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Schreien, Seufzen, Keuchen, Flüstern

2008-02-18 17:28:55

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Rock mal anders: Vier Bands überzeugten im Salzburger Rockhouse am 16. Februar 08 mit Melancholie, düsteren Bildern und eindrucksvollen Texten. Ein Abend, der Gefühle aufwühlte.

Samstagabend: Die blauen Metalltüren des Rockhouse in der Schallmooser Hauptstraße öffneten sich für den Yeah!Club. Die Salzburger freuten sich auf vier Bands, die alle noch eine große Zukunft vor sich haben.

Den Anfang machte ein Musiker aus Salzburg unter dem Pseudonym The Boy Who. Der junge Mann sang, spielte auf einer Nylonsaitengitarre und klopfte dazu mit den Füßen. Wenn das nicht eine vielversprechende Einleitung für einen Abend war, mit anspruchsvollen Texten, Gitarren- und Klavierklängen?

Bühne frei für Palestar

Die vier Leipziger ließen das Publikum nicht lange warten und die Band Palestar gab Lieder ihres neuen Albums ?Mind the Lanscape? zum Besten. „Man kann das Quartett wohl ohne Übertreibung als eine der besten deutschen Bands ohne Plattenvertrag bezeichnen“ titelt die Website motor.de.

Da wurde nicht zu viel versprochen: Zwischen den berührenden Textstellen mit langsamen Gitarrenklängen gab es grandiose Soli der drei Gitarristen. Musikliebhaber und Kenner erinnerte die Band mit herrlichen Texten und elegischen Soundscapes an Radiohead.

Melancholie aus Skandinavien

Glaubte man, der Abend konnte nach den ersten beiden Acts nicht besser werden, wurde man von fünf jungen Herren aus dem Norden eines Besseren belehrt: immanu el überzeugten wie Palestar mit Gitarrensoli, Rock und anspruchsvollen Texten.

Emil Karlsson mit seiner Bassgitarre und Trommler Michael Persson mussten sich hinter den Brüdern Claes und Per Strängberg nicht verstecken. Trommel- und Bassgitarrensoli beeindruckten das Publikum genauso wie die beiden charismatischen, blonden Brüder. Stimmungsvoll untermalte Jonatan Hammar mit seinem Cello die Gitarrenklänge. Cleas, der Leadsänger, griff nach den ersten Paar Liedern zu einem Geigenbogen und spielte damit auf seiner Gitarre. Das Publikum schmolz unter den sanften Postrocktönen dahin.

Die Schweden freuten sich: „Das haben wir nicht erwartet!“ hauchte Sänger Claes auf Englisch ins Mikrofon. Ihr erstes Konzert in Salzburg war ein voller Erfolg für immanu el. Das Publikum bekam, was es wollte: Eine Zugabe aus ihrem Debutalbum they'll come, they come und einen Vorgeschmack auf einen neuen, noch namenlosen Song.

„Wenn ihr Ideen habt… Wir sind offen für Vorschläge!”

Der sympathische Blondkopf und Leadsänger von immanu el Cleas lächelte und nahm einen großen Schluck aus seiner Bierdose. Der Sänger konnte es sich nicht nehmen lassen, nochmals auf ihr Album hinzuweisen, das in Skandinavien, Japan, Hong Kong und in vielen Teilen Asiens erhältlich ist. Und natürlich auch nach dem Konzert gekauft werden konnte. Die kleine Promotionaktion auf der Bühne verzieh das Publikum dem jungen Schweden gerne und genoss die letzten Töne der Band. Sichtlich erheitert und fast ein wenig widerwillig machten die Fünf nach ihrem halbstündigen Auftritt  Platz auf der Bühne für den Hauptact des Abends.

Soap&Skin

Tisch, Stuhl, PC und Keyboard. Mehr brauchte die 17-jährige Anja Plaschg alias Soap&Skin nicht für ihre Musik. Noch bevor die Visuals der Steirerin auf die Leinwand projiziert wurden, fieberten einige Fans dem Auftritt der jungen Künstlerin entgegen. Ihr Debutalbum erscheint erst im Herbst. Die junge Künstlerin hat sich aber jetzt schon mit ihrer gelungenen MySpace Seite einen Namen gemacht.

Dreckige Schweine, trostlose Wiesen und Felder flimmerten über die Leinwand. Untermalt von hämmernden Beats und Einspielungen über den Laptop. Dann kehrte wieder Ruhe ein und die junge Frau spielte auf dem Keyboard, sang, seufzte und schrie. Zentrale Themen ihrer Lieder sind Tod, Angst und Einsamkeit. Wie in einem Traum wiegte sich das Publikum zu den Klängen. Als leichte Kost kann man diese Performance wohl nicht bezeichnen. Stark beeinflussen ihre Idole Björk, Sergej Rachmaninow und CatPower die Musik. Bilder der Schweinemastfarm ihrer Eltern und Landschaftsimpressionen aus ihrer Heimat verwob die Künstlerin zu einer beeindruckenden Videokollage.

Starker Auftritt, leiser Abgang

Nur ein schwaches „Danke“ hauchte die junge Österreicherin zum Abschied. Soap&Skin gab jedoch auf Wunsch des Publikums noch eine kleine Zugabe. Dann verschwand der zierliche Körper wieder hinter der Bühne. Was von dem beeindruckenden Aufritt blieb waren offene Münder und große Augen.

Selten hört man solch ausdrucksstarke, düstere und bewegende Klänge. Vor allem die Tatsache, dass die Texte, Rhythmen und Visuals von einer so junge Frau produziert wurden, machte den Aufritt zu etwas ganz Besonderem. So reiht sich Soap&Skin neben Palestar und immanu el zu den Künstlern, die nicht nur von heimischen Medien hochgelobt werden und die Independent-Szene in Aufregung versetzen.

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AutorInnen

Martina Powell

Martina Powell

beschäftigte sich schon im Biologieunterricht lieber mit Aphorismen und Kurzgeschichten als mit der Photosynthese. Widmet sich nun vor allem "Fokus" und ihren Geschichtebüchern.

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