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musik

Seelenöffnung in der Disco

2008-10-11 15:06:31

  • cover LadyHawke Modular
  • 02 LadyHawke Modular
  • 02 pic LadyHawke
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Verspielte Melodien, New New Rave-Synthesizer, Selbstzweifel, intensives Lebensgefühl, poppige Hymnen und Einbettung in immense Gefühlswelten: LadyHawkes gleichnamiges Debütalbum vereint alles. Willkommen in der Kinder-Disco!

"Yes, I am pretty shy!" sagt sie in einem Virgin-Interview mit einem verstohlenen Lächeln, als ob es die natürlichste Sache der Welt wäre. Und liefert damit wieder einmal für jene blauäugigen Musikrezipienten die Bestättigung, dass private Zurückhaltung und extravagante Bühnenshow alles andere als ein Widerspruch sind. Sie, das ist die 27-jährige Phillipa "Pip" Brown, besser bekannt unter LadyHawke. Geboren und aufgewachsen im neuseeländischen Wellington brachte sie sich schon, beeinflusst durch elterliche Hobbys (Stiefvater Schlagzeuger, Mutter Sängerin), in frühen Jahren Schlagzeug, Gitarre und Bass bei. Gesang und Synthesizer dürfen natürlich nicht fehlen. Mit Einsatz erwähnter Instrumente fertigt sie ihr künstlerisches Alter Ego LadyHawke und veröffentlicht dieser Tage auf dem fantastischen Label aus Down Under, Modular Records, ihr Debütwerk "LadyHawke".

Spielwiese Gefühlswelt


Es gibt in den Untiefen der Popkultur ein Dilemma: Nur allzu selten gelingt es Bands respektive Künstlern, mehrere Facetten zu etablieren und diese gekonnt nebeneinander wirken zu lassen. Mal ehrlich: Style und Sound, Wehmut und Disco, tanzbare Beats und große Gefühle, sie sind nach wie vor meistens getrennt statt verbrüdert. Eigentlich traurig, denn LadyHawke ist der beste Beweis, dass sich glänzender Glamour und naiv-kindischer Eskapismus nicht ausschließen. Und wer sagt, dass unter der Glitzerkugel stets alles glatt ablaufen soll?!

Bedienen massenweise andere Formationen im Pop-Universum nach wie vor sämtliche Rock-Klischees, binden sich Gitarren um und machen einen auf Rocker-Pose, ist die schlaue Multiinstrumentalistin meilenweit voraus. Sie begreift im Gegensatz zu oben genannten "Boybands" die Postmoderne, in der wir heute nun mal leben, und absorbiert mit Hilfe von leicht kitschig klingender, an herrliche New Wave-Zeiten erinnernde Synthieklangflächen sowie im Tanzhaus Disco behaftete Drums und steuert im Hintergrund mitfiebernde, subtile Gitarrenriffs bei. Und vor allem: Ihr Gesang, ihre Stimme! Engelhaft!

Teil einer verrückten Welt


Auf ihrem gleichnamigen Debütalbum demonstriert die charmant-schüchterne Neuseeländerin, was sie unter klugem Pop versteht. Bereits der Opener Magic, eine opulente Ballade, weist eine unglaublich intensive Strahlkraft auf und umgarnt das sensible Herz mit romantischen Lyrics: "I've left my heart to you, but it's not fair coz you're taking me for granted baby/I made a start with you, but it's not fair, coz you're over the atlantic baby/one journey for you but it's worth it, one life here with me and it's magic."

Das gesamte Album lang dominiert diese spielerische, fabelhafte Abwechslung, mal eine Ballade (Love don't live here), mal eine Ausgeh-Hymne (Paris is burning), unterm Strich unfassbar. Der Independent on Sunday meint dazu nicht umsonst "A star is born." Vor allem das wunderbare, von ihrer Freundin Sarah Larnach gestaltete Layout der CD, das LadyHawke mit Joystick in der Hand, umgeben von Katzen, einer Spielkonsole und einem Keyboard, zeigt  – und überhaupt: überall Katzen! – unterstreicht diese verspielte, lustige, trotzdem einem hedonistischen Lebensgefühl verpflichtete Welt von "Pip". Ihr liebevolles Konzept, das immerwährend mitklingt: Große Gefühle, verpackt in große Songs. Drama, Baby, Drama!

Auch nicht schlecht und ohne: Better than Sunday, From Dusk till Dawn ("Bang bang bang, on the wall, from dusk till dawn") und die Hoffnung schenkende Schlussnummer Morning Dreams, in der es, heftig untermalt von bunten Synthie-Teppichen, herzig heißt: "Morning dreams come true, 'cause I wake up next to you and only for your eyes do I sing these lullabies"). Ein Magnum Opus also, das gehört werden muss. Und abgesehen davon, darf man gespannt auf weiteren Output dieser grandiosen Dame warten.

Ein Hauch einer Warnung, eine ins kollektive Bewusstsein der Hörerschaft gerufene Meldung kündigt sich dann doch an. Denn außerhalb dessen, was wir Freaks unsere Sphäre nennen, herrschen ohnehin garstige Macht- und Herrschaftsverhältnisse, regiert der Hass. Wie bringt es LadyHawke so schön und treffend auf den Punkt: "We're part of a crazy world." (Crazy World)

Für ewige Jungspunde, für das Kind im Mann, nein: für Menschen, die immer ein Kleinkind sein wollen, die heimlich Nick schauen und zwischen den Ohren eine eigene, nämlich eine Schokoladenwelt fabrizieren wohl die Platte des Jahres. Und die anderen, die können uns herzlich gestohlen bleiben. Let's dance in the Kinder-Disco!

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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