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kreatives

Schwarzer Kaffee, schwarzer Humor

2007-04-02 00:10:57

Eine geistreiche Geschichte über das unfassbar beschissene Leben.

Mit dem linken Fuß aufstehen, Zigarette anzünden, Kaffe runterlassen – einen verdammt „starken“ natürlich! – und die Zeitung lesen: Das Anfangsstadium eines verlotterten Tagelöhners, der Tag für Tag in den Tag hinein lebt und die angeblich wertvolle Zeitkapazität eines ebenfalls angeblich wertvollen Tages damit verbraucht, sich der nihilistischen Denkweise hinzugeben. Was wollte man sich schon vom Leben, dessen Inhalt mit dem einer ausgesoffenen Bierflasche vergleichbar ist, erwarten? Gott ist tot, Marx und Nietzsche ebenso und auf 99% der Menschheit konnte, kann man sowieso einen Krapfen fallen lassen. In der Zeitung, provinziell und kleindenkerisch wie immer, stand etwas über einen Krieg, der gerade begonnen hat. „Selbst schuld!“, denkt er sich, „die Menschheit scheisse und der Mensch ein Arschloch. Mehr kann man sich nicht erwarten!“ Nippt weiter an seinem Kaffee, liest weiter in seiner Zeitung und zwischendurch saugt er den Rauch der Morgenzigarette in seinen Schlund. Warum kommt man sich im Haifischbecken Leben  immer wie der ganz allein darin stehende Anton L., Hauptfigur des guten Romans „Großes Solo für Anton“, vor? Noch dazu von allen (offensichtlich) guten Geistern verlassen…


Das Problem: Er hat keinen allzu großen Freiheitsdrang. Keinen, der maximal ausgeprägt wäre. So wie der eines Seefahrers. Oder der von Jim Knopf. Es schien, als ob er in den eigenen vier Wänden am Glücklichsten – das Wort Glück fehlt in seinem Wortschatz gänzlich! – sei. Aber: Wurscht! Er stellt sich vor den Spiegel in seinem Badezimmer und betrachtet wieder einmal sein mit dem Ausdruck „Fratze“ in Verbindung gebrachtes Gesicht. Der Hass steigt pro Änderung des Augenapfelziels nur noch mehr. „Rasierklinge, du bist mein! Zuerst der Bart, dann die Pulsader, yeah!“


Die Blutspur wirkt wie ein roter Faden, der seine Lebenslinie darstellt, seine Kurven markierend. Dennoch: Er will nicht wahrhaben, dass sein Leben nur scheisse sei. Auch die radikalsten Pessimisten hatten doch mal Spaß, oder?! Das Massieren der Schädeldecke führt zu keinem Ergebnis, sondern unterstreicht nur seine Ratlosigkeit. Peinlich! Über sich, den Sinn des Lebens und die Welt nachdenkende Pseudo-Nihilisten: Wie uncool! Aus dem Hintergrund meldet sich der Hidden-Track in Form eines argen Killer-Blues der Marke Endzeitstimmung zurück. „Ja, kein Leben ohne Musik, ohne Musik kein Leben. Da hatte Marx schon Recht! Frage: Soll die Lösung der (aller?) Probleme bei Drogen gesucht werden? Egal! Vomito, ergo sum…"

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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