Mit ihrem jünsten Album Bleed Like Me treten Garbage so einigen jüngeren „Modern-Rock“-Bands mühelos in den Allerwertesten.
„I´ve got a fever, come check it and see,
there´s something burning and rolling in me,
we may not last but we´ll have fun till it ends,
c´mon baby be my bad boyfriend”
(Bad Boyfriend)
„C´mon baby be my bad boyfriend“ flüstert Shirley Manson lasziv ins Mikro, ehe die Gitarren, Drums und Bässe voll reinbrettern und äußerst effektvoll das neue Album eröffnen. Ja, Shirley, wir wären alle gerne Dein „Bad Boyfriend“, aber Du musstest Dich ja mit diesen drei nicht mehr ganz taufrischen Typen einlassen, um eine der derzeit besten Rockbands zu gründen. Garbage kehren mit voller Power zurück und scheinen den Flop des letzten Albums wieder ausbügeln zu wollen. Weg vom Glamour, weg vom Pop, weg von Samples, hin zum schnörkellosen Rocksong.
Trotz der leichten Kurskorrektur ist der typische Garbage-Sound sofort erkennbar, elektronische Loops und Beats, gepaart mit echten Drums, amtlichen Gitarren und natürlich Shirley Manson´s markante Stimme, die irgendwo zwischen Debbie Harry und PJ Harvey angesiedelt ist. Drummer, Gitarrist und Mixmaster Butch Vig, der seinerzeit unter anderem das richtungsweisende Erfolgsalbum „Nevermind“ von Nirvana produziert hat, ist hauptverantwortlich für den charakteristischen Sound. Seine Idee war es auch, Dave Grohl für das Trommelfeuerwerk in der Eröffnungsnummer „Bad Boyfriend“ zu engagieren. Es fällt auf, dass die Band diesmal fast durchgängig auf echtes Schlagzeug setzt, das neben den Herren Grohl und Vig sehr kraftvoll von Matt Walker umgesetzt wurde, der schon aushilfsweise bei den Smashing Pumpkins oder Filter den Rhythmus angab.
Mit den ersten vier Nummern legen Garbage bereits so viel vor, dass es vom Rest des Albums kaum mehr zu toppen ist. Nachdem „Bad Boyfriend“ schlichtweg vom Hocker fegt, wird mit „Run Baby Run“ gleich der nächste Topsong nachgeschossen, der mit seinem Wechsel zwischen dezent arrangierter Strophe und druckvollem Refrain an glanzvolle Smashing Pumpkins-Zeiten erinnert. Auch mit „Right Between The Eyes“ reißt die Begeisterung nicht ab. Der Song featured vor allem Shirley Manson´s Stimme, die hier unter Beweis stellt, dass sie von Album zu Album immer besser wird. „Why Do You Love Me“ lebt neben dem Kontrast von Laut- und Leisepassagen durch ein genial-simples und repetitives Gitarrenriff, das Nirvana herbeizitiert.
Trotz dieser Vorgabe enttäuschen auch die restlichen Songs nicht. Nicht nur musikalisch, auch lyrisch bietet das Album einige Raffinessen. Shirley Manson´s Texte fallen wie gewohnt provokant, sexy und düster aus. In „Sex Is Not The Enemy“ nimmt sie etwa die amerikanische Prüderie unter Beschuss (Stichwort "Nippelgate") und schreit nach einer neuen sexuellen Revolution.
„I won´t feel guilty, no matter what they´re telling me,
I won´t feel dirty and buy into their misery,
I won´t be shamed cause I believe that love is free,
It fuels the heart and sex is not my enemy”
(Sex Is Not The Enemy)
Abgesehen vom lässig groovenden Titeltrack und der Ballade „It´s All Over But The Crying“ bleibt Bleed Like Me druckvoll von Anfang bis Ende. „Happy Home“ ist eine perfekte Schlussnummer, die sich mit einer langsam aufbäumenden Gitarrenwelle im ausgedehnten instrumentalen Finale verabschiedet.
Mit Bleed Like Me treten Garbage so einigen jüngeren „Modern-Rock“-Bands mühelos in den Allerwertesten. Weiter so, oder wie singt Shirley Manson in „Why Do You Love Me“: „I get back up and I do it again“.