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musik

Südstaatenrock aus dem Herzen Vorarlbergs

2007-04-02 00:11:24

Matt Boroff, eine österreichische Formation, beweisen mit ihrem aktuellen Album „Ticket To Nowhere“, dass auch im kleinsten Kuhdorf der große Rock 'n' Roll gelebt werden kann.

Wir schreiben das Jahr 2004: In der ZIB 3 wird ein Konzertbericht über den Sieger des „Tonbandtests“, der von Mica jedes Jahr ausgerufen wird, gezeigt. Kurz danach las ich auch in der Tageszeitung meines Vertrauens (Der Standard) eine durchaus positive Kritik über eine österreichische Formation, deren Name eher wie eine Senf-Marke oder ein hochprozentiges Getränk klingt: Matt Boroff.

„Diese Band wird mit Sicherheit wieder unter dem Teppich der Unwissenheit verschwinden“, dachte ich mir zu diesem Zeitpunkt. Es kam jedoch anders: Matt Boroff tourten nach ihrem titellosen Debütalbum durch Österreich, Deutschland, Schweiz und Italien und bespielten dabei beharrlich auch die kleinsten Clubs. Dieses Durchhaltevermögen hat sich ausgezahlt, denn am 27. Jänner '06 veröffentlicht das Trio mit „Ticket To Nowhere“ ihr zweites Album.


Matt Boroff haben sich für die Pressebilder ordentlich in Schale geworfen.
Ob dafür Tiere sterben mussten, weiß ich nicht.

Der Rock 'n' Roll ist überall zuhause
Für den Bandnamen ist Matt Boroff, der Frontmann, selbst verantwortlich. Er wuchs im amerikanischen New Jersey auf, zupfte dort – wie es so üblich ist – in einer Highschool-Band namens Planet Dread an der Gitarre. Mit dieser schaffte er es sogar, als  Vorband von Nirvana zu fungieren. Danach kam der Absturz und unter der Bandbiografie wurde ein Schlussstrich gezogen. Dann trat Marion, eine Vorarlbergerin, in das Leben von Matt Boroff. Und da gegen die Liebe (noch) kein Kraut gewachsen ist, verlagerte der geborene Amerikaner kurzum seinen Lebensmittelpunkt ins verträumte Vorarlberger Dorf Röthis. Einer Gegend, in der sich die Leute über kurz oder lang über den Weg laufen (müssen). So geschah es auch bei Matt Boroff und dem aus Vorarlberg stammenden Schlagzeuger Little Konzert. Die beiden kippten miteinander wohl nach einem Auftritt von Matt Boroff – der zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit seiner Frau Konzerte gab – das eine oder andere Bier. Und da dem nächtlichen Treiben des Öfteren auch eine gute Idee entspringt, bildeten sie letztendlich mit dem Stuttgarter Bassisten Rolf Kersting, der den beim ersten Album mitwirkenden Markus Bodenseh ersetzte, das fulminante Trio.

Was beim Debüt zu hören war, ist auch bei „Ticket To Nowhere“ vorhanden: Krachende Gitarren, ein die Tiefe erforschender Höllen-Bass und die ständig zwischen Heulkrampf und Wutausbruch befindliche Stimme von Frontman Matt Boroff. Der Eröffnungssong, nach dem das Album benannt ist, nervt noch ein wenig mit seinem Lagerfeuer-Charme und den Gitarren-Streicheleinheiten. Die folgenden Songs vermitteln die Stimmung einer mitten in der Wüste befindlichen Bar, an der sich die ungemütlichsten Zeitgenossen der umliegenden Gegend einfinden. Dort wird Tequila nicht aus mickrigen Gläsern getrunken, sondern direkt aus der Flasche in die raue Kehle geschüttet. Die finsteren Gesellen spucken ihren Unmut auf den Boden und lassen die qualmenden Zigaretten nie ausgehen. Nach einer halben Flasche Hochprozentigem folgt der aus Langeweile unvermeidliche Faustkampf – schlagkräftige Gründe gibt es nicht.

Das Album erzählt von Momenten zwischen Aufbruchsstimmung und völliger Resignation. Dabei entstehen Gefühlsebenen, die sich von Minute zu Minute, von Song zu Song verschieben und teilweise ineinander verschmelzen. Diese emotionale Mischung  wird partiell mittels Südstaatenrock à la Tito & Tarantula abgearbeitet. Beim Großteil der Stücke wird dies jedoch in ein etwas ruppigeres Soundkostüm gepfercht. Dabei kann dem Sänger schon mal der Kragen platzen:

You wanna change the world
But you don´t even know how to live in it
It takes more than a gun and a flag
... (Bad Actor/Matt Boroff)

„Ticket To Nowhere“ braucht den internationalen Vergleich nicht zu scheuen. Ein Album, das zeigt, dass Matt Boroff ein unglaublich abgeklärtes, variantenreiches und zielstrebiges Trio ist, das einfach gehört werden muss!

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AutorInnen

Marco Weise

Marco Weise

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