Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

lifestyle

Sandman - Präludien & Notturni

2008-03-13 16:20:52

  • Sandman Gaiman Vertigo
  • Panini Sandman Gaiman Vertigo
  • Panini Sandman Gaiman Vertigo
  • Sandman Gaiman Vertigo
  • Sandman Gaiman Vertigo
  • Sandman Gaiman Vertigo
  • Panini Sandman Gaiman Vertigo
  • Sandman Gaiman Vertigo
  • Panini Sandman Gaiman Vertigo

Als Kind hört man Geschichten über ihn. Er kommt nachts und streut Sand in die Augen, damit man besser einschläft und in einen wohligen, friedlichen Schlaf versinkt. Sandman, der Herr der Träume, ist zurück und feiert seine Wiederauferstehung.

Neil Gaiman, der Erfinder der Serie Sandman, ist einer der ruhmreichsten Autoren der Gegenwart.
Bei uns im deutschsprachigen Raum vielleicht etwas weniger bekannt, ist er in den USA ein gefeierter Schriftsteller, der mit unzähligen Preisen überhäuft wurde. Sandman war die Geburtstunde für ihn, obwohl er davor bereits für Serien wie Black Orchid und Violent Cases tätig war.
Ein Comic, der die Bezeichnung Graphic Novel wieder aufnahm und ihr neues Leben einhauchte. Tief verwurzelt in der Geschichte der Menschheit, der Literatur, der Historie, sucht Gaiman nach Entschlüsselung und Klärung in der Moderne. Ein Märchen voller abstrakter Charaktere, undurchsichtiger Zwischenwelten, Leben und Tod, Hoffnung und Leid.
Dazwischen: Wir, die Menschen, die in diesem verworrenen Karussell eine untergeordnete Rolle spielen.

The dream is over


Der erste Band der wieder auf Deutsch veröffentlichten Reihe Präludien und Notturni, zeigt, wie der okkulte Magier Roderick Burgess mit seinen Ordensanhängern im Jahr 1916 versucht, den Tod mit einem Bann heraufzubeschwören, um ihn anschließend für Missetaten zu benutzen. Der Zauberspruch funktioniert. Das ewige Leben, das sich der Magier dadurch verspricht, scheint nur ein Fünkchen entfernt zu sein.
Eine seltsame Kreatur erscheint in einem Bannkreis.
Doch es ist nicht Death, der Tod, sondern Dream, der Herr der Träume, der auch Morpheus genannt wird, den die Okkultisten fälschlicherweise gefangen genommen haben.
Was tun? Sie entwenden ihm mehrere magische Embleme, wie einen Helm, einen Sandbeutel und einen roten Rubin, der seine Macht forciert.
Burgees bietet einen Handel an. Über Jahre lehnt der unter einer übernatürlichen Glasglocke gefangene Morpheus jegliche gestellte Forderung von dem zwischenzeitlich gealterten Burgees ab, und auch seine nachgerückten Angehörigen können Morpheus nicht umstimmen.
Erst im Jahr 1988 gelingt ihm die Flucht. Er verdammt dessen Sohn, Alex Burgees, mit wiederkehrenden Alpträumen, aus denen es kein Erwachen gibt.
Nach seinem Ausbruch kehrt Dream in sein Reich zurück, das über die Jahre ziemlich runtergekommen ist. Es folgen Reisen und Abenteuer, um seine dringlich gebrauchten Insignien wiederzubekommen, die in Menschenhand zu unglaublichen Waffen werden können.
Er begegnet dem coolen Constantine, bekannt aus der Verfilmung mit Keanu Reeves und den Hellblazer-Comics, steigt hinab in die Hölle, trifft auf Luzifer und seine Dämonen, und findet am Ende doch noch seine Symbole wieder, die für reichlich Schaden gesorgt haben.
Der Epilog Das Rauschen ihrer Flügel zeigt dann doch den Tod, der auf den Namen Death hört und die jüngere Schwester von Dream ist.
Sie versucht ihren Trübsal blasenden Bruder wieder etwas aufzuheitern und nimmt ihn mit, um ihm die Sekunden der Sterblichen zu zeigen, in denen sie ihren letzten Atemzug machen.

"People think dreams aren't real just because they aren't made of matter, of particles. Dreams are real.
But they are made of viewpoints, of images, of memories and puns and lost hopes."


Neil Gaiman entwendet eine allseits bekannte mystische Figur, und macht sie sich zu eigen.
Der Titel des ersten Bandes ist auf eine musikalische Anspielung bezogen. Präludien stellen den Beginn eines Instrumentalstücks dar, und die Nocturne ist ein ruhiger und langsamer Abklang eines Liedes. Diese beiden Motive stellen eine Verbindung zur Nacht und zu den Träumen her, und führen uns in eine Welt voller Legenden, Aberglauben und neuen verdrehten Weltanschauungen.
Gaiman ist ein Genie, was das Erwähnen, Andeuten, beiläufige Bemerken und unkrampfhaft Einfließen lassen von Referenzen angeht.
Hinweise finden sich zuhauf: Ob Zitate aus der Bibel, Songs von Elvis, Anspielungen auf Altmagier Aleister Crowley, mesopotamische Gottheiten erwähnt werden oder Schriftsteller wie Lewis Carrol (Alice in Wonderland), Stephen King, Shakespeare oder T.S. Eliot auf den Seiten zu finden sind. Sandman ist unglaublich detailreich ausgeschmückt, dazu ungewöhnlich und unangepasst von den Zeichnern Sam Kieth, Mike Dringenberg und Malcolm Jones III illustriert.

Die Odyssee von Dream hat mit diesem Band erst angefangen. Insgesamt liegt die Serie in zehn Bänden vor, die von Panini nochmals und in chronologischer Reihenfolge aufgelegt werden.
Obwohl die Reihe, die 1988 erstmals erschienen ist, nun schon einige Jahre auf dem Buckel hat, hat sie an Anspruch und Eindruck nichts eingebüßt. Ein bemerkenswertes Faszinosum ist sie auch heute noch.
Träume können wohl auch ewig andauern.
Besonders die von Neil Gaiman.

Links


Printer Icon Creative Commons by-nc-nd - Some rights reserved



AutorInnen

Daniel Gilic

Daniel Gilic

"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)

Newsfeed Icon Newsfeed von Daniel Gilic abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop