Ein feines Konzert der "Alternative-Rock-Legende" Bob Mould im altehrwürdigen Fillmore in San Francisco.
Natürlich verreist man hauptsächlich des Verreisens wegen, um wieder mal aus dem Alltag auszubrechen, um neue Orte, Leute, Lebensweisen kennen zu lernen. Wenn darüber hinaus das eine oder andere besondere - weil unerwartete - Ereignis diese Reise schmückt, ist das wie die Bonuszugabe beim Abschluß eines Zeitungsabos. So geschehen bei einem gerade vollendeten Kurztrip nach San Francisco, wo ich in der gratis erhätlichen SFweekly den Namen eines "alten Bekannten" erblickte: Bob Mould. "Bob Who?", fragte mich dann auch der interessierte Taxifahrer auf dem Weg ins Fillmore, worauf ich aufklärte, es handle sich dabei um den ehemaligen Sänger und Gitarristen der einflussreichen 80er-Jahre Punkrock-Band Hüsker Dü, der heute im Fillmore als Soloartist auftritt. Nach dem Ende von Hüsker Dü erschien 1989 Mould´s Solodebüt "Workbook", das noch heute zu einem meiner Lieblingsalben zählt. In den 90ern war der Mann mit der großen Stimme sowohl solo als auch mit seiner Zweitband Sugar aktiv. (im Taxi habe ich allerdings nicht ganz so weit ausgeholt)
Das Fillmore ist ein altehrwürdiger Schuppen, ein ehemaliger Tanzpalast, wo schon Legenden wie Jimi Hendrix, Otis Redding oder The Who bis hin zu gegenwärtigen Bands wie Blur oder Foo Fighters auf der mit Samtvorhang und Lustern gesäumten Bühne standen. Davon zeugen auch die unzähligen Fotos und Vintage-Art-Poster an den Wänden des mit Balkonen ausgestatteten ersten Stocks. Und als Draufgabe bekommt man das Bier von wendigen KellnerInnen bis in die vorderen, dicht gedrängten Stehplätze nahe der Bühne geliefert!
Wie ein Streifzug durch die Rockgeschichte:
die Posterwände im Fillmore
Auch der Voract sollte nicht ganz unerwähnt bleiben, den stellten nämlich die blutjungen und unglaublich agilen Shiny Toy Guns aus L.A., die mit einer frechen Mischung aus Garbage (die zierliche Frontlady wirkte in ihrem Minikleid/Netztstrumpf-Outfit zumindest optisch wie eine zum Teenager mutierte Shirley Manson) und dem discobeat-getriebenen Glamourrock von The Killers aufwarteten. Nicht weltbewegend, aber dennoch eine überraschend mitreissende Performance, die nicht zuletzt dem famosen Spiel des Drummers und einer nicht unoriginellen Version des Depeche Mode Klassikers "Stripped" zu verdanken war.
Nach der Umbaupause stieg der Altersschnitt (auf der Bühne) rasant von Anfang 20 auf Mitte 40, als der nicht mehr ganz taufrische Bob Mould mit dreiköpfiger Band die Bühne betrat. "Erstürmte" wäre aber wohl eher das richtige Wort, denn von lahm oder ausgepowert ist bei Mould keine Rede. Abgesehen von ein, zwei balladesk anmutenden Songs, lieferte die Band ein fast ausschließlich aus Uptempo-Nummern bestehendes Powerrock-Programm - ganz entgegen dem, nach Mould´s dritten Soloalbum "The Last Dog & Pony Show" abgegebenen Statement, dass er fortan keine Rockshows mehr geben würde. Live hatte zwischen den Songs des aktuellen, im heurigen Sommer erschienen Albums "Body Of Song" freilich auch älteres Material wie "See A Little Light", einer meiner all-time-favorites aus dem Solodebüt Platz.
"I Am Vision, I Am Sound": Bob Mould
Nach wie vor Meister seines Faches, bäumte sich Bob Mould gesanglich wie auch an der Elektrischen auf, wie die jaulenden Seelöwen am Fisherman´s Wharf (bekanntes Hafenviertel in SF) und spielte sich mit der Energie eines Mittzwanzigers scheinbar mühelos durch das Programm, inklusive dreier Zugaben - da machten selbst Bierbauch und Glatze keinen Abbruch. Tolle Show, tolle Location, tolle Stadt. Wenn nur dieser mühsame Jetlag nicht wäre...