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SKE - Eine Organisation mit Chancen für junge Kunst- und Kulturschaffende

2007-04-02 00:10:19

Martin Lidauer (SKE-Fonds) im Gespräch über Produktionsförderungen für Musiker, Förderkriterien, den österreichischen Musikmarkt und vieles mehr...

FM5: Von Attwenger bis Wohnzimmer Records habt ihr zahlreiche österreichische Projekte unterstützt. Rund 206.000 Euro wurden im vergangenem Jahr an Tonträgerförderung ausbezahlt. Nach welchen Kriterien gehen die SKE-Fonds bei Tonträgerförderungen vor?

Das wichtigste ist eine Demo. Die Beiräte sitzen hier und horchen bis zu sechs Stunden oftmals. Die schriftlichen Unterlagen werden vor der Sitzung kopiert und verschickt. Diese werden zu Hause studiert. Dann wird hier diskutiert. Zunächst geht es Mal um die Musik. Da gibt es Musikparameter. Was ist der musikalische Gehalt, was ist die Entwicklung eines Musikers/einer Band, woher kommen sie und wie könnte es weitergehen. Das zweite ist natürlich die Frage rund um das Label und den Vertrieb. Was ist bisher passiert? Wenn bekannt, wie schaut es um die Lifepräsenz rund um das Projekt aus. Dann gibt es noch Parameter, die man natürlich auf unserer Homepage nachlesen kann. Beispielsweise: Aus- und Weiterbildung, die künstlerische Qualität und ästhetische Innovation, Nutzung innovativer Technik und moderner Medien, spartenübergreifende Projekte und Co-Produktionen, zeitgemäße Verwirklichung und effiziente Verbreitung musikalischer Ideen, insgesamt die Modellhaftigkeit eines Konzepts. Jeweils fünf Personen sitzen in einem Beirat.

FM5: Gemäß den Förderkriterien richten sich eure Unterstützungen ausschließlich an jene Kunstschaffenden die einen Wahrnehmungsvertrag mit der Austro Mechana haben. Bedeutet das, dass sämtliche Interpreten oder Open Source Music Producer durchfallen, egal welches künstlerische Niveau sie besitzen?

Das stimmt eigentlich. Interpreten sowieso, weil das ist ein Komponistenförderfonds. Es gibt für die Interpreten eine eigene Verwertungsgesellschaft. Die bekommen, wenn auch in einem geringerem Ausmaß finanzielle Mittel aus der Leerkassettenvergütung. Die Antwort ist deshalb so klar, weil es auch eine gesetzliche Vorgabe ist. Das gesamte Büro, das Geld und die gesamte Institution gibt es überhaupt nur für jene Komponisten, die über die Austro Mechana Tandieme beziehen. Damit sind nämlich die Verstorbenen ausgeschlossen, es ist auch ausgeschlossen, dass Mittel für Dokumentation, Archive oder Rechtsnachfolger verwendet werden. Es ist die Absicht das Geld für das aktuelle Musikschaffen, für das aktuelle Musikgeschehen einzusetzen.

FM5: Etwa 600 Anträge flattern im Laufe des Jahres bei euch rein. Wie schafft ihr es bei dieser Flut einen objektiven Überblick zu wahren?

Gerade die Flut hilft bei einem Überblick. Wir lernen natürlich wahnsinnig viel kennen, weil so viele Leute schreiben. Wichtiger als das Papier ist allerdings was wirklich passiert. Die Beiräte und auch ich sind natürlich auch sehr viel unterwegs, was zu einem gewissen Grad natürlich hilft. Damit ist oftmals auch ein Hintergrundwissen zu Produktionen vorhanden.

FM5: Für Bands gehen Aus- und Weiterbildung und die Steigerung der künstlerischen Qualität oftmals mit der Chance auf Auftrittsmöglichkeiten einher. Ihr bietet ja bekanntlich auch Aufführungsförderungen an und bekommt hier vermutlich eine Fülle von Anfragen. Wie schaut es da in Österreich aus?

Zunächst Auftrittsförderungen für einzelne Bands oder MusikerInnen gibt es keine seitens der SKE. Das kann der Fonds gar nicht leisten. Es gibt Förderungen, die so heißen. Die gehen aber an Veranstalter zur Durchführung eines Festival- oder Jahresprogramms. Zentral auch dabei ist, dass diese einen starken Fokus und eine engagierte Schiene auf aktuelle Musik haben. Das gilt jetzt nicht nur für Veranstalter sondern auch für Kleinlabels. Wichtig ist immer auch der Nutzen für die KünstlerInnen. Der Nutzen und die Hilfe können aber auch mittelbar sein. Entscheidend ist das Programm.

FM5: Neben dem Projekt Pop oder dem Feedback von Soundbase, welche Projekte würdet ihr jungen Künstlern am Beginn ihrer Karriere empfehlen?

Es hat mal eines gegeben. Das war der Tonbandtest. Das war ein Versuch einen virtuellen Markt zu erzeugen bzw. eben eine Bewertung über diesen Markt zu erzeugen. Den gibt es allerdings nicht mehr bzw. er läuft gerade aus. Ich kenne keine institutionalisierten Möglichkeiten und Projekte die ich jetzt wirklich empfehlen könnte. Der Kontakt zu den Leuten ist wichtig. Leute innerhalb bestimmter Szenen, die Multiplikatoren, Medien natürlich, Leute die bei bestimmten Labels arbeiten, Veranstalter, Networking.

