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musik

Sch(w)eiß auf das System!

2008-09-09 10:28:35

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Vom „Jam Of Love“ zur „Rock'n'Roll Revolution”: Lord Bishop Rocks gastierte im Vöcklabrucker Foyer des Arts.

Scherzfrage, angelehnt an Österreichs willkommene Komödianten Christoph “Maria” Grissemann und Dirk “Der Deutsche” Stermann: Was ist der Unterschied zwischen der Titanic und Vöcklabruck? Richtig, auf der Titanic gab es wenigstens gute Unterhaltung. Falls jetzt niemand gelacht haben sollte, auch kein Problem, schließlich ist es in Wirklichkeit alles andere als lustig. Denn jeder Friedhof hat mehr Partystimmung zu bieten als dieses jämmerliche Voralpendörfchen, irgendwo im nirgendwo. Während es andere Ortschaften, einwohnermäßig sogar unterlegen, locker auf die Reihe bekommen, hin und wieder hedonistischen Freizeitaktivitäten zu frönen, stehen hier die Zeichen auf Stillstand. Regressive Stagnation, oder so.

Abgesehen davon finden, aus demokratiepolitischer Sicht, regelmäßige, Bauchweh auslösende Schilderbürgerstreiche der etwas anderen Art statt: Ein lokaler Provinz-Medienmogul mit Schwerpunkt Selbstbeweihräucherung, dessen Team der Unterschied zwischen (investigativem) Journalismus und eitler, aber peinlicher Selbstdarstellung nicht bewusst ist. Ein Bürgermeister und sein Privatleben in Verbindung mit ebendiesem Medium. Ein Einkaufszentrum inklusive Kino, das nie eines werden sollte. Nur um einige der Kuriositäten zu nennen. Es fällt also nicht schwer, hier in eine Thomas Bernhard-Stimmung zu verfallen, österreichische Seelenschau einmal anders. Und so verwundert es eigentlich umso mehr, dass besagter Österreich-Vernaderer sich nicht im ein paar Kilometer entfernten Vöcklabruck – anstatt in Ohlsdorf – niedergelassen hat, um das Wachsen hiesiger Bierbäuche beobachten zu können; das hätte Romane ergeben…

Vergleich macht reich


Falls sich der geneigte Zuhörer von der heilschwangeren Katharsis, ausgelöst durch das vor kurzem veranstaltete Mega-Open Air, bereits wieder erholt hatte, konnte er sich letzten Freitag in das Foyer des Arts begeben um Lord Bishop auf die Finger – und den Whiskey – zu schauen. Vor Konzertbeginn konnte man sich dem hierzulande obligatorischen Quotenvergleich hingeben, der da, nämlich im durchaus bewussten Vergleich zu oben erwähnter Lederhosenschau, wie folgt lautet und nicht überraschen sollte: Gig mit Gehalt bedeutet zehn Hanseln stehen vor der Bühne. Musikuntermalter Trachtenrave meets Bauernjazz der volksdümmlichen Marke (hallo Hansi!) heißt, dass sich 4.000 Personen (Quelle: Stadtmarketing Vöcklabruck) -  darunter Herren der Schöpfung, ausgestattet mit Rotzbremse und Gössermuskel – im Stadtpark einfinden und sich mittels sexuell eindeutig zweideutiger Schunkel-Posen aufgeilen. Dies nur nebenbei.

„Good Water!“


Denn eigentlich soll sich dieser Text ja nur um das angekündigte Lord Bishop-Konzert drehen: Angereist als Trio - Lord Bishop (Gitarre und Gesang), Gero T. (Schlagzeug) und Professor Groove (Bass) - , zeigte Bishop sofort, wo der Bartl den Most holt. Mit fesselnden Riffs, brachialer Rhythmik und fettem Bass-Sound sonderte dieses Trio aus New York einige Nummern aus ihrem aktuellen Album Dirty Jams (Dirty Earth Records & Radar Music) wie Jam Of Love, Smoke And Meltdown, Rock'n'Roll Revolution oder Mama Said ab. Mit whiskeygetränkter Stimme („It `s A Good Water!“) und einem furiosen, schweißtreibenden Auftreten bewaffnet, gab er schließlich noch Evergreens wie Hey Joe von sich – nur um allen Anwesenden zu beweisen, welche hohe Qualität diese Band besitzt. Und auch das politische Statement durfte letztendlich nicht fehlen: „Fuck Bush!“ Komisch, eigentlich sollte diese Geschichte länger sein…



Vielen Dank an Elke Holzmann für die fototechnische Unterstützung!
Weitere Konzert-Fotos sind auf der unten angegebenen Flickr-Seite zu finden.

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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