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musik

Scarlett Johansson - Anywhere I Lay My Head

2008-06-26 11:17:07

  • tom Scarlett Johansson Anywhere Waits
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Scarlett singt Songs von Tom Waits. Die kühle Blondine mit dem roten Schmollmund verführt mit fremden Kompositionen, die so sweet und sexy sind wie Scarlett selbst. Widerstand ist zwecklos.

Der Wald ist nicht nur dunkel und geheimnisvoll, sondern auch sphärisch und mit Effekten beladen. Tageslicht dringt durch die Bäume und Blätter, rosa Zuckerwatte dient als Verpflegung. Ferner ritzt Scarlett Johansson mit dem Klappmesser von Produzent und TV On The Radio-Mastermind David Sitek ein weiteres wichtiges Kapitel ihrer Karriere in die Baumrinde.

Die Verwandlung

Anywhere I Lay My Head ist ein Experiment.
Ein mit Süßstoff konsequent gepumptes und mit Zucker obendrauf bestreutes. Es regieren Effekte, Bleeps und allerhand Feedbacks, die den Nährboden bilden und im Intro Fawn schon angedeutet werden, wo Scarlett allerdings noch keinen Mucks von sich gibt. Erst in Town With No Cheer erscheint sie vors Mikro. Es folgt ein Ausflug mit wabernden Echo-Gitarren auf elektronischem Unterbau.
Dieses Korsett macht das Album so einzigartig, und durch die lodernde Liedsammlung von Tom Waits haftet dem Album auch eine gewisse Größe an, die Songs wie das sehnsüchtige Falling Down oder das epische No One Knows I’m Gone bestens unterstreichen.
Das Titelstück wartet mit fluffigen Blubberbeats und erhabenen Melodien auf, und auch die 80er kehren sogar zurück (I Don't Wanna Grow Up). Die einzige Eigenkomposition, Song For Jo, fügt sich mühelos in das Gesamtbild der Platte ein, ohne groß herauszustehen oder aufzufallen. Mitten in der Natur findet man sich da, hört Grillen zirpen, den Wind wehen, die Vögel zwitschern.

Man kann ruhig darüber schmunzeln, dass Scarlett Johansson nicht die beste Sängerin ist. Dennoch wickelt sie einen nach mehreren Hördurchgängen mit ihrer tiefen Stimme, die zwischen erotischer Andeutung und tragischer Gelassenheit schwelgt, um den Finger. Es soll langsam gehen. Das Bonbon soll lange gelutscht werden. Deshalb einfach auf die Wiese legen und die Gedanken schweifen lassen wie in Green Grass, oder den unnahbar verführerischen, sinnlichen und manchmal kindlich naiven Stücken (I Wish I Was In New Orleans) sein Ohr schenken.

Strange Little Girl

Manchmal schlägt das Leben Purzelbäume.
Bei Scarlett Johansson scheinen es gleich mehrere zu sein. Ausgerechnet mit einem Album voller Soundeffekte und von Tom Waits verfasster Fremdkompositionen, gelingt Scarlett eine persönliche wie musikalische Inkarnation.
Man wird verzaubert und in eine märchenhafte Traumwelt entführt. Ein ätherischer Schwebezustand, der fast unwirklich erscheint und ein bisschen düster und romantisch daherkommt. Wie Tom Waits eben.
Mit einer Klangästhetik, die ein musikalisches Statement ist.
Es lohnt sich also, hinter die blonde Oberfläche zu blicken.

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AutorInnen

Daniel Gilic

Daniel Gilic

"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)

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