2011-11-30 15:15:19
Eine Forschungsstation, intelligentes Plasma und Wissenschaftler am Rande des Wahnsinns: Mit Oliver Masucci, Christiane von Poelnitz, Marcus Kiepe und Ignaz Kirchner in den Hauptrollen bringt das Burgtheater Stanislaw Lems Solaris auf die Bühne.
Eine bessere Werbung hätte es fast nicht geben können. Am
23. November ehrten die Betreiber der Suchmaschine Google Stanislaw Lem anlässlich des 60. Jahrestages seiner
ersten Buchveröffentlichung Die Astronauten durch ein Rätsel-Doodle in
ihrem Startlogo: eine interaktive Animation nach Zeichnungen von Daniel Mróz. Zwei
Tage später feierte die Theateradaption von Lems Roman Solaris 50 Jahre nach der polnischen Erstveröffentlichung im
Vestibül des Burgtheaters Premiere.
Den meisten dürfte Solaris aber weniger als Buch, denn als Film bekannt sein. Dreimal wurde die Thematik
bereits auf Zelluloid gebannt – zuletzt 2002 unter der Regie von Steven
Soderbergh mit George Clooney in der Hauptrolle. Allerdings sind die bisherigen
Verfilmungen relativ freie Interpretationen der literarischen Vorlage.
Alexander Wiegolds Bühnenfassung lehnt sich dagegen enger an den Originaltext
an. Zwar nimmt auch er aus dramaturgischen Gründen Änderungen, Kürzungen und
Umstellungen vor, doch steht bei ihm der ursprüngliche philosophische Gehalt
und nicht die amouröse Beziehung im Zentrum des Geschehens. Dies stellt für den
Zuschauer eine immense Herausforderung dar. Gut zwei Stunden – ohne Pause – ist
höchste Konzentration auf ziemlich unbequemen Holzklappsesseln gefordert.
Futuristisches Interieur
Trotz alledem wird man durch Wiegolds Inszenierung schnell
in den Bann der Geschichte gezogen. Dies liegt vor allem an Bühne (Stefanie
Grau), Licht (Marcus Loran) und Videosequenzen (Moritz Grewenig). Mit einfachen
Mitteln wie Stroboskopen, Bildschirmen und Plexiglasschwingtüren wird die
klassische Ringstraßenarchitektur des Vestibüls zu einem futuristischen
Interieur umgestaltet. Unterstützend wirken dabei auch die gelungenen Kostüme
von Lane Schäfer. Die Hauptlast bleibt in einer solch kammerspielartigen
Atmosphäre allerdings an den Schauspielern hängen und hier muss dem durchweg
überzeugenden Ensemble ein großes Kompliment ausgesprochen werden. Trotz der
langen Spieldauer ist kein Spannungsverlust zu attestieren. Insbesondere Oliver
Masucci, der in seiner Rolle als Kris Kelvin fast durchgehend auf der Bühne
steht, liefert eine beachtliche Leistung ab.
Anspruch und
Wirklichkeit
Allerdings wird an seiner Person auch die Schwäche des
gesamten Stücks deutlich. Masucci hat eine Doppelrolle inne. Zum
einen fungiert er als romanhafter Erzähler, als eine Art Logbuch vergangener
Ereignisse, zum anderen ist er auch aktiver Teil der Handlung. Diese Trennung
funktioniert nicht immer schlüssig und zeigt, dass Lems literarischer Vorlage
vielleicht ein wenig das theatrale Potential abgeht. Dies bestätigt sich auch
im Hinblick auf den Inhalt. Vordergründig geht es zwar um die Erforschung einer
außerirdischen Lebensform und die Interaktion mit dieser. Tatsächlich steht
aber die Erkundung des Menschen und das was ihn ausmacht im Mittelpunkt des
Geschehens. Entsprechend hat auch das gesprochene Wort in Solaris eine weitaus höhere Bedeutung als die Aktion. Daran kann
auch eine sporadisch auftretende Nackte nichts ändern. Alles in allem
präsentiert sich Solaris aber als
gelungene Übertragung mit intellektuellem Anspruch.
Solaris nach dem
Roman von Stanislaw Lem
Vestibül im Burgtheater,
Dr. Karl Lueger-Ring 2, 1010 Wien
Folgetermine: 30. November, 15., 16., 20. und 21. Dezember
Nobody knows the trouble I've seen.
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