sanftmütigeren Clap Your Hands Say Yeah.
Letztere haben mittels Mundpropaganda und Selbstvermarktung im Internet ganz ohne bezahlte Promotion zig Platten an den Mann/die Frau gebracht. Dabei wurde und wird der für Bands immer wichtiger werdende Kontakt zu den Fans gesucht. Das aus Brooklyn, New York City, stammende Quintett hat dafür unter anderem die stetig an Beliebtheit zunehmende Selbstdarstellungsseite MySpace gewählt. Dass sich dieser Schritt durchaus bezahlt gemacht hat, beweisen die über 75.000 Besucher ihres Profils.

Handarbeit…
Nun ist das selbstbetitelte Debüt auch offiziell in den heimischen Läden erhältlich. Bestellen kann man sich dieses aber schon seit längerem über einen Internet-Onlinestore. Anfänglich wurden die Alben noch von den Bandmitgliedern per Hand verpackt und zum Postamt befördert, von wo aus sie in alle Herren Länder verteilt wurden. Heute wäre diese Arbeit unmöglich, da die Nachfrage einfach zu groß ist. Und außerdem hat man ja Wichtigeres zu tun – nämlich Musik machen.
Für diese ist größtenteils der Kopf und Sänger der Formation – Alec Ounsworth – verantwortlich. Dieser reißt so gut wie jede Verantwortung an sich: Er schreibt die Songs, bittet die Band zur Probe und regelt das ganze Rundherum. Mit einer One-Man-Show hat man es hier trotzdem nicht zu tun. Unterstützung erhält Ounsworth bei der Umsetzung von großen Gefühlen in Melodien von seinen Bandkollegen. Dies geschieht mittels Schlagzeug, Bass, Orgel, Glockenspiel, Leierorgel – und wenn der Meister es will, wird auch beherzt in die Hände geklatscht.
…die auf Leidenschaft basiert
Die Songs klingen, als würden sie aus dem Herzen von Ounsworth geschnitzt sein. Dabei vermischen sich Pop, Rock und Folk zu einem übergeordneten und für sich alleine stehenden Ganzen. Angereicht werden die durchdachten Arrangements mit überschwänglichen Ahs und Ohs, die hierbei keineswegs zur Füllung der Songs eingesetzt werden, sondern ganz willkürlich aus den Mündern der Bandmitglieder entweichen - so, als würde es vor lauter Leidenschaft einfach passieren.
Dazu gesellt sich die klaustrophobisch-raunzende und sanftmütig aus der Nase geschnäuzte Stimme von Berufsmelancholiker Ounswourth. Das klingt in etwa so, als hätte David Byrne (Talking Heads) die ganze Nacht in einer Bar mit einer Flasche Hochprozentigem gekuschelt und dann beim Heimgehen noch schnell im Studio vorbei geschaut, um die Songs einzusingen. Herrlich!
Clap Your Hands Say Yeah vermitteln über rund 40 Minuten, dass Liebe und Schmerz oft nur durch eine hauchdünne Wand von einander getrennt sind. Auf allzu üppiges und zur Schau gestelltes Leid wird dabei verzichtet – was auch zu einengend wäre. Stattdessen wird den Songs genügend Spielraum für persönliche Sichtweisen gelassen. Hier herrscht kein Zwang. Nein, vielmehr eine kindliche Unbekümmertheit. Daraus entspringen Popperlen, die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, vor lauter Getrübtheit in Weinkrämpfe befördern, Liebe schüren und uns von besseren Tagen träumen lassen. Gute Nacht – aber zuvor: Clap Your Hands Say Yeah!
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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