2007-04-02 00:11:25
Die Liars veröffentlichen mit „Drums Not Dead“ ein sanft-schräges Werk, welches Angsthasen nach 22.00 Uhr besser nicht mehr hören sollten. Freigegeben ab 16 Jahren.
Mit ihrem Vorgängeralbum „They Were Wrong So We Drowned“ aus dem Jahre 2004 trugen die in der New Yorker-Szene groß gewordenen Liars den Anfangs dargestellten Punk endgültig zu Grabe. Ab diesem Zeitpunkt wurde der angesammelte Unmut nicht an der Gitarre abgearbeitet, sondern in der Ruhe die Kraft gesucht, um dann ganz gezielt und komprimiert den angesammelten Hass in die Welt zu posaunen.
Mit ihrem neuen Werk „Drums Not Dead“ verfolgen sie diese neu entdeckte Liebe zu mystischen Soundcollagen weiter. Wie bereits der Titel verrät, handelt es sich um eine Art Hommage and die mit Tierfellen bespannten Holzrahmen. Diesen werden dann von Aaron Hemphill und Julian Gross heftige Schläge versetzt. Dazu kommt eine nicht von dieser Welt stammende Synthesizer-Fläche, die zum jüngsten Gericht bittet. Auf diese legt danach der Liars-Häuptling Agnus Andrew seine Stimme, die von prägnantem Sprechgesang bis hin zu verhalltem Wolfsgeheule reicht.
Teufelsmusik
Die „Lügner“ reduzieren ihre Musik auf „Drums Not Dead“ auf das Wesentliche. Unnötiger und aufwendig produzierter Schnickschnack zählte noch nie zu den Vorlieben des Trios. Dass man auch ohne großes Zutun eine durchaus ansprechende Musik kreieren kann, beweist die Eröffnungsnummer "Be Quiet Mt. Heart Attack!". Diese könnte von einem – nun ja – etwas benebelten Thom York von Radiohead stammen. Im Hintergrund sind ständig Klagelaute à la „Aaaah“ zu vernehmen, so als würde ein soeben zum Tode Verurteilter auf einer Bahre gefesselt in Richtung Scheiterhaufen getragen werden, wo ihn nach Ankunft ein von den Anwesenden genüsslich mitverfolgter Flammentod erwartet. Hierbei wird mit Todesängsten, Klischees und Gefühlen gespielt, die eine Art außerweltlichen Charme versprühen. Das spiegelt sich vor allem auf der beigelegten DVD wieder. Dort begibt man sich auf eine Reise durch die ordentlich mit Drogen angereicherte Liars-Welt. Da kann es dann schon mal passieren, dass die Liars in der Gestalt von drei Puppen von einem UFO entführt werden.

Die Liars bitten zum Faustkampf Foto: EMI
Natürlich kann man darauf auch einen mit nichts anderem vergleichbaren Live-Auftritt bestaunen. Bei diesen gibt sich Oberexzentriker Agnus Andrew stets die volle Gurke. Wie eine mit Pestizid vollgesogene Gottesanbeterin räkelt er sich auf der Bühne. Ein Kampf mit dem Tod, der nur verloren gehen kann. Dann verhält er sich wieder wie ein kleines schüchternes Mädchen, das sich – ausgestattet mit Omas schönstem Kittel – in der bösen Welt da draußen nicht ganz zu Recht findet.
Mit „Drums Not Dead“ zelebrieren die Liars erneut ihren Hang zur experimentellen Musik. Dass räumt ihnen besonders in der weltweiten Kunstszene einen äußerst passablen Stellenwert ein. Nicht verwunderlich also, wenn sie auch des Öfteren auf Vernissagen und Gallerie-Eröffnungen spielen – so wie das bei der Eröffnung des „KUNST RAUM NOE“ in Wien im Oktober vergangenen Jahres der Fall war. Dort wurde den eher unwissenden Gästen schnell klar, dass die Liars keine Lalelu-Musik fabrizieren. Gut so, denn davon gibt es eh schon mehr als genug!
„Drums Not Dead“ von den Liars ist am 17. Februar 2006 via Mute/EMI erschienen
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