2008-03-12 21:51:04
Die Wiener Band KES versucht sich auf ihrem neuen Album „Tous les soirs“ mit gemütlichen Klängen zwischen kleinlautem Jazz und sanftem Rock.
Es sind nur Akkorde. Aber die haben es in sich. Gleichzeitig aufwühlend und beruhigend. Kleinlaut und überbetont. Herzzerreissend und himmelhochjauchzend. Alles in Einem. Und im Endeffekt noch viel mehr. Sonda, der gefühlsmäßig beste Song auf dem neuen, in den Jahren zwischen 2004 und 2006 aufgenommenen Album Tous les soirs (Eigenvertrieb) der Wiener Band KES muss es wissen: Irgendwann, während Ruhe einkehrt und das Schlagzeug noch letzte Schläge erteilt, verkündet diese Nummer quasi von selbst, wie wichtig du, als gefühlsschwangerer (Zu-)Hörer, ihr bist. Und auch wenn es so gar nicht okay ist und den hier mühsam aufgebauten Emo-Faktor zerstört, muss eine bedeutende Tatsache gelüftet werden, die unserer Gefühlsduselei aber keinen Abbruch tut: KES stands for Kleines Einmannsportsegelboot. Sexy klingt anders. Aber solange die tonale Ebene stimmt.
Musik für weiche Ohren
Aber mal zur Abwechslung Klartext: KES, das ist eine Truppe bestehend aus Typen, die Ahnung von Musik, vor allem von der Zusammensetzung ihrer Klangerlebnisse (also known as Klangfahrten also known as Klangfarben) und der ungeschriebenen musikalischen Gesetze haben. Bernhard Bauch (Schlagzeug), Stephan Bauch (Bass), Jörg Kammerhofer (Keyboards), David Schweighart (Gitarre), Hans Wagner (Akkordeon, Cello) und Simon Usaty (Gitarre, Banjo, Gesang) wissen zu überzeugen und nicht nur der Instrumentefuhrpark beweist das.
Schon seit dem Jahr 1999, als das gleichnamige Debütalbum erschienen ist, sind KES aktiv; ihre Bilanz kann sich also getrost sehen lassen: Vier Alben, auf drei Samplern vertreten und abgesehen davon sind alle Musiker noch in anderen Bands inkludiert. Doch wen interessiert das? Sind eh nur kühle Fakten. Let `s talk about sound of music! KES erschaffen mit ihrem enormen kreativen Potenzial wohlfühlende, angenehme und immer an der sympathischen Grenze zwischen kleinlautem Jazz und sanftem Rock angesiedelte Klangwelten. Natürlich, manchmal muss geforderte Ruhe, aber besonders Geduld, vonseiten der Band in Ordnung sein. KES machen Mucke für weiche Ohren. Daran braucht man sich nicht zu stoßen. Wenn es aber soweit ist, dass in der Aneinanderreihung sanfter, ruhiger, ausgewogener Töne eine Spur von Fortschritt erkannt wird, ist emotionale Befriedigung geboten.
Hören ist eine Freude
Der Song Only to sneak out bringt irgendwie alles auf den Punkt: „What `s the use in talking and explaining, no one `s ever going to hear the sounds you hear.” Und immer mit dabei: Die wunderschöne, leise Stimme von Simon Usaty. So schön, dass es beinahe schon kitschig ist.
Überhaupt ist dieses Album ein heimliches Meisterwerk am österreichischen Musik-Himmel. Das gesamte Werk zeugt von extrem smoothen, wundervollem Zusammenspiel aller zuvor genannter Instrumente. Die Stücke Yet to come, Nordwaggon und nicht zuletzt der – Überraschung! – etwas härter anmutende Song Sale and leaseback. Hier bereitet das (Zu-)Hören wahrlich eine Riesenfreude. Seglermusik für coole Wasserraten. Himmlisch!
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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