FM5: Musik aus Österreich hat zweifelsohne Potential. Dennoch gibt es mit Ausnahme von der Firma Musicexport (Mica) wenige Musikexportprojekte. Ist in diesem Bereich in Zukunft mehr geplant? Ihr steht ja diesbezüglich immer mit sehr vielen Leuten in Kontakt.

Im Moment nicht. Der so genannte Austrian Musicexport, der ja aus dem Mica herausgegangen ist, den haben die SKE projektiert auf zwei Jahre. Als einzige Organisation haben wir dieses Projekt mit einer Basisförderung ausgestattet. Das muss man im Herbst und Winter jetzt diskutieren und vor allem evaluieren. Export ist unverzichtbar für einen kleinen Markt wie Österreich. Aber er ist und bleibt vermutlich eine Schwachstelle. Ich weiß zumindest derzeit von keiner gebündelten Aktion - außer diesem oben genannten Projekt -, die vielen Nischen gebündelt ins Ausland zu bringen.

FM5: Woran liegt es deiner Meinung nach?

Darüber will ich nicht spekulieren. Es gibt so viele Leute die wirklich engagiert was machen, allerdings auf ihre eigenen Sachen und auf ihren eigenen Kreis konzentriert bleiben. Die elektronischen Medien haben hier schon sehr geholfen. Allerdings müssen diese Sachen erst einmal international auch gefunden werden. Das passiert derzeit nur im geringen Ausmaß. Jedenfalls zuwenig.

FM5: Was sind eurer Meinung nach die großen Herausforderungen für musikschaffende Künstler in Österreich? Gerade auch für die beginnenden KünstlerInnen?

Vielleicht habe ich auch zuwenig an die Jungen gedacht. Wenn ich so eine Frage höre, dann denke ich immer nur, überleben. Das schwierigste ist der Schritt vom einfachen Anfangen zur Professionalisierung. Wenn ich nämlich sage, ich möchte das wirklich machen, ich möchte davon „leben“ können, die Musik zu meinem Job machen, dann stellen sich viele Fragen: Steuer, Urheberrecht, Versicherung etc. Und alles kostet Geld! Es gibt keinen vorgegebenen Weg. Wer anfängt, soll zuerst Musik machen und möglichst viele Ideen haben. Vielleicht kann der Tipp sein, sich um diese komischen Begriffe einer Steuererklärung, von der viele zunächst Angst haben, doch möglichst bald zu kümmern.

FM5: Bands aus England oder Deutschland haben es leichter; das hört man zumindest immer wieder von Musikern. Dennoch gibt es mit fm4, gotv oder dem Ö3-Soundcheck im medialen Bereich und mit den SKE-Fonds oder den österreichischen Musikfonds im Produktionsbereich im Prinzip bessere Rahmenbedingungen als in den meisten Ländern dieser Welt. Was ist dran am „Jammern“?

Darüber möchte ich auch nicht spekulieren.

Oder andersrum gefrag: Wir haben gute Rahmenbedingungen. Alleine rund eine Million Euro Förderungen seitens des SKE-Fonds. Warum gibt es nicht mehr Christl Stürmers in Österreich?

Zum einem, alle Länder haben ihre Anstrengungen. Österreich natürlich auch, aber da gibt es einen Wettstreit. Die Beispiele waren FM4 und GOTV. Das finde ich natürlich großartig. Das ändert natürlich auch das Bewusstsein. Allerdings sind das im Prinzip terrestrische Medien und dadurch ist die Wirkung über die Grenzen hinweg eher gering. Ingesamte hoffe ich, dass verschiedene Rädchen in Zukunft besser zusammen arbeiten, bzw. zum Zusammenarbeiten anfangen. Vielleicht ist das auch ein Wunschdenken. Auch der Musikfonds ist ein Versuch. Ohne die Medien wird es nicht gehen. Ohne Medien wird es schwierig Musik über die Grenzen ins Ausland zu bringen.

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Ob es wirklich soviel ist, das sei dahingestellt. Jedenfalls ist es in den letzten zwei bis drei Jahren wieder mehr geworden, nachdem es früher über Jahre hinweg immer weniger geworden ist.
Die SKE haben auch einen Auftrag Kunst zu fördern. Ich bin vorher schon auf die Kriterien eingegangen. Das heißt natürlich auch, dass der große Markterfolg bei uns nicht diesen zentralen Stellenwert hat. Die SKE versucht pluralistisch zu agieren und auch musikalische Vielfalt zu fördern. Das unterscheidet uns ansatzweise von den österreichischen Musikfonds. Die Frage nach den weiteren Christl Stürmers richtet sich mehr an den österreichischen Musikfonds. Der hat nämlich die internationalen Marktchancen als einen zentralen Punkt in seinen Auswahlkriterien. Doch auch der Musikfonds ist mehr oder weniger eine reine Produktionsförderung. Jede Produktion braucht einen Vertrieb, um auch wo hinzukommen. Wir arbeiten da bewusst auch viel breiter. Wir haben einen starken Fokus auf junge Musik.

Der Zugang hierher soll einfach sein. Jeder kann schreiben. Eine Demo braucht man allerdings schon. Große bürokratische Hürden gibt es nicht.

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AutorInnen

Martin Aschauer

Martin Aschauer

Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...

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