2008-10-05 23:51:45
Am 03.Oktober 2008 wurde der erste islamische Friedhof Österreichs in Wien-Liesing eröffnet. Schon zwei Jahre zuvor hat sich Alina Tretinjak diesem Thema angenommen und einen berührenden Dokumentationsfilm gedreht.
Vor zwei Monaten wurde der erste islamische Friedhof Österreichs in Wien-Liesing eröffnet. Was hier in einem Satz sehr simpel dargelegt wird, hatte eine lange Vorgeschichte. So lange, dass schon vor zwei Jahren, im Jahr 2006, ein Dokumentarfilm über die Entstehung des Friedhofs in Wien und einem anderen Friedhof in Vorarlberg in den österreichischen Kinos zu sehen war. Alina Tretinjak hat in ihrem Film "Südost Richtung Mekka" die Hintergründe des Friedhof-Baus erforscht und die Leute zu Wort kommen lassen, die diesen Friedhof haben wollen: österreichische Muslime.
Natürlich gab es auch schon vorher die Möglichkeit, sich als Muslim in Österreich begraben zu lassen. Der Wiener Zentralfriedhof hat verschiedene Abteilungen für die verschiedensten Glaubensrichtungen. Es gibt genauso ein muslimisches Abteil, wie es auch einen jüdischen, einen buddhistischen und viele andere Abschnitte des Friedhofs gibt. Und nicht nur in Wien sondern auch in anderen Bundesländern gab es bisher die Möglichkeit seine Verwandten an abgetrennten Stellen des jeweiligen Friedhofs begraben zu lassen - wie zum Beispiel der Friedhof von Traun, dessen islamischer Abschnitt erst vor kurzem geschändet wurde.
Warum also will man einen eigenen Friedhof? Ist das eine Sache des Stolzes? Will man sich abgrenzen von anderen Religionen? Sind die islamischen Mitbürger nicht bereit, ihre Verstorbenen neben Andersgläubigen auf ein und dem selben Friedhof zu begraben?
Viele stellen sich diese Fragen, da sie nicht mit den islamischen Riten vertraut sind. Schon der Titel von Tretinjaks Film "Südost Richtung Mekka" weist eine der Eigenarten von islamischen Friedhöfen auf: Die Verstorbenen müssen Richtung Mekka, der Stadt des Propheten Mohammed im heutigen Saudi-Arabien, begraben werden.
Ein junger muslimischer Mann aus Vorarlberg erzählt im Film, dass er seinem verstorbenen Vater diese letzte Ehre zu Teil werden lassen wollte; die Gemeinde jedoch wehrte sich gegen eine Beerdigung Richtung Mekka. Denn damit wäre die bisherige Friedhofsordnung aus dem Gleichgewicht gefallen. Also sah sich der junge Mann gezwungen, drei ganze Gräber zu kaufen, um den Sarg seines Vaters schräg in die drei Gruben Richtung Mekka hineinlegen zu können. Er musste also dreimal so viel bezahlen, wie alle anderen Gemeindemitglieder, wo doch schon ein einzelnes Grab genügend an Geld kostet.
Dieses und viele ähnliche Ereignisse haben die muslimische Glaubensgemeinschaft in Vorarlberg und in ganz Österreich wach gerüttelt: Wir brauchen einen eigenen Friedhof, wo wir unsere verstorbenen Lieben nach unseren Riten beerdigen können. Zu diesen Riten zählt auch die Waschung des leblosen Körpers, die im Islam vorgeschrieben ist und von einem Imam durchgeführt werden muss. Außerdem ist es islamischer Brauch, dass die Familie des Verstorbenen zumindest ein Stück weit den Sarg selbst trägt. Familie, Freunde und Angehörige treffen sich außerdem zum gemeinsamen Koran-Rezitieren und zum Sprechen des Totengebets.
All das können die Wiener Muslime nun. Der islamische Friedhof in Wien-Liesing ist mit einem großen Gebetsraum, vielen Waschräumen und einem großen Vorplatz für Versammlungen aller Art ausgestattet.
Der Film von Alina Tretinjak macht eines deutlich klar: Es sind zwar überwiegend die Alten, die sterben. Aber es sind die jungen Leute, die zweite und dritte Generation, die sich mit den Beerdigungen, der Friedhofswahl und der Gräberpflege auseinandersetzen müssen. Vor allem für Jugendliche mit Migrationshintergrund, die oft muslimischen Glauben haben, ist es schwierig den Wünschen der Eltern und Großeltern nach deren Tod gerecht zu werden. Viele sagen, sie wollen in der alten Heimat beerdigt werden, was unglaubliche Kosten und enormen Papierkrieg für die Hinterbliebenen bedeutet. Und jene, die hier begraben werden wollen, wollen aber nach islamischen Riten begraben werden, was wieder Schwierigkeiten mit den lokalen Friedhofbehörden bringen könnte.
Der islamische Friedhof in Wien-Liesing ist also ein wichtiger Schritt in der Entwicklung unserer Hauptstadt. Denn die Muslime, die heutzutage in Wien leben, sind Wiener und fühlen sich auch als solche. Sie sind nicht emigriert sondern ihre Eltern oder Großeltern, die deshalb vielleicht doch noch einen Bezug zur alten Heimat haben und von denen manche vielleicht tatsächlich noch den Wunsch äußern dort begraben zu werden. Die junge Generation jedoch muss das nicht mehr. Sie können, sollte es einmal soweit sein, in ihrer Heimat begraben werden: Wien, Österreich.
...und ich wär' hier so gerne zu hause,
denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.
Newsfeed von Christian Pausch abonnieren
Toller Artikel - ist super geworden und so toll recherchiert ;)
lg,
nadja
[antworten]
Yo! Wirklich sehr schöner Artikel...
Gruß aus Salzburg!
[antworten]
Netter Artikel, richtig gut geschrieben.
Weiter so ;)
[antworten]
genau richtig
wirklich sehr gut gemacht
genau das richtige und das was man sich als österreichischer muslim denkt
viele menschen wissen nicht dass wir(od.zumindest viele von uns muslime) in österreich unsere heimat unsere letzte ruhestätte haben wollen.
danke!
macht weiter so
LG nermin
[antworten]